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Betrug mit Thermomix-Geräten: Vorwürfe gegen Bergkamener - schuldig ist aber seine Freundin

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Von: Sylvia Mönnig

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Vorwerk - Produktion Thermomix
Der Bergkamener sollte Thermomix-Geräte über Ebay angeboten, aber nicht geliefert haben. Stattdessen steckte seine Freundin hinter dieser Masche. © dpa

Nach einer Betrugsserie im großen Stil zog sich die Schlinge um den Hals einer 32-Jährigen aus Bergkamen offenbar so zu, dass ihr jedes Mittel recht war, heile aus der Sache rauszukommen. Sie schreckte nicht einmal davor zurück, die Schuld auf ihren Freund zu schieben. Der stand nun vor Gericht, beteuerte seine Unschuld.

Unna/Bergkamen - Das, was dem Bergkamener (48) am Freitagmorgen vor dem Schöffengericht in Unna zur Last gelegt wurde, war massiv: über 60 Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs mit einem Gesamtschaden von rund 27 500 Euro. Im Detail wurde ihm vorgeworfen, das „Geschäftsmodell“ seiner Freundin, wie es in der Anklageschrift formuliert war, übernommen zu haben, um arglose Internet-Käufer und die Firma Vorwerk zu betrügen.

So sollte er in erster Linie Thermomix-Geräte und Zubehör über Ebay angeboten, das Geld der Kunden kassiert, und, wie von Anfang an geplant, nichts geliefert haben. Auf der anderen Seite sollte er bei der Firma Vorwerk unter fremden Namen Thermomix-Geräte und Zubehör bestellt, zum Teil erhalten und nicht bezahlt haben.

Lebensgefährtin hatte den Überblick über die Finanzen

Vorwürfe, die der 48-Jährige ganz entschieden von sich wies. Das alles sei seine Lebensgefährtin gewesen. Sie habe auch die Vollmacht über sein Konto gehabt, habe alle finanziellen Dinge geregelt und den Überblick besessen. Wenn er Fragen gestellt oder sich gewundert habe, habe sie ihn beruhigt, habe harmlose Erklärungen gefunden und versichert, dass sie nicht wieder „Quatsch“ mache. „Ich habe ihr vertraut“, bekannte er, der sich unlängst wieder mit der Frau versöhnte, mit der er ein gemeinsames Kind hat und der demnächst ein Gefängnisaufenthalt bevorsteht.

Diese Version bestätigte die Freundin tatsächlich im Zeugenstand. „Ja, das ist richtig. Das war ich“, räumte sie durchaus kleinlaut ein. Ansonsten zeigte sie sich relativ wortkarg, gab nur stockend Antworten und brachte Schöffenrichter Jörg Hüchtmann dazu, trocken zu kommentieren: „Sowohl meine Lebens- als auch meine Arbeitszeit sind begrenzt.“

Falsche Corona-Bescheinigungen

Mühsam konnte sie sich dazu durchringen, zuzugeben, dass sie ihren Freund nicht nur zu Unrecht belastete, sondern auch versuchte, sein Verfahren mit gefälschten positiven Corona-Testbescheinigungen zu verhindern und ein Schreiben an seine Anwältin gefälscht zu haben. Zu groß war offenbar die Angst, dass alles auffliegen könnte. „Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe.“

Nach dieser Offenbarung konnte dem Bergkamener eine Täterschaft beim besten Willen nicht nachgewiesen werden. Der 48-Jährige wurde freigesprochen. Derweil darf sich seine Freundin auf noch mehr Ärger mit der Justiz gefasst machen.

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