Corona und schlechtes Wetter

Wellenbad mit bis dato „traurigen“ Gästezahlen

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Großen Aufwand haben die Gemeinschaftsstadtwerke betrieben, um ihre beiden Freibäder trotz Corona zu öffnen, berichten die GSW-Mitarbeiter Sven Holtsträter und Anna Lootze.

Bergkamen – Zunächst schien lange die Sonne, doch die Freibäder konnten wegen Corona nicht öffnen. Jetzt ist das Wetter durchwachsen, die Einrichtungen sind offen – und kaum jemand kommt. Die GSW als Badbetreiberin erlebt eine nie da gewesene Sommersaison mit bis dato „traurigen“ Besucherzahlen.

Dienstagmorgen im Wellenbad in Weddinghofen. Auf dem weiten Gelände verlieren sich bis 11 Uhr gerade einmal sieben Badegäste. Dabei sind wir mitten in den Schulferien und viele Familien verzichten wegen der Pandemie auf einen Urlaub in der Ferne. „Die Menschen agieren aber auch zu Hause noch verhalten“, sagt Sven Holtsträter vom Bädermanagement der Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen mit Blick auf das Virus. Und außerdem: „Das Wetter!“ Die Erfahrung zeige, dass die Menschen ihr Badezeug erst packten, wenn es mindestens drei Tage lang warm und sonnig sei.

Doch danach sieht es momentan nicht aus. Laut Wettervorhersage soll’s in dieser Woche zwar schöner werden, schon in der kommenden allerdings ist wieder Schluss mit dem kleinen Zwischen-Hoch. „Wir können nur noch auf einen sonnigen August hoffen“, sagt Holtsträter.

Die meisten Sitzbänke sind wegen Corona noch gesperrt.

Die bisherigen Zahlen sprechen Bände. Im Wellenbad wurden seit Monatsbeginn mit Stand Montag gerade einmal 486 Badegäste begrüßt, knapp 25 pro Tag. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gesamten Juli 8 923. Die Juni-Bilanz sieht noch düsterer aus: 1 687 Schwimmern stehen 18 471 im Vorjahresmonat gegenüber. Allerdings muss bedacht werden, dass die Schwimmstätte wegen Corona und eines Technikschadens erst ab dem 17. Juni öffnen konnte.

„Das Bädermanagement war da schon in Kurzarbeit“

„Traurig“ seien die Zahlen, sagt Holtsträter. Und auch ein wenig enttäuschend. So habe man alles daran gesetzt, die Open-Air-Saison noch zu retten, als es im Mai entgegen den Erwartungen hieß, Freibäder könnten doch wieder öffnen. „Das Bädermanagement war da schon zu 100 Prozent in Kurzarbeit“, schildert der GSW-Mitarbeiter. Zügig mussten Saisonkräfte gesucht und eingestellt werden, ebenso schnell galt es, einen defekten Einführungsstutzen am 1972 erbauten Wellen-Becken auszutauschen. Und es gab die Corona-bedingten Extra-Aufgaben, zuvorderst die Erstellung eines Hygienekonzepts auch für das Freibad in Kamen. „Das alles geschah in enger Absprache mit dem Kreisgesundheitsamt sowie den Ordnungsämtern in den Kommunen“, so Holtsträter.

Mit Aufnahme des Wellenbetriebs Mitte des Monats schieben auch zusätzliche Sicherheitskräfte in Weddinghofen Dienst. Zu einem Gedränge am Becken ist es aber noch nicht gekommen. Wirtschaftlich gesehen wäre es klüger gewesen, die Freibäder nicht zu öffnen, räumt Holtsträter ein. Mit dem Schritt wolle die GSW aber den Wünschen der Kommunen entsprechen, ihren Bürgern Erholung vor der eigenen Haustür zu bieten.

Kapazität auf 700 Gäste begrenzt

Angst vor Ansteckung und schlechtes Wetter sind nur zwei Faktoren, die vom Besuch im Freibad abhalten. Ein weiterer ist die derzeit vorgeschriebene Reservierung, die nicht viel, aber dem ein oder anderem doch ein wenig Mühe macht. Und insgesamt habe sich das Schwimmverhalten verändert, betont Holtsträter, insbesondere bei Jugendlichen. Hätten sie sich früher wie selbstverständlich nach der Schule oder in den Sommerferien im Freibad getroffen, besuchten sie heutzutage lieber sporadisch größere Freizeitbäder mit hohem Spaßfaktor. Dafür würden auch weite Wege in Kauf genommen.

Holtsträter kann sich an die Zeit erinnern, als täglich mehrere tausend Gäste das Wellenbad aufsuchten. Jetzt in Corona-Zeiten sei die Kapazität zwar auf 700 begrenzt, doch auch diese Zahl werde bei Weitem nicht erreicht. In Kamen sehe es ähnlich aus. Dort seien seit Monatsbeginn 1 839 Besucher gezählt worden, knapp 13 000 seien es im gesamten Vorjahresmonat gewesen.

Holtsträter und sein Team arbeiten aktuell an Hygieneplänen für die Hallenbäder in Bergkamen und Kamen, die mit dem Ausbruch der Pandemie geschlossen wurden. Große Unbekannte dabei ist der Bedarf der Schulen. „Da wird noch eine Feinabstimmung nötig.“ In der Schließungszeit wurden die Hallenbäder laut Holtsträter intensiv gereinigt, Maßnahmen zur Instandhaltung wurden vorgezogen.

Badegäste können jetzt bis zu einer Woche im Voraus buchen

Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) haben Änderungen bei der Reservierung vorgenommen. Seit Wochenbeginn kann man Tickets für die Freibäder in Bergkamen und Kamen sowie für Hallenbad und Sauna in Bönen bis zu einer Woche im Voraus buchen; zuvor lag die Zeitspanne lediglich bei drei Tagen. Eine Reservierung unter Angabe der Personalien ist nach wie vor zwingend, um Einlass zu bekommen. Sie ist online, in den GSW-Geschäftsstellen sowie an der Bad-Kasse in Bönen möglich. Die Online-Reservierung wird per E-Mail als pdf-Datei verschickt, die Reservierungen können als Ausdruck oder auf dem Handy an der Kasse vorgezeigt werden. Gezahlt wird dann vor Ort, wobei die Preise wegen der Aufteilung der Schwimmzeiten für zwischenzeitliche Extra-Reinigungen sowie der Reduzierung der Mehrwertsteuer verbilligt sind. Erwachsene zahlen vier Euro (statt 4,50 Euro) für ein Schwimm-Ticket, Kinder, Jugendliche und Studenten zwei Euro (statt 2,80 Euro), der Saunabesuch kostet zehn Euro. Wer reserviert hat, davon aber doch keinen Gebrauch machen kann, wird gebeten, telefonisch bei den GSW abzusagen, damit der Platz wieder frei wird. Per Ampelsystem wird online angezeigt, ob an der ein oder anderen Stelle die jeweiligen Kapazitätsgrenzen erreicht oder überschritten werden. Zuletzt stand alles auf Grün.

gsw-freizeit.de

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