Unsicherheit in der Branche

Corona-Lockdown: Schlimmste Befürchtung in Tattoo-, Kosmetik- und Nagelstudios wird wahr

Tattoo- und Kosmetikstudios gehörten in der ersten Hochphase der Corona-Krise zu den Betrieben, die besonders lange schließen mussten. Auch in diesem Lockdown leiden sie weiter.

Update vom 26. November, 6.00 Uhr: Es bleibt dabei: Kosmetik- und Tattoostudios bleiben geschlossen. Bund und Länder haben bei ihren Beratungen am 25. November eine Verlängerung der Einschränkungen beschlossen. Der Grund: Das exponentielle Wachstum der Neuinfektionen ist gestoppt, dennoch infizieren sich täglich zu viele Menschen mit dem Coronavirus. (News zum Coronavirus)

Sars-CoV-2Medizinische Bezeichnung des Virus
Covid-19Bezeichnung für die durch das Virus ausgelöste Krankheit
Coronaviren/CoronaBezeichnung für eine Familie von Erregern. Es gibt unterschiedliche Corona-Stämme

Bis mindestens zum 20. Dezember werden Kosmetik- und Tattoostudios geschlossen bleiben. Lockerungen waren bei den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten kein Thema. Nun können Betroffene nur hoffen, dass der Lockdown endlich Wirkung erzielt und die täglichen Corona-Fallzahlen rückgängig sind. Erst dann werden Einschränkungen zurückgenommen.

Corona-Lockdown: Kosmetik- und Tattoostudio mit wenig Hoffnung

Update vom 28. Oktober, 20.13 Uhr: Jetzt ist es offiziell - der zweite Lockdown kommt am Montag, 2. November. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch beschlossen. Damit werden die schlimmsten Befürchtungen der Betreiber von Kosmetik- und Tattoostudios wahr. Denn die neuen Regeln sehen vor, dass Massage- sowie Tattoostudios und ähnliche Einrichtungen geschlossen bleiben. Lediglich medizinisch notwendige Behandlungen wie Physiotherapien bleiben weiter möglich. Auch Friseure dürfen unter Einhaltung der bestehenden Auflagen öffnen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich nach dem Beschluss dazu geäußert, warum die Maßnahmen nötig sind.

Update vom 28. Oktober, 16.32 Uhr: Die Sorgen der heimischen Betreiber von Kosmetik- und Tattoostudios scheinen sich zu bewahrheiten. Bund und Länder wollen wegen der sich verschärfenden Corona-Krise Betriebe im Bereich der Körperpflege wie Kosmetikstudios, Massagepraxen oder Tattoostudios im November schließen.

Bergkamen – Kosmetikstudio, Sonnenstudio oder Tattoo-Laden: Für sie dauerte der Corona-Lockdown wegen der ersten Hochphase der Coronavirus-Krise im Frühjahr länger an als für viele andere Branchen. Auch im November drohen den Betreibern wieder drastische Corona-Einschränkungen.

Sorge vor Corona-Lockdown: Unsicherheit schadet Tattoo- und Kosmetikstudios

Doch wie ging es weiter, als der Betrieb wieder aufgenommen wurde? Und welche Sorgen kommen mit Blick auf das jetzt wieder steigende Infektionsgeschehen hoch? Wir sprachen mit einer Kosmetikerin und einer Tätowiererin aus Bergkamen im von der Corona-Krise stark betroffenen Kreis Unna.

„In den Wochen direkt nach dem Lockdown haben wir schon gemerkt, dass die Leute vorsichtiger geworden sind“, berichtet Manuela Alkan, stellvertretende Geschäftsleiterin des Kosmetikstudios Lawika. Sie ergänzt erfreut: „Aber nach und nach kam das Vertrauen zurück.“ In den Räumen von Lawika-Kosmetik können die Menschen eine kurze Zeit den Alltag vergessen. Auf der Liste stehen unterschiedliche Anwendungen wie Fußpflege, Nageldesign und Gesichtsbehandlungen – alles, was mit Schönheit, Pflege und Entspannung zu tun hat.

