850 Personen evakuiert

Drei Fliegerbomben entschärft: Reibungsloser Einsatz in Bergkamen

Bombenentschärfung Bergkamen
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Gruppenbild mit Bombe: Die Anwohner Kayhan Kece, Fatih Akti und Özkan Gürses freuten sich, dass die Blindgänger so schnell entschärft waren und sie in ihre Wohnungen zurückkehren konnten. 

[Update] Schneller als gedacht konnten am Mittwoch die Straßensperrungen und die Evakuierung rund um das Pestalozzihaus aufgehoben werden. Dort mussten drei Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Hunderte Menschen wurden im Vorfeld evakuiert.

„Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten sind wir super schnell gewesen“, kam selbst Stefan Klement vom Ordnungsamt ein wenig ins Staunen. Denn erst um 12 Uhr waren vier Gruppen mit Mitarbeitern aus dem Rathaus unterwegs gewesen, um die Menschen in den betroffenen Häusern noch einmal über die Evakuierung zu informieren. „Nach einer Stunde und elf Minuten waren alle Bereiche bereits evakuiert“, schilderte Klement zufrieden.

Ursprünglich war dafür ein Zeitfenster von zwei Stunden einkalkuliert gewesen. Dass die Anwohner so gut informiert waren, lag auch an den Handzetteln in deutscher und türkischer Sprache, die bereits am Montag verteilt wurden. So hatten sich viele Anwohner bereits auf die Evakuierung vorbereitet.

Entschärfung dreier Bomben in Bergkamen an der Pestalozzistraße 

Entschärfung dreier Bomben in Bergkamen an der Pestalozzistraße 

Das bestätigte ein Blick in den Saal im Treffpunkt, der von 15 Mitgliedern des Roten Kreuzes vorbereitet wurde. Damit hier alles coronakonform ablief, erhielten „Gestrandete“ nach der Erfassung ihrer Daten und einer Temperaturmessung per Infrarotmessverfahren feste Sitzplätze zugewiesen. „Insgesamt waren 24 Personen während der Evakuierung da“, teilte Jan Wiemhoff, Leiter für Öffentlichkeitsarbeit des Bergkamener DRK-Ortsvereins auf Anfrage mit. Der Rettungsdienst des Kreises war ebenfalls vor Ort und kümmerte sich um die wenigen gehunfähigen Menschen, die zum Treffpunkt gebracht werden mussten. Insgesamt waren 849 Menschen von der Evakuierung betroffen.

Letzter Bombeneinsatz in Bergkamen auf den Tag genau vor einem Jahr

Dass diese nötig war, stand erst seit dem Vormittag konkret fest, nachdem der Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg die drei Verdachtsstellen genauer inspiziert hatte. Es handelte sich um eine englische und zwei amerikanische Fliegerbomben – jeweils fünf Zentner schwer, noch mit Zündern ausgestattet und scharf. „Wir haben die beiden amerikanischen Bomben mit einer sogenannten Raketenklemme entschärft, mit der der Aufschlagzünder von der Bombe gelöst wurde. Die andere haben wir mit einer Zange entschärft“, fasste Andreas Brümmer zusammen.

Bei zwei der drei Bomben musste das Team des Kampfmittelräumdienstes der Zünder mit der sogenannten Raketentechnik entfernen.

Der Truppführer des Kampfmittelräumdienstes ist in Bergkamen ein guter Bekannter und hat schon etliche Bomben im Stadtgebiet entschärft. Sein letzter Einsatz – eine englische Fünf-Zentner-Bombe in der Nähe der Pfalzschule – war am Mittwoch genau ein Jahr her. Doch drei Bomben quasi auf einen Streich waren für den 52-Jährigen schon etwas Besonderes.

Um die zwei US-Bomben unschädlich zu machen, kamen die erwähnten Klemmen zum Einsatz. „Da sind zwei große Treibladungspatronen drin, die den Zünder mit einer unglaublichen Geschwindigkeit aus der Bombe drehen“, so der Experte über das pyrotechnisch angetriebene Schraubwerkzeug. Sprengzünder sorgten bei der Entschärfung der beiden Bomben für je einen Knall, der in der Umgebung deutlich zu hören war.

Bomben waren in gutem Zustand

Insgesamt profitierte das Team davon, dass die Zünder an den beiden Bomben noch nicht deformiert waren. Gut in Takt war zudem der Zünder bei der dritten Bombe. „Die war viereinhalb Meter tief im Erdreich jedoch so verkeilt, dass wir mit dem Entschärfungsgerät nicht drangekommen wären, daher haben wir die Zange genutzt“, erklärte Brümmer .

