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Rettungsweg genügt nicht: Ohne Eingriff in Beversee-Wald kein Hafenfest mehr

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Von: Bernd Kröger

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Vom Kanal und Beversee-Wald begrenzt ist die Marina Sackgasse mit dem Hafenweg an der Werner Straße (links) als einziger Zuwegung. Zu gefährlich, wenn zigtausende Besucher kommen. Daher soll es für Retter im Notfall eine Zufahrt durch das Naturschutzgebiet geben.
Vom Kanal und Beversee-Wald begrenzt ist die Marina Sackgasse mit dem Hafenweg an der Werner Straße (links) als einziger Zuwegung. Zu gefährlich, wenn zigtausende Besucher kommen. Daher soll es für Retter im Notfall eine Zufahrt durch das Naturschutzgebiet geben. © Hans Blossey

Ohne gesicherten zweiten Zugang für Rettungskräfte im Notfall kann es kein Hafenfest mehr geben. Nun ist ein Lösungsweg gefunden - aber der führt durch den streng geschützten Beversee-Wald.


Rünthe – Ob das Hafenfest in Rünthe für zigtausende Besucher ein sicheres Vergnügen bietet, wird neuerdings nicht allein davon bestimmt, ob ein gefährliches Virus im Umlauf ist. Wie ein überraschender, weil auf städtischer Ebene nicht erörterter Vorstoß der Verwaltung beim Kreis Unna zeigt, muss für einen Katastrophenfall bei der Massenveranstaltung ein zusätzlicher Rettungsweg geschaffen werden.

Interne Planung seit zwei Jahren

Insgeheim hat die Verwaltung seit 2020 daran gearbeitet, „die Bergkamener Veranstaltung schlechthin“ in puncto Rettungskonzept gestiegenen Anforderungen anzupassen. Die Frage lag schon auf dem Schreibtisch, als Bürgermeister Bernd Schäfer daran Platz nahm. Er wollte aber keine womöglich „schädliche“ öffentliche Diskussion darüber riskieren, dass der Lösungsweg durch das besonders geschützte Beversee-Gebiet führt.

Kein Hafenfest ohne Tuchfühlung – Risiko in der Pandemie und bei Notfällen.
Kein Hafenfest ohne Tuchfühlung – Risiko in der Pandemie und bei Notfällen. © Bruse

Zufahrt am Wanderparkplatz

Schäfer ließ seine Leute intern mit der Naturschutzbehörde beim Kreis Unna und dem RVR als Waldeigentümer verhandeln. So reifte, mit Verfahrens-, Gutachter- und späteren Baukosten in fünfstelliger Höhe aufseiten der Stadt, diese Idee: Ab dem Wanderparkplatz an der Werner Straße soll bis zur Marina eine bestehende Verbindung als Rettungsweg mit Einbahnregelung ertüchtigt werden für den Fall, dass über den Hafenweg als „Flaschenhals“ kein Durchkommen ist. Über das südliche Kanalufer und einen Abzweig über das Bayer-Gelände sollen Verletzte abtransportieren werden (Karte).

Im Einbahnverkehr sollen Retter im Notfall zur Marina und wieder hinaus gelangen. Von der Werner Straße (rechts) durch Wald zum Einsatz und am Kanalaufer (oben links, grün) entlang zum Krankenhaus.
Im Einbahnverkehr sollen Retter im Notfall zur Marina und wieder hinaus gelangen. Von der Werner Straße (rechts) durch Wald zum Einsatz und am Kanalaufer (oben links, grün) entlang zum Krankenhaus. © Kreis Unna

Nur haben die Beteiligten die Rechnung ohne den Naturschutzbeirat der Umweltbehörde gemacht. Den Ehrenamtlern dort gefällt weder die als gleich alternativlos präsentierte Lösung noch die Vorgehensweise, wie der Vorsitzende Christian Kruthoff der Redaktion sagte.

