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Corona-Fall an Willy-Brandt-Gesamtschule: 9. Klasse vorsorglich zu Hause - Masken in Diskussion

Mädchen Maske Mund-Nasen-Schutz
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Viele Schüler aus Bergkamen wollen weiter Masken im Unterricht tragen.

Bergkamen - Ein positiv auf das Coronavirus getesteter Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule in Bergkamen vergegenwärtigt das Ansteckungsrisiko an Schulen. Mit der wegfallenden Maskenpflicht im Unterricht sind daher viele nicht einverstanden.

Bergkamen – Seit Dienstag ist die Maskenpflicht im Unterricht aufgehoben. Das heißt aber nicht, dass die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen nun gänzlich ohne Mund-Nasen-Schutz lernen. Manch einer will sie freiwillig weitertragen, um das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus für sich und andere zu minimieren, wie etwa Neuntklässlerinnen am Städtischen Gymnasium. Und manch Schule empfiehlt dies den Kindern und Jugendlichen auf eigene Initiative, darunter die Willy-Brandt-Gesamtschule.

Das Thema Maske sei ein heikles, sagt Dirk Rentmeister, kommissarischer Leiter der Gesamtschule. Zwar falle die Pflicht weg, sie im Unterricht zu tragen. Doch dadurch würden ja nicht plötzlich die Klassenräume größer, sodass die Schüler das allgemein geltende Abstandsgebot einhalten könnten.

Corona-Fall an Gesamtschule in Bergkamen: Mitschüler werden Dienstag getestet

Als „Appell an die Freiwilligkeit“ will Rentmeister die Empfehlung verstanden wissen, die Maske weiterhin den gesamten Unterrichtstag hindurch zu tragen. Der Vorschlag dazu sei im Lehrerrat positiv aufgenommen worden, auch mit der Schulpflegschaft habe man sich noch abgestimmt. Über das Internet und andere Wege würden die Eltern informiert, in den Klassen werde man das Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen suchen.

Rentmeister geht davon aus, dass die Schule mit ihrer Empfehlung auf positive Resonanz stößt. „Ich glaube, dass ein Großteil der Schüler mitzieht“, sagt er. Und was stimmt ihn derart optimistisch? „Auch die Schüler wissen, dass Corona noch nicht vorbei ist“, so der kommissarische Schulleiter.

Ein Schüler der Gesamtschule Bergkamen wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Das vergegenwärtigt ein aktueller Fall. So wurde ein Neuntklässler der Gesamtschule übers Wochenende positiv auf das Coronavirus getestet – mit der Folge, dass die gesamte Klasse am Montag zu Hause blieb und bis auf Weiteres dortbleiben muss. Am Dienstag soll von allen Schülern der Klasse ein Abstrich gemacht werden, um zu klären, ob sich das Virus innerhalb der Lerngruppe ausgebreitet hat. Die Lehrer an der Schule werden alle zwei Wochen getestet – bis dato gab’s noch keine Auffälligkeiten.

Corona-Fall an Gesamtschule in Bergkamen: Keine Ausgrenzung

Rentmeister sieht noch einen zweiten Grund, warum der Vorschlag, die Masken im Unterricht weiter zu nutzen, allgemein Akzeptanz finden könnte: „Die Schüler haben sich dran gewöhnt.“ Jetzt, wo das Wetter nicht mehr so warm sei, falle das Tragen leichter, überdies ließen die aktuellen Temperaturen ein längeres Lüften der Klassenräume zu.

Wenn ein Schüler die Maske im Unterricht absetze, was sein Recht sei, dürfe dieser natürlich nicht ausgegrenzt werden, betont Rentmeister. Womöglich könnten auch Kompromisse gefunden werden, indem jeweils die Schüler mit und ohne Maske zusammensitzen.

Corona-Fall an Gesamtschule in Bergkamen: Noch keine Vorgaben von der Bezirksregierung

Am Städtischen Gymnasium gebe es erst einmal keine allgemeine Empfehlung, sagt Schulleiterin Bärbel Heidenreich. Das hänge auch damit zusammen, dass der Schule vonseiten der Bezirksregierung noch keinerlei offizielle Unterlagen zum Wegfall der Maskenpflicht vorlägen, betonte sie am Montag, 15 Uhr. Am Freitag sei aber zumindest mitgeteilt worden, dass die Maske auf freiwilliger Basis auch im Unterricht getragen werden könne.

Die Schülerschaft spricht sich nach ihrer Einschätzung tendenziell eher für die Beibehaltung der Maskenpflicht aus. Bei der Elternschaft wird das Thema laut Heidenreich generell differenziert und auch kontrovers diskutiert. Persönlich würde sie das Weitertragen der Mund-Nase-Bedeckungen im Unterricht begrüßen, um sich gegenseitig besser schützen zu können, verdeutlicht sie, doch könne sie auch gegenteilige Meinungen verstehen. In den Schulgremien habe wegen fehlender Ausführungsbestimmungen noch keine Abstimmung über das weitere Vorgehen in Sachen Maske stattfinden können. „Das hätte ich gerne im Vorfeld gemacht.“

Corona-Fall an Gesamtschule in Bergkamen: Lehrer mit Vorerkrankungen gefährdet

Heidenreich weist darauf hin, dass der Wegfall der Maskenpflicht im Unterricht bei Lehrern mit Vorerkrankungen dazu führen könne, dass sie ihr Gesundheitsrisiko neu einschätzten – um sich gegebenenfalls vom Präsenz-Unterricht befreien zu lassen. Am „Städtischen“ sei die Zahl möglicher Betroffener allerdings gering.

Die Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht: Bei den Schülern sorgt sie auf der einen Seite für Aufatmen, weil das Lernen erleichtert wird. Auf der anderen Seite nährt sie die Sorge, dass es zu Ansteckungen kommt.

Corona-Fall an Gesamtschule in Bergkamen: Schüler wollen Masken tragen

Die 14-jährige Belana etwa findet es „eher nicht gut“, dass die Masken im Unterricht abgesetzt werden. Sie sei über ein Jahr lang nicht mehr krank gewesen, sagt die Neuntklässlerin des Städtischen Gymnasiums. Dies bleibe hoffentlich auch so. Die Angst um die Gesundheit ihrer Familienangehörigen beschäftige sie aber ungleich mehr. „Viele gehören zur Risikogruppen.“

Auch ihre Klassenkameradin Joline, ebenfalls 14, sähe es lieber, wenn durchweg Masken getragen würden. „Ich würde gerne helfen, dass meine Großeltern nicht an Corona erkranken“, sagt sie. Das Tragen der Maske sei nicht mehr ganz so unangenehm, seit es kälter sei.

Für Amelie (14) steht fest: „Das Gesundheitsrisiko wird höher, wenn die Masken abgenommen werden.“ Sie werden freiwillig einen Mund-Nasen-Schutz tragen – auch im Unterricht.

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