Als erste Betrachter der drei großen Fundstücke waren nach der Aufhebung der Sperren unter anderem die direkten Nachbarn Fatih Akti und Özkan Gürses vor Ort. „Wir sind schon in der letzten Woche informiert worden. So waren wir gut vorbereitet“, so Akti. „Ich hätte gedacht, dass die Bomben noch größer sind“, sagte Gürses. Enttäuscht war der Anwohner dennoch nicht: „Jetzt hat keiner mehr Stress und wir können alle wieder ruhig schlafen.“

Unser Live-Ticker von der Evakuierung und Entschärfung zum Nachlesen:

15 Uhr: Die Stadt hat eine erste positive Bilanz gezogen. Weder bei der Evakuierung noch beim Einrichten der Straßensperrungen habe es besondere Vorkommnisse gegeben. Nur etwas mehr als eine Stunde hatten die Evakuierungsmaßnahmen gedauert. Auch die Entschärfung verlief reibungslos. Bürgermeister Roland Schäfer zeigt sich erleichtert: „Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Bürgerinnen und Bürgern für Ihre gute Mitarbeit und das entgegenbrachte Verständnis. Mein Dank gilt ebenso allen Verantwortlichen sowie Helferinnen und Helfern. Gerade in so einem sensiblen Bereich müssen alle geplanten Maßnahmen exakt ineinander greifen. Einmal mehr zeigt sich, wie professionell die Vorbereitungen getroffen wurden.“

Andreas Brümmer vom Kampfmittelräumdienst präsentiert die entschärften Bomben.

14.31 Uhr: Die Bomben sind entschärft! Das Ordnungsamt hat mitgeteilt, dass alle Sperrungen aufgehoben werden.

Die drei Bomben sind entschärft.

14.10 Uhr: Zweimal hat es in den letzten Minuten im Bereich der Fundstelle geknallt. Sorgen muss sich aber keiner machen. Um den Zünder unschädlich zu machen, arbeitet der Kampfmittelräumdienst mit Pyrotechnik. Zwei der Bomben könnten also bereits entschärft sein.

13.45 Uhr: In der Sammelstelle im Treffpunkt der VHS an der Lessingstraße ist es übrigens sehr ruhig. Gerade einmal elf Personen müssen dort betreut werden.

In der Sammelstelle müssen nur wenige Personen betreut werden.

13.30 Uhr: Bei drei Bomben sind auch zwei Entschärfer notwendig. Andreas Brümmer und Karl-Heinz Schröder arbeiten in diesen Minuten daran, die Blindgänger unschädlich zu machen.

13.20 Uhr: Die Entschärfung läuft! Der Evakuierungsbereich ist geräumt und der Kampfmittelräumdienst hat das Signal zum Start bekommen.

13.15 Uhr: Das ging recht flott: Die Evakuierung ist abgeschlossen. Das hat das Ordnungsamt soeben mitgeteilt. Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes könnten sich also gleich an die Arbeit machen.

Der Kampfmittelräumdienst ist vor Ort und soll die Bomben entschärfen.

12.46 Uhr: Die Einsatzleitung hat gegenüber der Diakonie an der Ebertstraße Stellung bezogen. Von hier aus beobachten Polizei, Feuerwehr und Ordnungsamt die Lage und organisieren die Evakuierung.

Stefan Klement vom Ordnungsamt der Stadt Bergkamen ist Teil der Einsatzleitung.

12.30 Uhr: Insgesamt vier Teams von je drei bis vier städtischen Mitarbeitern sind in diesen Minuten im betroffenen Gebiet unterwegs und informieren an den Haustüren über die Evakuierung.

Auf dem Parkplatz werden die ankommenden Liegendtransportwagen registriert.

12.15 Uhr: Auch an Personen, die nicht selbstständig zur Sammelstelle kommen können, ist gedacht. Die Registrierung von Liegendtransporten erfolgt in einem auf dem Parkplatz eingericheten Pavillon.

12 Uhr: In diesen Minuten beginnt die Evakuierung der betroffenen Bewohner. Wer nicht ohnehin auf der Arbeit ist oder bei Freunden und Verwandten unterkommt, wird im Treffpunkt der VHS an der Lessingstraße betreut. Dort warten die Helfer vom DRK auf die ersten Gäste. Natürlich soll im Treffpunkt alles coronakonform ablaufen. Die Gestrandeten bekommen feste Sitzplätze, ihre Daten werden aufgenommen und Laufwege auf dem Boden sind markiert.

Die Sammelstelle im Treffpunkt an der Lessingstraße ist für die Evakuierten vorbereitet.

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