„Glücklich geht einfach“

Bürokratische Hürden: Spendenaktion des SuS Rünthe stößt in Nigeria auf Schwierigkeiten

Fußballplatz Fußball Nigeria
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Fußball ist auch in Nigeria Volkssport. Dietmar Wurst und Toni Tuklan waren jetzt in Nigeria zu Gast, um die gespendeten Sportartikel der Aktion „Glücklich geht einfach“ zu übergeben. Bürokratische Hürden verhinderten dies allerdings.

Mit ihrer Spendenaktion „Glücklich geht einfach“ hatte der SuS Rünthe bundesweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt sollten die über 20.000 gesammelten Sportartikel in Nigeria übergeben werden. Aber es klappte nicht alles wie geplant.

Rünthe – Verteilt ist noch nichts. Der mit Trikots und Sportschuhen gut gefüllte 20- Fuß-Container steht noch immer im Hafen von Lagos. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagt Dietmar Wurst. Der Vorsitzende des SuS Rünthe unterstützte die Hilfsaktion „Glücklich geht einfach“, die der Musiker Toni Tuklan für die Sportjugend seines Geburtslandes Nigeria ins Leben gerufen hatte. Eigentlich, um die Spenden in der Provinz Delta State zu verteilen.

Über 20 000 Sportartikel sind bei der Sammlung zusammengekommen. Die Aktion aus Rünthe hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Wurst und Tuklan waren nun im September vor Ort. Aus der geplanten Verteilung wurde aber zunächst nichts, weil das Sportministerium des Heimatstaates von Tuklan und das Finanzministerium des afrikanischen Staates sich nicht auf die Schnelle einig wurden.

„Die Schwierigkeiten waren nicht absehbar“, blickt Wurst nach seiner Rückkehr nach Deutschland zusammen mit Toni Tuklan zurück. „Es war für uns auch das erste Mal. Toni ist bisher immer mit ein, zwei Koffern rübergeflogen“, erzählt der Werner. „Aber wir standen ja nicht alleine da.

Treffen mit Ministern und Königen

Auch die Behörden vor Ort hatten noch nie mit einer solchen Spendenaktion zu tun.“ Der Zoll hielt den Container zurück, weil das Sportministerium einen entsprechenden Code, der obligatorisch für Importware ist, aus Unkenntnis nicht beantragt hatte. „Es ist egal, ob ein Ministerium Empfänger ist, eine Privatperson oder eine Firma. Das Sportministerium hat aber jetzt diesen Code beantragt“, erklärt Wurst.

Dietmar Wurst (links) und Toni Tuklan (rechts) trafen auch auf Könige der unterschiedlichen Regionen, unter anderem seine Majestät Agbogidi Obi Onyemaechi Josiah Kanyinaga. Außerdem suchten sie Orte aus, an denen die Spenden demnächst verteilt werden sollen.

Während des Gesprächs meldet sich das Smartphone von Tuklan. Positive Nachricht: „Die Ware geht raus“, liest Tuklan. Sein Freund Omoruyi Osimbeklae, kurz „Uyi“ wird den Container jetzt abholen. Er hat die Vollmacht und ein sicheres Zwischenlager auf dem Gelände seiner Spedition. Tuklan, vielleicht nochmals in Begleitung von Dietmar Wurst, wird im Dezember erneut nach Nigeria fliegen. „Wir sind ja den Spendern verpflichtet, ein Auge auf die Verteilung zu haben.“

Probleme im Hafen von Lagos

Die Rahmenbedingungen konnten Tuklan und Wurst immerhin schon abklären. „Es fing so gut an. Toni hat gleich für den zweiten Tag einen Termin beim Sportminister des nigerianischen Bundesstaates Delta ausmachen können. Das war alles super organisiert“, sagt Wurst. Während der Gespräche in der Provinzhauptstadt Asaba seien auch die Verantwortlichen im Ministerium dazugestoßen. Das und auch die problemlose Terminabstimmung mit den Stammeskönigen und Bürgermeistern anschließend zeigte den hohen Stellenwert der Spendenaktion für den Delta State. „Es ist sonst nicht so einfach, Termine zu bekommen.“

Der Minister, Tonobok Okowa, sagte den beiden jegliche Unterstützung zu. Die Kosten für den Weitertransport der Spende sowie die anfallenden Gebühren übernimmt sein Ministerium. „Der Delta State tut ungewöhnlich viel für den Sport, für afrikanische Verhältnisse“, erfuhr der SuS-Vorsitzende. „Das Handicap-Team im Tischtennis gewann bei den Paralympics in Tokyo sogar Bronze.“

Im Tischtennis gewann ein nigerianisches Team zuletzt Bronze bei den Paralympics.

Während der Container mit den über 20 000 Artikeln den Weg nach Lagos mit nur dreitägiger Verspätung fand, klemmte es anschließend. „Ein Urlaubsfreund von mir, Johannes Hogeback, hat uns geholfen. Die Spedition Göldner hat den Transport auch zu Selbstkosten durchgeführt“, dankt Wurst. Viel Neues erfuhr der Werner. Etwa, dass ein Container händisch mit einer Nummer, nicht etwa mit einem QR-Code oder Ähnlichem, verfolgt wird. „Ein Container wechselt auch mal das Schiff, festgehalten wird die Nummer im Hapag Lloyd-Register.“ Alles kein Problem.

Anders im Hafen Lagos: „Der Hafenagent dort fragte nach Formularen und Steuernummern“, erzählt Wurst, „aber nicht auf einmal, mit einem Katalog dessen, was noch fehlt, sondern er forderte die Informationen häppchenweise nach und nach an.“ Das dauerte eben, zumal eine Behörde im Spiel war – zu lang, um den Container in den zwei Wochen Aufenthalt von Wurst und Tuklan freimachen zu können und mit der Verteilung zu beginnen.

Nächster Anlauf im Dezember

Die soll nun im Dezember im Radius von anderthalb Fahrstunden um Asaba herum passieren. Tuklan und Wurst nutzten diese Wartezeit, um Verteilorte in Dörfern und Schulen auszusuchen. „Wichtig war auch die Begegnung mit den Stammeskönigen“, ergänzt Tuklan, „wir haben uns deren Zustimmung bewusst geholt. Die Verteilung ginge auch ohne.“ Aber die Könige genießen einen hohen Respekt, betont der gebürtige Nigerianer.

Toni Tuklan besuchte auch das Fußballstadion von Asaba.

„Und wir haben bei den Gesprächen auch immer klar gemacht, dass die Sachen nicht für die Privilegierten bestimmt seien“, unterstreicht Wurst. Die Menge der Artikel höre sich mit 20 000 viel an. Die Zahl relativiere sich aber angesichts von fünf Millionen Einwohnern der Provinz Delta State.

Beide wollen übrigens weitermachen mit der Hilfsaktion. Allerdings müsse man sehen, wie eine solche Spendenaktion zukünftig gehandhabt werde. „Der organisatorische, logistische und finanzielle Aufwand ist schon hoch“, sagt Wurst, der wie Tuklan viel Zeit und eigenes Geld investierte.

Der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) habe schon Interesse gezeigt, eine solche Aktion zu unterstützen, auch die nigerianische Gemeinde in Deutschland stehe dem positiv gegenüber. Nicht zuletzt motiviere die Dankbarkeit der Menschen vor Ort, sagen die beiden Werner. „Glück geht einfach“ hat also eine Zukunft.

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