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Sperrmüll-Abfuhr: Chaos-Sammlung in Dortmund wirft auch in Bergkamen Fragen auf

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Von: Jürgen Menke

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Jede Menge Sperrmüll an den Straßen: Das gab’s zuletzt nach dem verheerenden Hochwasser Mitte vergangenen Jahres. Der Entsorgungsbetrieb Bergkamen räumte auf – kostenlos.
Jede Menge Sperrmüll an den Straßen: Das gab’s zuletzt nach dem verheerenden Hochwasser Mitte vergangenen Jahres. Der Entsorgungsbetrieb Bergkamen räumte auf – kostenlos. © Andreas Rother

Im Dortmunder Stadtteil Scharnhorst ist umgesetzt worden, was die CDU auch für Bergkamen ins Gespräch gebracht hat: eine kostenlose Sperrmüll-Abfuhr. Allerdings mit gravierenden negativen Folgen. Der Entsorger wurde den Mengen nicht mehr Herr. Was bedeutet das für die Pläne hier?

Bergkamen – Die Sammlung in Dortmund fand Mitte des Monats an einem Samstag statt. Der dortige Abfuhrbetrieb EDG hatte an Personal und Technik wohl alles aufgefahren, was möglich war. Aber das reichte nicht. Ein Grund: das riesige Aufkommen. Etliche Anwohner hatten bei der Gelegenheit wohl ganze Keller und Dachböden entrümpelt.

Zudem lagen an den Straßenrändern Dinge, die alles andere als Sperrmüll sind: etwa Elektrogeräte, Bauschutt, Farbreste und Autoreifen, für die besondere Entsorgungswege existieren. Ein weiteres Problem waren dem Vernehmen nach Müllberge auf Privatgelände, die von den EDG-Mitarbeitern nicht betreten werden durften.

CDU will‘s „kostenlos“

In Bergkamen hatte die CDU als größte Oppositionspartei das Müll-Thema Mitte 2021 neuerlich aufs Tableau gebracht und sich per Ratsantrag für eine regelmäßige kostenlose Sperrgutabfuhr ausgesprochen. Dadurch ließe sich wilden Müllkippen vorbeugen, lautete die Argumentation. Zudem werde den Bürgern ein attraktives Serviceangebot unterbreitet.

Zustände wie jüngst in Dortmund wollen auch die Christdemokraten nicht. Daher müsse die Einführung gut vorbereitet werden, hieß es auch bei der Diskussion über ein Gutachten zum Thema Ende Mai im Betriebsausschuss des Stadtrats.

Gutachten empfiehlt Mittelweg

Das Gutachten hatte die Verwaltung in Auftrag gegeben. In dem Papier werden drei Szenarien durchgespielt. Bei zweien wurde ohne eine Sondergebühr für die Sperrmüll-Abfuhr gerechnet, wodurch die anfallenden Kosten unabhängig vom individuellen Aufkommen auf alle Gebührenzahler umgelegt würden. Empfohlen wurde am Ende eine als Mittelweg beschriebene Variante.

Diese sieht eine Halbierung der derzeitigen Sperrmüll-Grundgebühr auf 10 Euro bei Abfuhr vor sowie niedrigere Tarife bei Abgabe am Wertstoffhof. Die Kosten für die Restmülltonne steigen dabei um 6,25 Prozent.

Auch am GWA-Wertstoffhof kann Sperrmüll entsorgt werden. Er befindet sich aktuell an der Justus-Liebig-Straße.
Auch am GWA-Wertstoffhof kann Sperrmüll entsorgt werden. Er befindet sich aktuell an der Justus-Liebig-Straße. © Menke

Laut Kämmerer Marc Alexander Ulrich wird die Umsetzung des Mittelwegs derzeit vorbereitet. Die endgültige Entscheidung treffe aber zum Jahresende die Politik im Rahmen der Gebührenfestsetzungen für 2023.

Mit Blick auf Dortmund zeigt sich die CDU-Fraktion unterdessen „erbost“, wie es Vorsitzender Thomas Heinzel formuliert. Er verweist auf die Vorstellung des Gutachtens, bei der es hieß, keine andere Kommune in der Region plane einen ähnlichen Schritt wie Bergkamen. „Das stimmte offenbar so nicht“, betont Heinzel. Er hege daher deutliche Zweifel an der Untersuchung. Das Büro, das sie erstellt habe, „hat sich selbst disqualifiziert“.

Stadt weist Kritik zurück

„Der Bedarf für eine kostenlose Sperrgut-Abfuhr ist da“, unterstreicht Heinzel. Über das Gutachten, so seine Vermutung, versuche die Stadtspitze, sich aus der für sie unliebsamen Diskussion „herauszustehlen“.

Derlei Vorwürfe weist Kämmerer Ulrich zurück. Er sehe keinen Anlass, das Gutachten oder auch das Büro infrage zu stellen, das über ausgewiesene Kompetenzen verfüge. Schließlich habe in der Studie nur berücksichtigt werden können, was auch tatsächlich bereits stattgefunden habe.

Nachfrage ans Büro

Die Geschehnisse in Dortmund seien „eine Vollkatastrophe“ für die Stadt und die dort Verantwortlichen, ist Ulrichs Einschätzung. Solch Chaos müsse man in Bergkamen in jedem Fall vermeiden, gerade deshalb könne er sich den beschriebenen Mittelweg „gut vorstellen“.

An das besagte Büro sei bereits die Frage ergangen, ob sich Lehren aus dem Fall Dortmund auch für Bergkamen ziehen ließen, berichtet Ulrich. Wäre das Gutachten aufgrund der neuen Erkenntnisse zu anderen Einschätzungen gekommen? Darauf erwarte man nun zeitnah eine Antwort.

Online-Terminvereinbarung

Die 10 Euro Abholgebühr, sollten sie kommen, haben für Ulrich den Charme, dass die Verursacher des Sperrmülls immer noch stärker zur Kasse gebeten würden als jene Gebührenzahler, die keinen großformatigen Abfall produzierten. Gleichzeitig sei es aus hygienischen Gründen und aus Sicherheitsüberlegungen (Brandlast) heraus begrüßenswert, wenn aus den Haushalten Überflüssiges verschwinde.

Laut Ulrich plant der Entsorgungsbetrieb Bergkamen mit Einführung der Neuerungen auch eine Online-Terminvereinbarung. Die Extra-Services bei Abholung binnen 72 Stunden (20 Euro) und Heraustragen aus der Wohnung (40 Euro) blieben preislich attraktiv – auch im Vergleich zu Privat-Anbietern.

200.000 Euro zu wenig

In Dortmund hat derweil die politische Aufarbeitung der Chaos-Sammlung begonnen. Der Rat hatte 200.000 Euro für kostenlose Sperrgut-Abfuhr in den zwölf Dortmunder Stadtbezirken bereitgestellt. Das Geld dürfte bei Weitem nicht reichen.

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