„Wir kennen unsere Patienten“

Corona-Impfung in Praxen: Rünther Ärzte stehen in den Startlöchern

Die Hausärzte sollen ab April mehr Tempo in die Impfkampagne bringen.
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Die Hausärzte sollen ab April mehr Tempo in die Impfkampagne bringen.

Die Mediziner im Ärztehaus in Bergkamen-Rünthe könnten pro Woche bis zu 1000 Spritzen gegen das Coronavirus setzen. „Bekommen wir nur 50 Dosen, machen wir das nebenbei“, heißt es.

Bergkamen – Je mehr Menschen immunisiert werden, desto stärker wird das Coronavirus versuchen, Mutationen zu bilden, um zu überleben. Um diesen Evolutionswettlauf gewinnen zu können, bleibt nur eins: deutlich schneller zu impfen. Die Haus- und Betriebsärzte halten das für möglich, wenn sie denn mit eingebunden werden.

Allein in den deutschen Arztpraxen könnten pro Monat 20 Millionen Vakzine verabreicht werden, heißt es von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern stimmten dem Plan am vergangenen Mittwoch zu. Spätestens ab dem 19. April könnte es dann auch in Bergkamen losgehen.

„Wir haben uns bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet und angeboten, Impfpraxis zu werden“, berichtet zum Beispiel Dr. Markus Drees aus dem Ärztehaus Rünthe. Dabei hätten er und seine drei Kollegen – Anika Beckhove, Dr. Hermann Bründermann und Dr. Carola Bauer – eine recht hohe Kapazität angegeben.

Das Vierer-Team könne pro Woche zwischen 500 und 1000 Impfungen durchführen, verdeutlicht Drees. In erster Linie solle sich das Angebot aber an die eigenen Patienten richten. „Ich möchte nicht, dass es eine Art Impf-Tourismus gibt“, sagt er.

Je weniger Serum, desto aufwändiger die Priorisierung

Der Mediziner hat mittlerweile schon Erfahrungen mit der Corona-Immunisierung in einem Impfzentrum gesammelt. Er ist sich sicher, dass sich die Abläufe dem gegenüber in der eigenen Praxis beschleunigen lassen könnten. „Wir kennen unsere Patienten schließlich“, sagt er und denkt dabei beispielsweise an die Abfrage von Risiken und Vorerkrankungen, die ihm bei den eigenen Patienten bereits bekannt sind.

Eine solch hohe Zahl an Impfungen sei allerdings nur möglich, wenn genügend Serum vorhanden ist. „Die Organisation und der Ablauf hängen komplett davon ab, wie gut wir damit versorgt werden. Sollten wir nur 50 Dosen pro Woche bekommen, müssen wir zusehen, wie wir die Verteilung und Priorisierung, die ja vom Gesetzgeber vorgegeben ist, organisieren. Das würde eine Menge Aufwand bedeuten“, schätzt Drees. Aus den Patientenakten müssten er und seine Kollegen heraussuchen, welche Patienten entsprechend der Impfverordnung des Bundes als erstes an der Reihe wäre, und erfahren, ob sie bisher noch nicht geimpft wurden.

Extra-Termine und Wochenend-Einsatz?

Wünschen würde Drees sich ausreichend Impfstoff für alle, die sich immunisieren lassen wollen. „Dann würden wir auch unkonventionelle Weg gehen, um möglichst viel zu impfen.“ Denkbar wären für ihn Termine außerhalb der Sprechstunde und sogar am Wochenende. Schließlich sollen alle anderen Patienten nach wie vor umfassend betreut werden und nicht durch das zusätzliche Impfen beeinträchtigt werden. „Unsere Terminpläne reichen schon jetzt bis in den Sommer“, weiß Drees. „Da ist es schwierig, das Impfen kurzfristig in die normale Sprechstunde einzubetten.“

Noch geht der Mediziner jedoch nicht davon aus, dass sein Ärztehaus mit großen Mengen Vakzin ausgestattet wird – zumindest nicht im ersten Schritt. „Bekommen wir nur 50 Dosen pro Woche, machen wir das nebenbei“, gibt der Arzt für Innere Medizin an.

Derzeit beschäftigten sich die Mitarbeiter in der Praxis an Rünther Straße intensiv mit dem Thema, überlegen mögliche Strukturen, entsprechend der möglichen Liefermengen.

Dass sich auch die Hausärzte beim Impfen an die festgelegte Reihenfolge laut Impfverordnung halten sollen, findet der Rünther Arzt in Ordnung. „Natürlich gibt es Kriterien, die über das Alter hinaus für eine frühe Impfung sprechen. Aber das gibt die Priorisierungsliste ja vor. Aufgrund der Tatsache, dass es bislang noch nicht ausreichend Impfstoff gibt, bin ich ganz froh, dass es bestimmte Spielregeln dafür gibt. Ich möchte mit meinen Patienten nicht unbedingt Debatten darüber führen müssen, wann sie geimpft werden können“, so Dr. Drees.

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