Corona: Harte Zeiten für Betreiber von Kosmetik-, Sonnen- und Tattoostudios

„Dass wir so breit aufgestellt sind, ist nun unser großes Glück“, ist sich Manuela Alkan sicher, denn nur wenige der früheren Kunden würden nun gar nicht mehr kommen. Stattdessen wägen viele ab, bei welcher Anwendung eventuell ein niedrigeres Risiko einer Corona-Ansteckung als bei einer anderen besteht.

„Einige Kunden nehmen zum Beispiel weiterhin Behandlungen wie Fußmassagen in Anspruch, verzichten aber auf Gesichtskosmetik“, berichtet die stellvertretende Lawika-Leiterin, denn bei solchen Behandlungen kann wesentlich mehr Abstand gehalten werden, die Kunden können ihre Alltagsmaske auflassen. Das sorgt bei vielen Besuchern des Kosmetikstudios für ein höheres Sicherheitsempfinden. Dazu kommt die Umsetzung eines strengen Hygienekonzepts in den Räumen.

Manuela Alkan, stellvertretende Leiterin des Kosmetikstudios Lawika, freut sich über das Vertrauen der Kunden.

„Wir haben einfach enormes Glück, dass wir aktuell nicht sagen müssen, dass uns die Hälfte unseres Kundenstamms weggebrochen ist“, erzählt eine erleichtert klingende Manuela Alkan. „Als es nach dem Corona-Lockdown langsam wieder losging, waren wir natürlich unsicher, ob die Kunden zurückkommen würden, denn das, was wir hier machen, ist ja kein Pflichtprogramm für die Menschen, sondern Luxus.“ Umso erfreuter waren sie und ihre Kolleginnen, dass sich schnell alles wieder erholt hat.

Corona-Lockdown? Unsicherheit schadet Kosmetik-, Sonnen- und Tattoostudios

Die Bergkamener Tattoo-Welt hingegen hat es härter getroffen. Tätowiererin Enomis Cloodt hat nämlich erst 2019 ihr Tattoostudio „Buntes Tintenfass by Enomis“ eröffnet. Sie war also noch dabei, sich einen festen Kundenstamm aufzubauen, als im März dieses Jahres als Reaktion auf die Corona-Pandemie das gesellschaftliche Leben heruntergefahren wurde.

Dementsprechend steht sie nun nicht nur vor der Aufgabe, alte Kunden zurückzugewinnen, sondern nach wie vor neue Kunden an sich zu binden. „Es läuft eher schleppend“, gibt die Tattoo-Künstlerin zu. „Viele Leute haben derzeit einfach Angst“. Auch einen neuen Lockdown hält sie für möglich: „Man muss ja mit allem rechnen“, sagt sie und blickt in eine unsichere Zukunft.

Die Angst vor einem zweiten Corona-Lockdown wächst in Sonnenstudios

Aus den Reihen der Bergkamener Solarien hört man ähnliche Ängste. Die Mitarbeiterin eines der Sonnenstudios der Stadt im Kreis Unna erwähnt es klipp und klar: „Wenn es wirklich zu einem weiteren Lockdown kommt, dann wird es richtig übel, nicht nur für unsere Branche. Das werden ganz viele Geschäfte nicht überleben.“ Schon jetzt wird die Beobachtung gemacht, dass die Termine weniger, die Kunden vorsichtiger werden. „Das hat aber vor allem mit der Berichterstattung in den Medien zu tun“, ist sich die Sonnenstudio-Angestellte sicher.

Auch Manuela Alkan macht sich ihre Gedanken über eine erneute Schließung des Kosmetikstudios, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter Iwona Kudlawiec leitet. „Wir merken, dass unsere Kunden wieder vorsichtiger werden in Anbetracht der steigenden Corona-Zahlen“, berichtet die stellvertretende Studioleiterin. „Die Möglichkeit eines weiteren Lockdowns macht uns große Angst. Auch in Hinblick auf unsere Mitarbeiter, die wir nicht erneut in Kurzarbeit schicken möchten.“ Doch Manuela Alkans positive Grundeinstellung siegt: „Wir sind positiv gestimmt und hoffen, dass es weitergeht!“

Rubriklistenbild: © Robert Szkudlarek

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