Pandemie hat große Auswirkungen

Corona statt Knöllchen: Das Jahr 2020 beim Ordnungsamt

Das Ordnungsamt führte im 2020 weniger herkömmliche Kontrollen durch als im Jahr zuvor. Hauptgrund war die Arbeitsbelastung durch die Corona-Maßnahmen.
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Das Ordnungsamt führte im 2020 weniger herkömmliche Kontrollen durch als im Jahr zuvor. Hauptgrund war die Arbeitsbelastung durch die Corona-Maßnahmen.

Bergkamen – Seit 2003 gibt es in Bergkamen einen städtischen Ordnungsdienst. Eine solche Zeit wie im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiter bisher sicher noch nicht erlebt. Denn neben präventiven Tätigkeiten und der Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Bürger kam mit der Corona-Pandemie ein komplett neues, großes Einsatzfeld hinzu. Die Auswirkungen auf den Arbeitsalltag waren enorm.

Dünne Personaldecke

Das geht aus Jahresbericht des Ordnungsdienstes hervor, der am 16. März beim Ausschuss für öffentliche Sicherheit und Ordnung ein Thema sein wird. Deutlich beeinflusst wurde die Tätigkeiten der Abteilung auch durch den krankheitsbedingten Ausfall eines der beiden Vollzeitbeschäftigten im April 2020. Während der erkrankte Mitarbeiter über das ganze Jahr ausfiel, erhielt der verbliebene Mitarbeiter Verstärkung durch eine Person, die im Rahmen des Teilhabechancengesetzes als „Ordnungsdiensthelfer“ eingesetzt wurde. Ganz allein sind die beiden Kräfte indes nicht unterwegs gewesen, denn Aufgaben in Bereichen wie der Verkehrsaufsicht oder als Marktmeister werden auch von anderen Mitarbeitern übernommen.

Corona-Maßnahmen

Der Innendienst wird im Rathaus in verschiedenen Abteilungen je nach Zuständigkeit erledigt. Hier wurden seit dem Ausbruch der Pandemie mehr als 8500 corona-bedingte Schreiben verfasst. In eiligen Fällen haben die beiden Mitarbeiter die Briefe direkt an die betroffenen Personen zugestellt. Wenn das Gesundheitsamt mutmaßliche Kontaktpersonen von Infizierten nicht telefonisch erreichen konnte, war ebenfalls der Ordnungsdienst gefragt, um die Personen aufzusuchen und aufzufordern, sich mit dem Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen. Über die genaue Zahl an ausgestellten Bußgeld-Bescheiden in Bezug auf die Pandemie gibt der Bericht keine Auskunft. Dezernentin Christine Busch kündigte auf Anfrage der Redaktion an, diese Zahlen zur Ausschusssitzung in Erfahrung zu bringen.

Während der beiden Lockdowns organisierte das Sachgebiet Sicherheit und Ordnung mehrmals wöchentlich Kontrollfahrten in Kooperation mit der Polizei. Hierfür wurde personell nicht nur auf das Duo vom Ordnungsdienst zurückgegriffen, denn auch Kollegen aus dem Außen- und Innendienst des Amtes Bürgerdienste, Ordnung und Soziales und aus anderen Stadtämtern der Stadtverwaltung waren daran beteiligt.

Weitere Maßnahmen

Bedingt durch die Corona-Einsätze und die überschaubare Personaldecke blieben allerdings viele sonstige Aufgaben des Ordnungsdienstes auf der Strecke. Die Anzahl der durchgeführten herkömmlichen Maßnahmen ging deutlich zurück. Die Anzahl der Bürgergespräche mit Erwachsenen sank im Vergleich zum Vorjahr von 4237 auf 1820. Dazu stellte die Stadt auch weniger Knöllchen aus. Die Zahl der geahndeten Verkehrsordnungswidrigkeiten reduzierte sich von 1421 auf 994.

Kontrollen des Ordnungsdienstes 2020

Die wichtigsten Bereiche:
Kontrollen ohne Vorkommnisse: 3380 (in Rünthe 206)
Entgegennahme von Hinweisen und Beschwerden: 1755
Kontrolle Verkehr/Parken: 629
unangeleinte Hunde: 8
Zurücklassen von Müll: 3
Rauchen unter 18 Jahren: 13

Noch deutlich größer ist laut der Statistik der Rückgang im Bereich der mündlichen Verkehrserziehung. Hier gab es 2020 insgesamt 589 Gespräche, das sind 816 weniger als im Vorjahr. Lediglich eine Steigerung gab es bei den nicht corona-bedingten Maßnahmen. So wurden 24 Verwarnungen mit Verwarnungsgeld ausgesprochen, das sind acht mehr als 2019.

Mehr Ruhestörungen

1755 Beschwerden und Hinweise hat das Ordnungsamt im vergangenen Jahr ortsteilübergreifend erhalten. Hier hebt der Bericht vermehrte Einsätze aufgrund von Ruhestörungen hervor, die während der normalen Dienstzeit gemeldet wurden. „Wenn jemand in seiner Wohnung zu laut Musik hört, ist das nicht der Aufgabenbereich des Ordnungsamtes. Wenn aber draußen auf einer öffentlichen Spielfläche bis in den späten Abend Basketball gespielt wird, kann das den Anwohner auf der Terrasse schon nerven. Da geht es dann darum, mit den jungen Leuten ins Gespräch zu kommen und darauf hinzuweisen, dass der Platz nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit zu benutzen ist“, so die Ordnungsdezernentin Christine Busch.

Beleidigungen

Im Bereich der Schulwegsicherung sind die Überwege ohne Ampel an weiterführenden Schulen ins Blickfeld gerückt. Die Stadt verzeichnet dabei eine Zunahme rücksichtlosen Parkens, sodass Kinder oft Schwierigkeiten haben, die Fahrbahn zu überqueren und einzusehen. Meist zeigten sich die Bürger in Bezug der gefährlichen Auswirkungen ihres Handelns uneinsichtig.

Aber auch sonst müssen die Ordnungsdienstmitarbeiter regelmäßig Beleidigungen und Verunglimpfungen bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten ertragen. „Da muss man schon ein dickes Fell haben“, sagt Busch über die Beleidigungen, die die Kollegen im Außendienst oftmals zu hören bekommen. Immerhin – schwerwiegende Bedrohungen und Beleidigungen, die einen Strafantrag nach sich gezogen hätten, mussten 2020 nicht dokumentiert werden.

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