In Zeiten des Corona-Virus

Kontaktsperre: Zwei Familien erzählen, wie sie ihre Abende gestalten

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Die Familie ist in Zeiten der Kontaktsperre näher zusammengerückt: Mareike Jander mit Sohn Toni, ihrer Mutter Ute, Tochter Clara und Mann Dominik (v.r.n.l)

Bergkamen/Bönen – Die Kinder treffen sich abends mit Freunden, Papa geht noch eine Runde ins Fitnessstudio und Mama lässt sich einen Kaffee mit der Nachbarin schmecken. Nur ein Beispiel von zahlreichen Szenarien, die sich an einem normalen Abend bei manchen Familien abspielen. Doch die Kontaktsperre macht uns die Beschäftigung in der Freizeit derzeit nicht gerade leicht. Wie gehen vor allem Familien damit um, dass das Leben derzeit quasi stillsteht, und wie gestalten sie jetzt ihren Abend?

„Wir sind als Familie näher zusammengerückt“, sagt Mareike Jander aus Bergkamen über sich, ihren Mann Dominik und die zwei Kinder Toni (15 Jahre) und Cara (zehn Jahre). Mit im Haus wohnt die Oma. „Für meine Mama ist das jetzt ganz toll, dass wir einfach noch mehr zusammen sind“, so Mareike Jander. Eigentlich wird dazu geraten, sich in dieser besonderen Zeit von älteren Menschen fernzuhalten. „Das machen wir jetzt nicht, weil wir immer schon zusammen im Haushalt gewohnt haben“, erzählt die Leiterin der Offenen Ganztagsgrundschule in Rünthe. Am Morgen frühstücken die Kinder mit der Oma, essen mit ihr und dem Vater zu Mittag und abends essen dann alle zusammen.

Seit Anordnung der Kontaktsperre gestalten sich die Abende bei der Familie anders als sonst. „Wir gehen jetzt immer zusammen mit den Hunden raus“, so Jander. Früher habe das entweder sie, ihr Mann oder eines der beiden Kinder gemacht. Jetzt machen alle zusammen einen „Riesenspaziergang“. „Und wir spielen tatsächlich ganz viel, zum Beispiel ‚Mensch ärgere dich nicht’ “, sagt Jander.

Besonders „furchtbar" sei für ihre Kinder, dass sie ihre Freunde nicht wie gewohnt treffen können. Deshalb arbeite die Familie nun stärker zusammen, um den Kindern wenigstens etwas die Freunde zu ersetzen. „Das kann man natürlich schlecht, aber wir machen ein bisschen das, was sie vielleicht mit ihren Freunden machen würden, zum Beispiel zusammen mit der Spielekonsole spielen.“ Bis jetzt gehe man sich aber noch nicht auf den Geist. „Wir haben uns alle immer noch ganz doll lieb“, betont Jander mit einem Schmunzeln. „Wir haben ein großes Haus, wo man sich zwischendurch mal aus dem Weg gehen kann. Das ist auch wichtig. Aber an sich machen wir jetzt ganz viel zusammen und genießen die Zeit.“

Sport, Instrument üben und Kaninchenpflege

Für Heike Alberti, ihren Mann Frank Mertens und die Töchter Madita (15 Jahre) und Viola (zwölf Jahre) aus Bönen fühlt sich die Zeit, vor allem die Abende, an wie in den Schulferien. Besonders Madita und Viola versuchen, ihre freie Zeit so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. „Mir ist aufgefallen, dass die beiden im Moment sehr viel zusammen machen“, sagt Heike Alberti, Vorsitzende des Fördervereins des Marie-Curie-Gymnasiums. So füllen ihre Töchter die Zeit am Abend gerne mit viel Bewegung. „Sie machen dann zum Beispiel Workouts“, sagt Alberti.

Die Töchter Madita (links) und Viola von Heike Alberti und Frank Mertens kümmern sich abends auch um die Kaninchen Mümmel und Hoppel.

Die abendlichen Verabredungen mit Freundinnen sind derzeit nicht möglich, das hält die beiden aber nicht davon ab, eine tolle Zeit zu haben. „Als es jetzt ein bisschen wärmer war, sind unsere Mädels bis 19.30 Uhr draußen geblieben. Wir haben zum Glück einen Garten und können uns da prima bewegen. Da steht auch ein großes Trampolin“, erzählt Alberti. An jedem Abend werden zudem die beiden Kaninchen Mümmel und Hoppel „rübergesetzt“. „Wir haben einen kleineren und einen größeren Auslauf und abends geht es für sie zurück in den Stall“, so Heike Alberti.

Madita übe zudem manchmal Bratsche. An einem Abend ist das Streichinstrument besonders zum Einsatz gekommen. „Es hieß, wer ein Instrument spielt, soll am 22. März um 18 Uhr die Fenster aufmachen und ‚Ode an die Freude‘ herausspielen“, so Alberti und ergänzt: „Da bei uns die Häuser weiter auseinander sind und man den Nachbarn fast schon nicht mehr hört, haben wir uns in den Eingangsbereich gestellt und nacheinander Bratsche und Blockflöte gespielt und gesungen.“ Eine sehr kreative Art und Weise, den Abend in Zeiten der Kontaktsperre zu verbringen. Heike Alberti und ihr Mann freuen sich aber auch auf gemütliche Abende vor dem Fernseher. „Krimis schauen wir am liebsten“, sagt sie.

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