Impfzentrum in Unna

Impfungen für Jugendliche ausgeweitet: Das sagt ein Kinderarzt

Zum Auftakt der Impfaktion für Kinder und Jugendliche kamen am Freitag zahlreiche Familien zum Impfzentrum nach Unna.
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Zum Auftakt der Impfaktion für Kinder und Jugendliche kamen am Freitag zahlreiche Familien zum Impfzentrum nach Unna.

Aufgrund der großen Nachfrage wird das Impfangebot für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren im Impfzentrum des Kreises in Unna auf zwei Nachmittage in der Woche ausgeweitet.

Bergkamen/Kreis Unna – Zum bestehenden Angebot am Freitagnachmittag wird die Zielgruppe auch sonntags geimpft. Für die Aufklärung der Minderjährigen und deren Eltern kommen Kinderärzte wie der Bergkamener Dr. med. Detlev Bolle zum Einsatz.

Der 66-Jährige hat vor fünf Jahren seine Praxis in Overberge nach 35-jähriger Tätigkeit an seinen Nachfolger Edmund Petri übergeben. Im Zuge der Impfmaßnahmen ist der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin nun seit Februar immer wieder im Impfzentrum im Einsatz. „Ich habe mittlerweile schon über 40 Schichten gemacht und zusammen mit Mitarbeitern pro Schicht etwa 150 bis 170 Personen aufgeklärt“, blickt Bolle auf die zurückliegenden Monate zurück.

„Bin eindeutig für Impfungen“

Während der speziellen Impfzeiten für Kinder und Jugendliche klärt der Arzt nun den Nachwuchs vor der Spritze auf. „Als Kinder- und Jugendarzt bin ich eindeutig für Impfungen. Ich werde aber kein Kind beziehungsweise Jugendlichen gegen seinen Willen impfen, auch wenn die Eltern es möchten“, betont der Bergkamener.

Zum Wochenstart haben die Gesundheitsminister der Länder ein Impfangebot für Kinder ab zwölf Jahren beschlossen. In dem einstimmigen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz heißt es, dass nunmehr alle Länder Impfungen für Zwölf- bis 17-Jährige in Impfzentren oder mit anderen niedrigschwelligen Angeboten anbieten können.

„Kalkuliertes Experiment“

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat für Unter-18-Jährige bislang keine allgemeine Impfempfehlung ausgesprochen und empfiehlt die Impfung für Zwölf- bis 17-Jährige nur dann, wenn sie an schweren Vorerkrankungen wie Adipositas, Herzinsuffizienz oder Diabetes leiden. „Der rein medizinische Standpunkt der Stiko ist, dass mit abnehmendem Alter der Kinder und Jugendlichen unter 16 Jahren das Risiko der Impfung gegenüber dem Risiko inklusive Folgeschäden der Erkrankung langsam zunimmt“, erklärt Detlev Bolle.

Der mRNA-Impfstoff von Biontech ist seit Juni auch für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen. Über die möglichen Gefahren für Kinder und Jugendliche gibt es noch nicht viele Informationen. „Es sind bisher noch nicht so viele geimpft worden. Wir sind in einer Art kalkuliertem Experiment. Eine der seltenen Nebenwirkungen sind temporäre Herzrhythmusstörungen, die aber auch bei älteren Patienten auftreten“, sagt Bolle. Ihm sind allerdings keine Kollegen bekannt, die die Impfungen für die jüngere Zielgruppe nicht positiv sähen. Auch bei niedergelassenen Ärzten können Kinder und Jugendliche nach dem neuen Beschluss bald flächendeckend geimpft werden. Bisher war das nur für Kinder mit Vorerkrankungen möglich.

Körperliche Entwicklung wichtiger Faktor

Eltern, die unsicher sind, ob sie ihr Kind impfen lassen sollen, empfiehlt der Bergkamener ein Gespräch mit dem jeweiligen Kinderarzt: „Ich bin Impf-Befürworter. Egal ob es um Masern, Röteln, Mumps oder Grippe geht – in meiner Praxis habe ich jahrzehntelang gute Erfahrungen damit gemacht, und deshalb freue ich mich über alle, die sich gegen Corona impfen lassen.“ Bei der Impfindikation sei die körperliche Entwicklung des Kindes neben dem Lebensalter zu berücksichtigen.

„Alle bisherigen Impfungen werden primär als Individualschutz durchgeführt, sekundär erhöhen wir damit aber auch den gesellschaftlichen Nutzen der Herdenimmunität“, wirbt Bolle für die Immunisierung gegen das Coronavirus. Der Kinderarzt möchte die Erfahrungen der vergangenen Monate von der Arbeit im Impfzentrum nicht missen. „Das alles aktiv mitzuerleben, ist definitiv ein Höhepunkt in meiner medizinischen Laufbahn.“

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