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Blindenhund Leo führt seine Besitzerin durch ihren Alltag in Bergkamen

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Von: Katharina Bellgardt

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© Fara-Sina Szodrak

Bergkamen – „Leo ist nicht nur ein Hund, er ist mein Begleiter“, sagt Besitzerin Elke Rütershoff über ihren Golden Retriever, denn das Tier ist etwas ganz Besonderes: Als ausgebildeter Blindenführhund ist Leo mehr als ein Hilfsmittel, er ist ein wunderbarer Freund.

Rütershoffs Erblindung war ein schleichender Prozess. Sie wusste bereits früh, dass sie irgendwann nicht mehr wird sehen können. Mittlerweile ist ihre Sehkraft fast vollständig erloschen. Leo wurde ihr vom Arzt verschrieben. Die Kosten übernahm Rütershoffs Krankenkasse. Ein Blindenführhund ist teuer; so ein Vierbeiner kostet je nach Ausbildung und Rasse zwischen 20.000 und 38.000 Euro. 

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Wenn Leo das Geschirr angelegt bekommt, ist der Hund wie ausgewechselt. © Fara-Sina Szodrak

Aufgeweckt freut sich Leo über Besucher, stolz präsentiert er seinen Kauknochen. Doch wenn er das Führ-Geschirr trägt, ist der junge Hund wie ausgewechselt. Er wartet ruhig ab, achtet aufmerksam nur noch auf die Befehle ihrer Besitzerin. Aus dem verspielten Golden Retriever wird ein souveräner und ausgeglichener Begleiter.

 „Wenn er das Führgeschirr anhat, dann weiß er genau, was zu tun ist“, sagt Rütershoff. Dann reagiert er nicht mehr auf andere Hunde, spielt nicht mehr, sondern ist wachsam. Umso wichtiger ist es, dass Besitzerin und Hund dann in Ruhe gelassen werden. Hunde oder Kinder sollten nicht auf sie zu rennen. 

Hund versteht 40 Hörzeichen, er kann links und rechts unterscheiden

Der Hund reagiert auf 40 verschiedene Hörzeichen. Er kann rechts und links unterscheiden, erkennt Zebrastreifen, hilft beim Ein- und Aussteigen in den Bus, zeigt Treppen an und schätzt ein, ob er und seine Besitzerin möglichen Hindernissen ausweichen müssen oder ob sie daran vorbeipassen. Leo findet schnell die Ausgänge in Räumen, er kann Briefkästen identifizieren, weiß, wo eine Kasse oder Theke ist. 

Wenn Elke Rütershoff mit dem Zug fährt, dann sieht der Hund die Bahnsteigkante und stoppt seine Besitzerin vor ihr. „Er würde mich niemals auf die Gleise fallen lassen“, sagt Rütershoff. 

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© Fara-Sina Szodrak

Seit über einem Jahr lebt Leo nun bei Rütershoff in der Wohnung. Um den Hund haben zu dürfen, musste die Oberadenerin einen Einweisungslehrgang besuchen, um den richtigen Umgang mit dem Tier zu lernen. Drei Wochen arbeiteten sie sich zusammen ein, bevor Tier und Mensch gemeinsam in der Gespannprüfung beweisen mussten, ob sie zusammenpassen und funktionieren. 

Die Chemie zwischen Hund und Besitzer muss stimmen

„Er ist noch mitten in der Pubertät, aber bereits voll ausbildet“, erklärt die Oberadenerin lachend. Im Alter von vier Monaten kam Leo zu der Blindenführhundeschule „Voran“ in Kevelaer, in der er ausgebildet wurde. Neun Monate lang wurde er dort für seinen Einsatz trainiert. Normalerweise beginnt die Ausbildung erst, wenn die Hunde sechs bis sieben Monate alt sind, und sie dauert etwa ein Jahr. 

Zuvor lernen die Tiere in Patenfamilien eine gewisse Grundgehorsamkeit, also die üblichen Befehle wie „Sitz“ und „Platz“ oder das Verhalten im Straßenverkehr. Rütershoff Golden Retriever kam direkt vom Züchter zu seiner Trainerin. Sie merkte schnell, dass der Hund selbst schon früh etwas lernen wollte. 

„Man kann Hunde nicht in die Ausbildung hineinzwingen“, sagt Rütershoff. Die Tiere müssen Spaß an der Ausbildung haben und wissbegierig sein, denn die Anforderungen und Kosten sind hoch. Und nicht zuletzt müssen Besitzer und Hund zusammenpassen.

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