Charmanter Budenzauber auf Gut Keinemann in Rünthe

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Rünthe - Zweiter Weihnachtsmarkt im historischen Ambiente von Gut Keinemann – und am Samstag spielte auch das Wetter mit. Ganze Besucherscharen pilgerten an den Ortsrand. „Der gesamte Westenhellweg ist ja hier“, urteilte eine Besucherin lachend, als sie wieder einmal auf Bekannte traf und ihre Stöbertour für einen Plausch unterbrechen musste. Auch Lücken auf dem Parkplatz waren schnell wieder gefüllt, und Programmpunkte von Musikschule und Dancers at home taten ihr Übriges, Besucher anzulocken.

Wer den Weihnachtsmarkt betrat, blieb unwillkürlich stehen und ließ den ersten Eindruck auf sich wirken. Lichterketten an den Gebäudegiebeln und flackernde Feuer verliehen dem Budenzauber einen ganz besonderen Charme. „Die Atmosphäre ist einzigartig. Das ist der schönste Weihnachtsmarkt, auf dem ich bisher ausgestellt habe“, erklärte Yvonne Mattern vom Chilli-Stand, als sie den Blick ins Rund schweifen ließ. Ob Chili con carne, im Glühwein oder als Chutney: Probierfreudige fanden in „Simons Garten“ ein Schlaraffenland. 

Echte Hingucker bot Peter Hübner. Der ehemalige Bergmann hatte zu seinen aktiven Zeiten auf Heinrich-Robert Kohlebrocken mit nach oben gebracht, und ein Bekannter fertigte daraus Uhren. Einige dieser Stücke kaufte Hübner ihm wieder ab. „Diese Uhr stand auf meinem alten Fernseher“, verriet er und wies auf ein Stück, das neben der Uhrzeit auch einen Miniatur-Streb zeigt. „Als der Fernseher wegkam, fragte meine Frau, ob ich die Uhr nicht in den Keller bringen könnte.“ Auch zu Spardosen umgerüstete Warnmelder hatte Hübner im Angebot, und suchte auf dem Rünther Weihnachtsmarkt für all diese Schätze neue Besitzer. 

Peter Hübner bot echte Hingucker an. 

„Haben Sie Ihre Messer dabei?“ Mit dieser Frage begrüßte Stephan Blank hingegen als „Gratwandler“ die Menschen an seinem Stand. Im Haupterwerb ist der Unnaer Rollstuhlmechaniker. Ein stumpfes japanisches Messer brachte ihn vor etwa zwölf Jahren dazu, sich mit der Kunst des Schleifens intensiv auseinanderzusetzen. Heute schärft er fast jedes Messer und auch eine Axt, die ein Kunde mit zum Stand brachte. 

Ganz sanft ging es am Stand von Birgit Willeke zu. Die Bio-Landwirtin hat sich mit ihrer Familie auf den Hanfanbau spezialisiert. „Das ist medizinischer Hanf“, erklärte sie. Eine berauschende Wirkung gebe es nicht, weiß Birgit Willeke, die ihre Pflanzen trotzdem vor Cannabiskonsumenten schützen muss. Wohl aber enthalten die Öle, Salben und Tees Cannabidol, das Schmerzen lindern und die Nerven beruhigen soll.

Heißer Apfelmost und Partymusik

Ob Strickwaren, Bastelartikel oder Kunsthandwerk: Das vielfältige Angebot hielt für jeden Geschmack etwas parat. Ein Hingucker waren auch die Acryl-Sand-Porträts von Doris Stuckenbruck aus Dortmund. Sie war schon im letzten Jahr dabei und zog einen positiven Vergleich: „Es ist wesentlich voller. Es sind mehr Stände. Es ist einfach wunderschön, weil nicht so kommerziell.“ 

Die meisten Leute würden aber nur gucken, stellten die Warenverkäufer übereinstimmend fest. Leichter hatten es da die Verpflegungsstände. Doch nicht nur deshalb hatten die Rünther Jörg und Ute Tüttmann sowie Uwe Heiland gute Laune. Sie freuten sich vor allem, dass ihre Idee so gut ankam. Im vergangenen Jahr vermissten die Männer nämlich eine Reibekuchen-Bude auf dem Rünther Weihnachtsmarkt. „Dann backen wir doch einfach welche“, entschieden sie sich. Geriebene Kartoffeln wurden ihnen angeliefert, doch der Reibekuchenteig musste zu Hause noch mit Mehl, Haferflocken, Eiern, Salz und Pfeffer fertiggestellt werden. Auch Zwiebeln durften nicht fehlen, ein Kilogramm pro Eimer. „Die wurden mit der Taucherbrille geschnitten“, verriet Jörg Tüttmann. 

Besonders gut kam auch ihr Geheimtipp ein: Heißer Apfelmost. Der vergorene Apfelsaft hatte stolze fünf Promille Alkohol und erwies sich sowohl als wärmend, als auch als fruchtig-frisch. „Nur eine Dame brauchte Zucker, allen anderen schmeckte er so“, plauderte Uwe Heiland aus dem Nähkästchen. 

Der Weihnachtsmarkt füllte sich erst am Abend so richtig, als im Zelt Partymusik auflegt wurde. „Aber man musste sich ja auch entscheiden“, erklärte eine Rüntherin. „Gehe ich auf den Weihnachtsmarkt, oder zum Tanzen auf die Party? Man zieht sich ja dann anders an.“ 

Deutlich ruhiger wurde es am Sonntag. Regen und Wind hielten offenbar viele vom Bummeln ab.

Weihnachtsmarkt auf Gut Keinemann in Rünthe - Teil II

Weihnachtsmarkt auf Gut Keinemann in Rünthe

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