Bergkamen feilt mit Partnern am Energiekonzept

Wärme aus der Tiefe: Wasserstadt Aden soll mit Grubenwasser heizen

Der Förderturm über Aden II hat mit der Verfüllung ausgedient – und hier auch als Wahrzeichen keine Zukunft. Hier wird die Grubenwasserhebeanlage entstehen, möglichst mit einer Wärmegewinnung
+
Der Förderturm über Aden II hat mit der Verfüllung ausgedient – und hier auch als Wahrzeichen keine Zukunft. Hier wird die Grubenwasserhebeanlage entstehen, möglichst mit einer Wärmegewinnung. Ob das Schachtgerüst als Erinnerungsstück versetzt werden kann, prüfen Fachleute noch. Ein Ergebnis wird im März erwartet.

Über Tage ist alles darauf fokussiert, den Adensee als Attraktion der Wasserstadt zu schaffen. Doch die Fluten unter Tage haben auch ihre Bedeutung: Mit Grubenwasser soll geheizt werden.

Bergkamen - Die „Wasserstadt Aden“ soll als d a s Bergkamener Prestigeprojekt nicht nur mit dem allmählich erkennbaren Adensee von sich reden machen, sondern auch mit den gigantischen Wassermassen hunderte Meter darunter. Die gehören zwar zur Ewigkeitslast des Bergbaus, weil das Grubenwasser bis zum jüngsten Tag reguliert und gefördert werden muss, damit die Region nicht darin untergeht. Aber der ungeheure Aufwand bringt am ehemaligen Schacht II der Zeche Haus Aden auch einen Nutzen mit sich, der sich zukunftsträchtig auszahlen soll: mit wohlig warmen Wohnstuben und Werkstätten in der Wasserstadt.

Millionen Kubikmeter mit 30 Grad Wärme

Elf Millionen Kubikmeter Grubenwasser mussten zuletzt allein an diesem Standort der Wasserhaltung gehoben werden, im gesamten Revier sind es gut 70 Mio. Kubikmeter pro Jahr. Dafür werden bei der bald abgeschlossenen Schachtverfüllung gerade mächtige Röhren bis zur 600-Meter-Marke eingebaut, an der unter Tage der Pegel zu halten ist. Anstelle des Förderturms ist das Hebewerk geplant, das mit 1,45 Mio. Euro Bundeszuschuss 2021 in einem Architektenwettbewerb als architektonischer Blickfang konzipiert werden soll.

Ruhr-Uni Bochum: Aden taugt als Pilotstandort

Als Clou soll sich aber auch erweisen, was gleich daneben entstehen wird, wenn sich die ersten Studien als tragfähig erweisen: Eine Wärmetauschanlage, die aus dem 25 bis 30 Grad warmen Grubenwasser vor dem Abschlag in die Lippe noch so etwas wie die Zentralheizung der Wasserstadt macht. Die Abschlussstudie im Projekt „Grubenwasser Ruhr“ der Uni Bochum kommt zu dem Schluss, dass sich Bergkamens Vorzeigevorhaben als einer von drei Pilotstandorte für eine Geothermie-Anlage mit der ewigen Last anbietet.

An dem Konzept feilt die Stadt schon fleißig mit, wie Baudezernent Dr. Hans-Joachim Peters berichtete. In einer Arbeitsgruppe mit den Wissenschaftlern, dem Bergbau, den Stadtwerken und der Stadt sollen möglichst noch dieses Jahr Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Dr. Peters: Konzept muss mit Preis überzeugen

„Wir müssen noch schauen, ob diese Energie auch wettbewerbsfähig ist. Denn wir wollen ja nicht mit Anschluss- und Benutzungszwang überzeugen, sondern über den Preis“, verwies Peters auf den maßgeblichen Kostenfaktor. Dass die Energiemenge rechnerisch genügt, um sowohl die geplanten 146 Wohnhäuser mit 203 Wohnungen wie auch 56 Gewerbeimmobilien im Entwurf zu heizen, haben die Forscher ermittelt. Einschränkungen gibt es aber bezüglich der Wirtschaftlichkeit im westlichen und nördlichen Siedlungsabschnitt. Dort rechne sich die leitungsgebundende Versorgung nicht, zitiert die Studie den Projektstand Ende 2019. Für das Gewerbegebiet wird eine Kombination aus Blockheizkraftwerk und Großwärmepumpe fürs Grubenwasser erwogen.

Im Bebauungsplan alle Voraussetzungen geschaffen

Im Rathaus ist Planungschef Peters voller Zuversicht, die Wasserstadt so auch in der Klimaproblematik zu einem Musterstück machen zu können. „Wir sind auf einem guten Weg, das abzuschließen“, sagte er dem WA. Mit dem eigenen Anspruch aus dem Klimaschutzkonzept und nachhaltiger Planung stünde Bergkamen die Grubenwasser-Heizung selbstredend gut zu Gesicht. Im Bebauungsplan bestehe mit dem Sondergebiet um die Hebeanlage genug Platz, das Leitungssystem – die Studie spricht von 4,5 Kilometern allein für die Siedlung – bei der 2023 geplanten Erschließung anzupassen, sei kein Problem. 2024 soll’s dann ja los gehen mit der Bauerei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare