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Seltene Brandbombe in Bergkamen entschärft – Sie musste sofort zerlegt werden

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Von: Jürgen Menke

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Feuerwerker Andreas Brümmer (links) und Räumarbeiter Robin Daun stehen vor der Grube, in der sich die Bombe befand.
Feuerwerker Andreas Brümmer (links) und Räumarbeiter Robin Daun stehen vor der Grube, in der sich die Bombe befand. © Menke

Mitarbeiter der Kampfmittelbeseitigung haben am Dienstagnachmittag in Bergkamen-Oberaden erfolgreich einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft. Dabei handelte es sich nicht, wie vermutet, um eine Spreng-, sondern um eine seltene und heimtückische 250-Kilo-Brandbombe.

Bergkamen – Der Blindgänger aus britischer Produktion lag inmitten des sogenannten Erdbeerfeldes. Im Vorfeld der Bebauung der fünf Hektar großen Fläche waren alte Luftbilder ausgewertet worden. Der Verdacht, dass eine Bombe im Erdreich liegt, bestätigte sich gegen 10.30 Uhr, als das Exemplar mit Bagger und Schüppen freigelegt wurde. Weitere Verdachtsstellen gibt es laut Stadt hier nicht.

Gegen 11 Uhr begann die Evakuierung von Gebäuden in einem Umkreis von 250 Metern um die Fundstelle. 478 Personen sind in dem Bereich gemeldet; sie waren vor einer Woche über die voraussichtliche Entschärfung informiert worden. Nur rund ein Dutzend Menschen ließen sich von DRK in der Römerberghalle betreuen, die als Ausweichquartier diente.

Der Evakuierungsradius.
Der Evakuierungsradius: Im Umkreis von 250 Meter um die Fundstelle mussten die Menschen ihre Wohnungen verlassen. © Stadt Bergkamen

Die Entschärfung startete gegen 13 Uhr und damit eine Stunde früher als geplant. Aber erst nach 45 Minuten gab’s Entwarnung. Der Grund: Die Bombe musste unmittelbar zur Zerlegung abtransportiert werden, luftdicht verpackt in einem Sack.

Laut Feuerwerker Andreas Brümmer enthielt sie ein Gemisch aus weißem Phosphor und Benzol. Kommt der Phosphor mit Sauerstoff in Kontakt, fängt die Bombe an zu glühen und kann nicht mehr gelöscht werden. Gleichzeitig wird das Gemisch durch leichte Sprengkraft in die Umgebung gespritzt. Brümmer musste nach eigenen Angaben zuletzt vor sechs Jahren ein derartiges Exemplar entschärfen. Der Sprengzünder der Bombe, aus Spritzguss und Aluminium gefertigt, sei „total zerfressen“ gewesen, berichtete er.

Mit kleineren 15-Kilo-Brandbomben bekomme er es regelmäßig zu tun, schilderte Brümmer: „Die Alliierten hatten gemerkt, dass viele kleine Brandbomben noch mehr Zerstörung anrichten als wenige große.“

Ticker zum Nachlesen

Im Laufe des Dienstags haben wir in einem Live-Ticker die aktuellen Entwicklungen aufgezeigt. Hier ist er zum Nachlesen.

14.05 Uhr: Für Feuerwerker Andreas Brümmer vom Kampfmittelräumdienst aus Arnsberg und Räumarbeiter Robin Daun war der heutige Einsatz alles andere alltäglich. Denn bei der entschärften Bombe handelte es sich nicht um die vermutete Spreng-, sondern um eine 250-Kilo-Brandbombe aus britischer Produktion. Sie enthält ein Gemisch aus weißem Phosphor und Benzol. Kommt der Phosphor mit Sauerstoff in Kontakt, fängt die Bombe an zu glühen und kann nicht mehr gelöscht werden. Gleichzeitig wird das Gemisch durch leichte Sprengkraft in die Umgebung gespritzt. Solche Bomben in dieser Größe sind als Blindgänger sehr selten. Nach Angaben von Andreas Brümmer musste er zuletzt vor sechs Jahren ein derartiges Exemplar entschärfen. Aufgrund der Gefährlichkeit des Blindgängers ist er direkt zur Zerlegung abtransportiert worden, luftdicht verpackt in einem Sack. Der Sprengzünder der Bombe, aus Spritzguss und Aluminium gefertigt, sei „total zerfressen“ gewesen, berichtet Brümmer. Mit kleineren 15-Kilo-Brandbomben hat der Feuerwerker regelmäßig zu tun. „Die Alliierten hatten gemerkt, dass viele kleine Brandbomben noch mehr Zerstörung anrichten als wenige große.“

