Ketteler-Schule Rünthe und Willy-Brandt-Gesamtschule

Für den Distanzunterricht gerüstet - und doch in Sorge um bestimmte Schüler

Der leere Schulhof gehört weiter zum Bild der Freiherr-von-Ketteler-Schule in Corona-Zeiten. Trotz Ferienende müssen die Schüler vorerst daheim bleiben.
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Der leere Schulhof gehört weiter zum Bild der Freiherr-von-Ketteler-Schule in Corona-Zeiten. Trotz Ferienende müssen die Schüler vorerst daheim bleiben.

Stell dir vor, Schule fängt an – und keiner geht hin. So verlangt es der Coronaschutz ab Montag. Ein Stimmungsbild zweier Schulleiterinnen:

Bergkamen/Rünthe –Schulstart mit leeren Klassenzimmern. Das ist die nächste kollektive Verhaltensübung, die der Schutz vor dem todbringenden Coronavirus mit dem Ende der ohnehin verlängerten Weihnachtsferien von Schülern, Eltern und Lehrern verlangt, damit die Seuche nicht noch weiter umgeht. Die Schulen müssen aber dafür sorgen, dass ihre Schützlinge daheim etwas lernen und auch Aufgaben erledigen, die Eingang in die Zeugnisse finden. Bis zu den Konferenzen dafür bleiben nicht mal zwei Wochen.

Ketteler-Grundschule ist vorbereitet

Die Ansage aus dem NRW-Schulministerium kann Heike Prochnow aber nicht mehr schrecken. „Wir sind gut vorbereitet, die Eltern kennen es ab Klasse zwei aus dem Frühjahr“, sagt die Leiterin der Rünther Grundschule. Damals seien alle ins kalte Wasser gestoßen worden. „Inzwischen haben wir aber Konzepte erstellt, Kollegen eingearbeitet und uns fortgebildet.“ So blickt Prochnow unaufgeregt auf den Schulstart daheim für die 225 Schützlinge der Freiherr-von-Ketteler-Schule.

Im Gegensatz zum Frühjahr klare Regeln

„Für die Eltern der Erstklässler ist es ein bisschen anders, sie müssen sich noch einfinden. Für die anderen ist es nicht mehr so fremd. Wir hatten ja zwischendurch ganze Klassen in Quarantäne mit Distanzunterricht. Auch das hat funktioniert“, so Prochnow. Zur Entspannung trage nun bei, dass mittlerweile verbindliche Regeln für die Beschulung daheim vorlägen einschließlich der Benotung auf diesem Wege erbrachter Leistungen.

Enger Kontakt zu Eltern schafft Vertrauen

Dass die bestellten iPads für Schüler wegen der Lieferengpässe auf sich warten lassen, kann die Rektorin verschmerzen. Altersgemäß seien Arbeitsblätter ohnehin das Mittel der Wahl und ausreichend erstellt worden. Den Eltern hat Prochnow zugesichert, sie via Homepage und Klassenlehrerinnen auf dem Laufenden zu halten. Das beschert große Ruhe.

Notbetreuung eine unbekannte Größe

Allerdings wartete die Rünther Schulleiterin zum Zeitpunkt ihrer Stellungnahme noch auf die Schulmail des Ministeriums mit den konkreten Vorgaben – etwa für die zugesagte Notbetreuung: Wie viele Kinder in welchen Gruppengrößen? Reichen OGS-Kräfte und Stundenzahl der Sozialarbeiterin? „Ich habe fast alle Lehrkräfte in Klassenleitung“, so Prochnow. „Denen will ich das nicht auch noch zumuten.“

Die Nachfrage nach der Notbetreuung bis einschließlich sechster Klasse gehörte später auch nach Eingang der Schulmail zu den offenen Fragen von Dr. Jennifer Lach, Leiterin der Willy-Brandt-Gesamtschule. Zwar war die Nachfrage nach Betreuung im ersten Lockdown fast allerorten gering, im Unterschied zu Frühjahr ‘20 entfällt jetzt aber die Begrenzung auf Eltern, die im Job unabkömmlich oder anderen Zwängen sind. Es ist nicht mal der Nachweis verlangt, dass daheim keine Betreuung erfolgen kann. Nun muss sich zeigen, ob das die Anmeldungen steigen lässt.

Schüler unerreichbar: WBG-Leiterin in Sorge

In Sorge ist Lach aber vor allem, „weil es Schüler gibt, die wir gar nicht mehr erreichen. Nicht am Telefon und nicht über die Schulplattform“. Hier gehe die Bildungsschere unter Corona noch weiter auseinander zwischen Kindern in behüteten Verhältnissen und denen, die in schwierigen Umständen aufwachsen. Lach: „Meine große Befürchtung ist, dass wir diese Kinder verlieren.“

Gesamtschule nutzt Organisationstage

Ehe es ab Mittwoch in den Fernunterricht geht, wird das WBG-Kollegium die vom Land zugestandenen Organisationstage am Montag und Dienstag nutzen, neben der allgemeinen Vorbereitung auch zu einzelnen Schülern Kontakt zu suchen, Klassenarbeiten zurückzugeben oder Bücher und Material zur verteilen.

Für das am Freitag, 29. Januar, fällige Halbjahreszeugnis lägen genug benotbare Leistungen vor, so Lach. Klassenarbeiten dürfen aktuell keine geschrieben werden, nur die QI- und QII-Schüler müssen bei Bedarf noch einmal ran. „Wir haben frühzeitig und bewusst genutzt, dass eine Klassenarbeit durch andere Leistungen ersetzt werden kann.“

Konzept für ein „Zeugnis to go“

Deswegen bestehe bis zu Zeugniskonferenz in der vorletzten Januarwoche kein Druck. Auch seien die Zehner mit Blick auf das wichtige Halbjahreszeugnis mit ihren Prüfungen vor den Ferien durch gewesen. Nun arbeitet Lach mit dem Kollegium noch am „Zeugnis to go“. Die Idee: „Wir wollen Eltern und Schüler zeitversetzt einladen und das Zeugnis übergeben.“ Das biete Gelegenheit, für den Abschluss noch einmal persönlich Empfehlungen zu geben.

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