Naturschutzbeirat will ernst genommen werden

„Der Eingriff in den Wald ist für sich genommen vielleicht nicht so gravierend. Das Problem ist, dass ohne Absprache immer eins zum anderen kommt“, so Kruthoff. „Die Natur kann sich nicht wehren, aber es ist unsere Aufgabe, das für die Natur zu tun.“ Das habe er die Behörde wissen lassen, als die im Frühjahr „auf dem kleinen Dienstweg“ sein Okay haben wollte. Schnell gehen sollte es wohl, um zum vorbehaltlichen Hafenfesttermin Ende Juni fertig zu werden.

Coronaproblem lieferte Deckung

Aber der Beiratsvorsitzende bestand auf der formellen Befassung des Gremiums. Da war an den Ausbau des Weges nicht mehr zu denken, als die Stadt Bergkamen Ende April über das Hafenfest entschied. Da machte schon die Runde, dass nach zwei coronabedingten Ausfällen des Spektakels an eine Neuauflage nicht zu denken sei, weil es Probleme mit dem Rettungsweg gebe. Eine Auskunft dazu schob die Verwaltung auf WA-Anfrage zunächst hinaus, dann erklärte Bürgermeister Bernd Schäfer die Absage – durchaus begründet – mit den Unwägbarkeiten der Pandemie und redete die Wegfrage klein.

Schäfer: Existenz des Festes gesichert

„Ich gehe davon aus, dass die Existenz des Hafenfestes mit seiner Bedeutung für die Wahrnehmung der Stadt und des Kreises Unna nun für die Zukunft gesichert ist“, sagt Schäfer jetzt und sieht sich in seiner Vorgehensweise bestätigt. Ein Diskurs hätte einer Lösung im Wege stehen können. Da nur der RVR als Eigentümer und der Kreis als Behörde betroffen seien, seien städtische Gremien formal nicht gefragt.

Naturschützer legen Beschwerde ein

Ob die Strategie aufgeht, hängt vom Ausgang der Beschwerden ab, die Kruthoff nun beim Land und bei der Bezirksregierung eingereicht hat. Denn der Beirat wurde nach seinem Votum in einer Sondersitzung Mitte Mai überstimmt, als die Sache kürzlich im Kreisausschuss aufgerufen wurde. Eigens zu diesem Zweck, unter Widerspruch der Grünen, aber von breiter Mehrheit getragen.

Ein Affront nach Jahren pragmatischer Zusammenarbeit, so Kruthoff. Widerspruch zwecklos – insofern, dass darüber eh wieder auf Kreisebene entschieden würde. Daher setzt er auf höhere Instanzen.

Eingriff im Grundsatz verboten

Denn nach dem Gesetz ist zunächst verboten, was die Stadt begehrt. Der Beversee ist Naturschutzgebiet nach der strengen EU-Norm für Fauna- Flora-, Habitat-Schutz (FFH), der vom Kreis erstellte Landschaftsplan steht diesem Eingriff auch entgegen. Für die Wegeverbreiterung müssten 250 Quadratmeter Fläche vom Wald abgezwackt und zwei Bäume gefällt werden. Zudem soll eine Holzbrücke durch eine Überfahrt ersetzt werden, mit Betonrohr als Durchlass, damit die Fahrzeuge passieren können. Dazu kommt der stete Freischnitt.

Behörde sieht Ausnahme gegeben

Die Naturschutzbehörde kommt aber zu dem Schluss, dass der Eingriff in der Abwägung zwischen Umweltbelangen und dem Interesse an der Veranstaltung zu vertreten sei. Zu Ausgleich wird die Stadt zahlen müssen.

Grüne missfällt Vorgehensweise

Keine Frage, dass sich die Kreis-Grünen an der Seite der ehrenamtlichen Naturschützer bei den Parteikollegen in Bergkamen erkundigt haben, was da los ist. Da war die Überraschung groß. „Ich habe von Kirsten Reschke, unserem Kreistagsmitglied aus Bergkamen, davon gehört“, sagte Grziwotz auf Anfrage. Glücklich findet er das nicht, auch wenn ihm Schäfer später seine Sicht erörtert hat. Das Problem sei klar, bei der strittigen Lösung bleibe aber die Frage, welche Alternativen verworfen wurden.

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