13.45 Uhr: Die Bombe ist entschärft. Circa 45 Minuten haben die Experten des Kampfmittelräumdienstes benötigt. Die Straßensperrungen werden nun nach und nach aufgehoben und auch die Anwohner dürfen in ihre Häuser zurückkehren.

13.20 Uhr: In der Römerbergsporthalle werden aktuell ein Dutzend Bürger betreut, die aufgrund der Evakuierung ihre Wohnungen verlassen mussten und nicht anderswo unterkommen konnten. Zumeist handelt es sich um ältere Personen. Die Straßensperrungen haben bisher kaum für Verkehrsprobleme gesorgt. Der Verkehr wird über die Sugambrerstraße umgeleitet. Dort befindet sich auch die Einsatzleitung. 

Auf diesem Feld liegt die Bombe – in rund 3,50 Metern Tiefe.
Auf diesem Feld liegt die Bombe – in rund 3,50 Metern Tiefe. © Menke

12.50 Uhr: Die Evakuierung ist abgeschlossen. Die Entschärfung startet in diesen Minuten, rund eine Stunde früher als geplant.

12.35 Uhr: Die Angst vor einem Katastrophentourismus war der Grund, warum die Stadt Bergkamen seine Bürger bis vor etwa einem Jahr erst kurz vor einer geplanten Bombenentschärfung über den Fund des Sprengkörpers informiert hat. Mittlerweile steht fest: Solch Katastrophentourismus hat sich nicht eingestellt. „Vielleicht, weil die Entschärfungen schon zur Routine geworden sind, das Ganze nicht mehr so spektakulär ist“, mutmaßt Martin Pape aus dem Bürgermeisterbüro. Über den Verdachtspunkt auf dem „Erdbeerfeld“ hatte die Stadt vor gut einer Woche berichtet. Das gab den Bewohnern im Evakuierungsbereich die Chance, sich so zu organisieren, dass sie die Zeit der Entschärfung sinnvoll nutzen können.

12.00 Uhr: Die Sperrungen sind mithilfe der Polizei eingerichtet. In diesen Minuten beginnt die Evakuierung. Mitarbeiter von Ordnungsamt und Stadtverwaltung sowie Rettungskräfte gehen von Haus zu Haus, um sich zu vergewissern, dass sich keine Menschen mehr in den Wohnungen aufhalten. Falls doch, werden sie aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. In zwei Stunden soll entschärft werden.

11.49 Uhr: Auf die Weltkriegsbombe wurde die Stadt durch die routinemäßige Auswertung von Luftbildern im Vorfeld der geplanten Bebauung aufmerksam. Der Erschließungsträger des „Erdbeerfelds“ hatte sich an die Verwaltung gewandt. Laut Martin Pape aus dem Bürgermeisterbüro gibt es keine weiteren Verdachtsstellen auf der rund fünf Hektar großen Fläche. Rund 115 Wohneinheiten sollen hier entstehen.

11.18 Uhr: In Bergkamen werden immer wieder Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, zuletzt Mitte April. Da lag der Sprengkörper unter einem Swimmingpool in einem Privat-Garten. Anfang November 2021 wurde in den Lippeauen zwischen Bergkamen und Werne eine Zehn-Zentner-Bombe entschärft. Das hiesige Ordnungsamt hat mittlerweile Routine im Umgang mit Entschärfungen, allerdings sei jedes Mal Obacht geboten., heißt es.

