Bildung ist der Schlüssel zur Integration

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Diskussionsteilnehmer, v.li.: Thilo Scholle vom SPD-Unterbezirk, Moderator Thomas Semmelmann, Ferdi Ergün vom Integrationsrat, Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates sowie Dezernent Bernd Wenske. ▪

RÜNTHE ▪ Vom Schattendasein ins Rampenlicht: Die Integrationsdebatte rangiert auf der Aktualitätsskala ganz oben. Die rot-grüne Landesregierung arbeitet derzeit an einem Teilhabe- und Integrationsgesetz für NRW.

Und auch auf lokaler Ebene werden entsprechende Weichen gestellt. Die jüngste Veranstaltung der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) stand – mit Impulsreferaten und einer anschließenden Podiumsdiskussion – ganz im Zeichen dieser Thematik. Denn das Phänomen ist nicht neu. „Seit etwa 50 Jahren gibt es Zuwanderung aus vielen Ländern“, blickte der Beigeordnete Bernd Wenske in der Ditib-Moschee in Rünthe zurück. Vor diesem Hintergrund, sei es wichtig, sich den Fragen, die mit Integration zusammenhängen, zu stellen. Die Stadt Bergkamen tue dies seit 15 Jahren. Und hat festgestellt: „Es gibt noch an vielen Stellen Handlungsbedarf.“ Vor einem Jahr hat der Rat ein Integrationskonzept beschlossen. In der Stadt leben etwa 25 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund. Noch immer können viele von ihnen nicht am gesellschaftlichen Leben teilhaben. „Das wollen wir uns nicht leisten“, sagte Wenske.

Der Schlüssel zur Chancengleichheit sei Bildung. Und die muss, nach Meinung von Tayfun Keltek, interkulturell gestaltet werden. Die Vielfalt müsse im Vordergrund stehen. Der Vorsitzende des Landesintegrationsrates NRW forderte einen Perspektivwechsel: „Wir dürfen die Menschen nicht passend machen, sondern müssen sie so akzeptieren wie sie sind.“ Das heiße vorhandene Potenziale zu nutzen. So plädiert Keltek für das Erfolgsmodell der zweisprachigen Alphabetisierung. Hier werde die Muttersprache als Brücke zum Erlernen der deutschen Sprache eingesetzt.

Generell gelte für Migranten und Nicht-Migranten: „Wir haben viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.“ Keltek führte hierzu das Beispiel eines Dorfvorstehers in der Türkei an, der vor gut zwanzig Jahren das Ganze auf einen einfachen Nenner brachte: „Wir waren alle neun Monate lang im Mutterleib.“

Ferdi Ergün ist in Deutschland geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Der zweifache Familienvater ist Mitglied des Integrationsrates der Stadt und wirkt beim Moscheeverein in Rünthe mit. Obwohl er nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, fühlt er sich als Mensch voll integriert. „Ein Stück Papier“, betont der 30-jährige Chemikant, „sagt nichts aus. Wichtig ist, dass man sich öffnet.“ Tayfun Keltek sieht insbesondere die allgemeine Stimmung als entscheidend an.

Die Arbeitslosenquote unter hochqualifizierten Migranten, gab Thilo Scholle vom SPD-Unterbezirk Unna zu bedenken, sei immer noch deutlich höher als unter Nicht-Migranten. Wenn Meier, Müller und Schmidt sich bewerben würden, sei die Chance, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, um ein Vielfaches größer, als wenn arabische und türkische Namen auf den Unterlagen erschienen. Bei gleichen Lebensläufen, bei gleicher Qualifikation. Das führe zu Frustration. „Und davon“, so Scholle, „hat keiner etwas.“ ▪ rw

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