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Besucherzahlen eingebrochen: Rathaus-Center in Bergkamen drohen weitere Leerstände

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Von: Jürgen Menke

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Rathaus-Center Bergkamen Kik Post
Das Rathaus-Center an der Töddinghauser Straße durchlebt schwere Zeiten – und mit ihm die Bürger in Mitte, die nach der Kaufland-Schließung weite Wege zurücklegen müssen, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. © Menke

Das Rathaus-Center tritt auf der Stelle. Seit der Schließung der Kaufland-Filiale sind die Besucherzahlen massiv eingebrochen. Jetzt verabschiedet sich bald der nächste Mieter aus dem Einkaufszentrum, ein anderer liebäugelt damit.

Bergkamen – Die Entwicklung des Rathaus-Centers an der Töddinghauser Straße in Mitte kommt nach Schließung der dortigen Kaufland-Filiale nicht voran. Schlimmer noch: Weitere Geschäfte ziehen sich aus dem Objekt zurück oder denken zumindest darüber nach, wie etwa der Textil-Discounter Kik. Der Center-Betreiber, die DTU Beta GmbH, macht vor allem die Hängepartie ums geplante Berg-Karree schräg gegenüber dem Einkaufszentrum für die unbefriedigende Situation verantwortlich.

Kaufland hatte seine Filiale im Frühjahr 2021 aufgegeben. Als Grund für die Schließung wurde die Unwirtschaftlichkeit des Standorts infolge juristischer Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat genannt. Mit dem Lebensmittelanbieter, Generalmieter des gesamten Erdgeschosses, zogen auch dessen Konzessionäre wie etwa der Discounter Tedi, die Bäckerei Hosselmann und ein China-Imbiss aus.

Die DTU Beta GmbH möchte nach Darstellung ihres Geschäftsführers Thorsten Unterfeld ein neues Konzept am Standort umsetzen. Das sieht eine Aufteilung der riesigen Erdgeschoss-Fläche in kleinere Einheiten vor. Für Kaufland soll ein neuer Lebensmittelhändler als Ersatz und Frequenzbringer für alle gefunden werden.

Berg-Karree als Hemmschuh

Genau hier stoße er aber auf Probleme, sagt Unterfeld. Zwar bekundeten verschiedene Anbieter aus der Branche ihr grundsätzliches Interesse an einem Einzug ins Rathaus-Center, gleichwohl blieben sie mit Hinweis auf das Berg-Karre abwartend.

In dem geplanten Wohn- und Geschäftskomplex auf der Fläche der ehemaligen Turmarkaden soll dereinst auch ein Edeka-Markt eröffnen. „Noch weiß aber niemand, ob es wirklich dazu kommt“, sagt Unterfeld mit Blick auf die jüngsten Diskussionen um das Projekt. Er wünsche sich in diesem Punkt endlich Klarheit.

Die Besucherzahlen im Center sind massiv eingebrochen – um 80 bis 90 Prozent.

Thorsten Unterfeld, DTU Beta GmbH

Fest steht laut Unterfeld: „Für zwei größere Lebensmittelmärkte in diesem Bereich der Innenstadt reicht die Kundennachfrage nicht aus.“ Das habe eine Studie ergeben. Und: Ohne neuen Ankermieter im Rathaus-Center aus dem Food-Bereich werde es nicht gelingen, etwa auch einen Tedi zurückzuholen.

Mietvertrag mit Kaufland läuft noch bis 2025

Für Unterfeld heißt das: Auch er muss weiter abwarten. Das neue Konzept hatte er eigentlich schon mit Kaufland realisieren wollen, doch dann entschied sich das Unternehmen zum Rückzug. Als Generalmieter für das Untergeschoss bleibt der Branchenriese allerdings im Boot: Der Mietvertrag war kurz vor dem plötzlichen Auszug verlängert worden und läuft noch bis Ende Oktober 2025. „Es wird auch jeden Monat bezahlt“, sagt Unterfeld.

Kaufland Bergkamen Leerstand
Die Räume der ehemaligen Kaufland-Filiale stehen leer. © Robert Szkudlarek/Digitalbild

Kaufland möchte sich lieber heute als morgen von seinen teuren Verpflichtungen lösen, Unterfeld sein Konzept so schnell wie möglich umsetzen. Doch beide Seiten treten auf der Stelle. „Gespräche über eine Beendigung des Mietverhältnisses haben für uns derzeit keinen Sinn“, sagt Unterfeld. Der Vertrag sei ihm Fluch und Segen zugleich: Er verhindere die Weiterentwicklung des Centers, sorge aber immerhin für finanzielles Auskommen.

Bäckerei geht - Was passiert mit Kik?

Das Rathaus-Center blutet unterdessen weiter aus. Unterfeld bestätigt, dass die Bäckerei Kamps ihren Mietvertrag zum 30. April beenden will. Eine Kündigung liegt demnach auch vom Textil-Discounter Kik vor, und zwar zu Ende März. Allerdings stünden beide Parteien noch in Verhandlung über eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Dies bestätigt auch die Kik-Zentrale in Bönen.

„Die Besucherzahlen im Center sind massiv eingebrochen – um 80 bis 90 Prozent“, sagt Unterfeld. Das habe selbstverständlich negative Auswirkungen auf die Mieter. Einige dächten aber nicht ans Aufgeben. Einen neuen Generalmieter für das gesamte Untergeschoss zu finden, sei unrealistisch, ergänzt der DTU-Geschäftsführer.

Was das Berg-Karree angeht, kamen in der Politik jüngst Zweifel auf, dass der Investor es ernst meine mit seinen Plänen. Dieser bekannte sich daraufhin zu dem Vorhaben, schloss eine Übertragung an Dritte allerdings nicht aus. Unterfeld beobachtet die Entwicklung aus der Perspektive des Mitbewerbers – und räumt dem 100-Millionen-Projekt nur eine sehr geringe Chance auf Realisierung ein. „Sie liegt bei unter einem Prozent.“ Die Mietansätze, meint er, seien unrealistisch.

Bürger haben das Nachsehen

Bekanntlich war der Investor mit seinen ersten Entwürfen für das Berg-Karree am Veto der Politik gescheitert. Der schwebt kein reines Einkaufszentrum vor, sondern unter anderem auch Wohnbebauung. Derweil ist der Abriss der alten Turmarkaden ins Stocken geraten. Seit Monaten gleicht die Fläche vis-à-vis dem Rathaus einem Trümmerfeld.

Verlierer der Stagnation im Herzen der Stadt sind die dort lebenden (älteren) Menschen, die weniger mobil sind, keinen Supermarkt mehr vor der Haustür finden und weite Wege etwa bis ins Nordberg-Center zurücklegen müssen. Man darf gespannt sein, wie lange Politik und Verwaltung dem noch zuschauen.

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