11.08 Uhr: In der Warn-App Nina wird bereits seit geraumer Zeit auf den „Kampfmittelfund“ in Bergkamen-Oberaden hingewiesen. „Die Einsatzleitung empfiehlt allen Verkehrsteilnehmern, diesen Bereich zu meiden bzw. weiträumig zu umfahren“, heißt es. Von den Sperrungen ist die Jahnstraße von der Einmündung Pantenweg bis zur Hausnummer 82 betroffen. Darüber hinaus müssen die Straße Im Rosenholz über die komplette Länge sowie Teile der Straßen Im Schulkamp, Helmstedter Straße, Heinrich-Lersch-Straße, Stormstraße, Kleiststraße und Hermann-Stehr-Straße gesperrt werden.

11.03 Uhr: In dem Gebiet, das evakuiert wird, sind nach Angaben der Stadt 478 Personen gemeldet, eine überschaubare Zahl. Man hoffe, so heißt es, dass die meisten der Betroffenen ohnehin bei der Arbeit oder in der Schule sind oder für heute einen Ausflug geplant haben. Die Römerberghalle ist Ausweichquartier für alle, die keine Alternative haben. Dort werden sie von Helfern des DRK betreut.

10.40 Uhr: Der Verdacht hat sich bestätigt: Auf dem Gelände des künftigen Baugebiets zwischen Hermann-Stehr- und Jahnstraße in Bergkamen-Oberaden liegt eine Fünf-Zentner-Bombe. Um 11 Uhr werden die Straßen in dem Bereich gesperrt, ab 12 Uhr wird evakuiert. Die Entschärfung ist für 14 Uhr vorgesehen.

10.33 Uhr: Experten des Kampfmittelräumdienstes legen den Sprengkörper derzeit mit Bagger und Schaufeln frei. Er liegt in einer Tiefe von rund 3,50 Metern. Falls es sich, wie vermutet, um eine 250-Kilo-Bombe handelt, wäre der geplante Evakuierungsbereich ausreichend. Wäre sie doppelt so schwer, müsste der Radius ebenfalls verdoppelt werden.

Das ist unsere Ursprungsmeldung:

Bergkamen – Am Dienstag, 21. Juni, wird der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung im Bereich des Baugebiets „Erdbeerfeld“ an der Hermann-Stehr-Straße in Oberaden einen Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärfen. Die Arbeiten beginnen um 11 Uhr und sollen nach Angaben der Stadt voraussichtlich bis 16 Uhr dauern – je nach Art, Lage und Zustand des Blindgängers.

Ausweichquartier in der Römerbergsporthalle

Zum Schutz der Bevölkerung ist es erforderlich, in einem Umkreis von 250 Metern um den Fundort alle Personen zu evakuieren und alle Straßen zu sperren.

Die Stadt wollte die betroffenen Anwohner im Laufe des Mittwochs über die Einzelheiten und den Ablauf informieren. Personen, die für die Dauer der Maßnahme ein Ausweichquartier benötigen – zum Beispiel weil sie ihre Wohnung nicht aus eigener Kraft verlassen können oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind – stellt die Stadt die Römerbergsporthalle als Sammelstelle zur Verfügung. Die Betreuung vor Ort übernimmt das Deutsche Rote Kreuz.

Diese Straßen werden gesperrt

Von den Sperrungen ist die Jahnstraße von der Einmündung Pantenweg bis zur Hausnummer 82 betroffen. Darüber hinaus müssen die Straße Im Rosenholz über die komplette Länge sowie Teile der Straßen Im Schulkamp, Helmstedter Straße, Heinrich-Lersch-Straße, Stormstraße, Kleiststraße und Hermann-Stehr-Straße gesperrt werden. Alle Verkehrsteilnehmer sind aufgerufen, diese Bereiche am Dienstag weiträumig zu umfahren.

Die Sperrungen nehmen Mitarbeiter der Polizei und der Stadt Bergkamen ab circa 11 Uhr vor. Die Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) wird die betroffenen Buslinien umleiten. Nach erfolgter Entschärfung erfolgt eine Entwarnung über die Webseite der Stadt Bergkamen, die lokalen Medien – darunter auch Antenne Unna – sowie die Warn-App Nina.

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