Strenge Auflagen für Saisonarbeiter

Landwirte hoffen, dass die Helfer zur Ernte anreisen dürfen

Antje Schulze Elberg auf ihrem Spargelfeld
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Antje Schulze Elberg muss sich langsam auf die Spargelernte vorbereiten. Sie hofft, dass ihre Helfer bald anreisen können.

Bergkamen – Noch schlummern die Pflanzen tief in der Erde. Doch der warme Hauch von Frühling, der in den vergangenen Tagen bei uns wehte, deutet daraufhin, dass in diesem Jahr Spargel, Erdbeeren und Co. früh geerntet werden können. Für die hiesigen Landwirte wird es daher Zeit, sich Gedanken um ihre Helfer zu machen.

Die kommen nämlich häufig aus dem Osten, aus Polen, Bulgarien oder Rumänien. Und unter welchen Auflagen sie in diesem zweiten Corona-Frühling einreisen dürfen, hängt erneut vom Infektionsgeschehen in Deutschland und in ihrer Heimat ab.

Anja Schulze Elberg hofft jedenfalls, dass ihre sechs Helfer aus Polen rechtzeitig zum Spargelstechen in Rünthe eintreffen. Sie unterstützen die Landwirtin schon seit Jahren, sind mit den Abläufen im Betrieb gut vertraut. „Mit einer Helferin habe ich bereits telefoniert. Sie will sich jetzt erkundigen, welche Auflagen sie erfüllen müssen“, berichtet Anja Schulze Elberg.

Bestimmungen ändern sich ständig

Für die Bergkamenerin und ihre Mitarbeiter ist das größte Problem zurzeit, dass sich die Bestimmungen und Verordnungen ständig ändern. Niemand kann heute sagen, welche Regeln in ein paar Wochen gelten, wenn der Spargel erntereif ist. „Ich bin aber guten Mutes, dass die Leute wieder kommen dürfen und die gleichen Auflagen gelten wie vergangenes Jahr“, sagt die Landwirtin.

Dazu zählt zum Beispiel die Unterkunft. „Es dürfen maximal zwei Personen in einem Raum untergebracht werden, besser sind Einzelzimmer“, weiß sie. Die Wohnfläche muss dabei jeweils wenigstens zwölf Quadratmeter betragen – so war es zumindest 2020.

Zum Glück hat Schulze Elberg in ihrem Haus Platz genug, um alle gut und mit genügend Abstand unterzubringen. „Es ist ein Paar dabei, das sonst auch zusammenlebt. Die Beiden dürfen natürlich ein Doppelzimmer bekommen. Die anderen wohnen in Einzelzimmern“, schildert sie.

Der ungewöhnlich warme Februar könnte dafür sorgen, dass der Spargel schon früher erntereif ist.

In der Regel sind es sechs Polen, die zu ihr auf den Hof am Ostenhellweg kommen – eine überschaubare Zahl, für die sie leicht geeignete Quartiere findet. Doch obwohl Schulze Elberg diesen Teil der Schutzverordnung erfüllen kann, musste sie im Dezember auf Unterstützung aus dem Ausland verzichten.

„Normalerweise habe ich vor Weihnachten immer zwei, drei Polen da, die mir beim Schlachten helfen“, erzählt sie. Nun aber galten aufgrund der extrem hohen Infektionszahlen Quarantänebestimmungen für die Saisonarbeiter – hüben wie drüben. „Sie hätten nach der Einreise in Deutschland erst mal 14 Tage in Quarantäne gemusst und nach ihrer Rückkehr in Polen ebenfalls noch einmal. Da sie aber nur 14 Tage hier gewesen wären, hat sich das für sie einfach nicht gelohnt“, so die Landwirtin. Sie musste also Ersatz vor Ort suchen. Und der hat sich die Notlage ganz gut bezahlen lassen, wie sie bemerkt hat.

Dass die Erntehelfer aus Deutschlands östlichem Nachbarland kommen, sieht die Bergkamenerin als Vorteil. „Für Leute aus Bulgarien oder Rumänien ist es momentan schwieriger, einzureisen. Da gibt es strengere Grenzkontrollen“, so Anja Schulze Elberg.

Thies Henter ist dennoch optimistisch, dass seine Saisonkräfte pünktlich zur Erdbeerernte bei ihm eintreffen. Die kommen aus Rumänien. „Vergangenes Jahr durften sie nur über den Luftweg, per Flugzeug, einreisen“, sagt der Fröndenberger, der einige Erdbeerfelder in Bergkamen bewirtschaftet. „Inzwischen dürfen sie aber wieder über den Landweg kommen. Für gewöhnlich fahren sie mit Bussen.“

Quarantäne auch auf dem Feld

Henter beschäftigt allerdings nicht nur ausländische Erntehelfer. Die meisten seiner Saisonarbeiter wohnen in der Region. „Wir müssen dann natürlich darauf achten, dass sie anfangs, während der Quarantänezeit, nicht zusammenkommen und getrennt arbeiten“, erklärt er.

Er erwartet etwa sechs oder sieben rumänische Mitarbeiter. „Das sind vor allem Familien, die kommen aus einem Haushalt“, so Thies Henter. Das mache die Unterbringung einfach. Zum Teil quartiert er sie in Wohnwagen auf einem Campingplatz ein. „Da können sie sich frei bewegen, ohne Kontakte zu anderen zu haben“, sieht er darin einen großen Vorteil gegenüber den Massenunterkünften, in denen etwa die Saisonarbeiter in der Fleischindustrie untergebracht wurden. Die kämen für ihn nicht infrage.

Auch für Henter bleiben derzeit noch einige Fragezeichen bezüglich der Einreise seiner Helfer. Noch hat er aber etwas Zeit. „Ich denke, ich kann ab Ende April mit meinen Erdbeeren an den Markt gehen.“

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