Reaktionen auf Vorstandsempfehlung der Grünen

Bergkamener Basis begeistert von der Idee, Baerbock zur grünen Kanzlerin zu machen

Annalena Baerbock will den Grünen den Weg ins Kanzleramt weisen. Robert Habeck steht ihr weiter zur Seite. Grünen-Vorstand macht Vorschlag für Kanzlerkandidatur
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Annalena Baerbock will den Grünen den Weg ins Kanzleramt weisen. Robert Habeck steht ihr weiter zur Seite.

Wie das dem Wähler gefällt, muss sich am 26. September erweisen. Die Basis aber jubiliert schon mal über die erste Kanzlerkandidatin der Grünen. Ein Anruf bei Anita Greinke:

Bergkamen – „Ich bin total begeistert, dass wir eine weibliche Kandidatin für das Kanzleramt haben.“ Auf die Nominierung von Annalena Baerbock als Spitzenkandidatin angesprochen, sprudelt Anita Greinke förmlich vor Euphorie. „Absolut gerechtfertigt“ sei es, dass die Co-Vorsitzende im Bund Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestagswahlkampf führe. Und: „Ein tolles Statement, dass Robert Habeck so dahinter steht.“ Per E-Mail habe der sich gerade an die Basis gewandt.

Grüne Grundsätze auf den Punkt gebracht

„Hier zeigen wir grüne Grundsätze“, sagt die Co-Vorsitzende im Ortsverband Bergkamen und sieht eben diesen (Zeit-)Geist auch in den eigenen Reihen. Als Anita Greinke geboren wurde, waren die als Protestpartei apostrophierten Grünen schon sechs Jahre auf der Welt, durch die Tschernobyl-Katastrophe gestärkt und auf Umweltfragen fokussiert. Der Themen-Kanon war auch noch ein anderer, als Greinke vor etwa zehn Jahren in die Partei eintrat. Kanzleramt – wer hätte das gedacht?

Frischer Wind mit der jungen Generation

Aber das ist für die Bergkamenerin Ergebnis konsequenter Entwicklung ihrer Partei. Zumal etliche andere grüne Kernthemen wie Klimaschutz und Gleichstellung längst aufgenommen haben. „Da waren wir der Zeit durchaus voraus“, so Greinke. Aber sie hat auch noch gut im Ohr, dass ihr an der Basis, wie den Berliner Politprofis, das Attribut der ewigen Verbotspartei vorgehalten wurde. Doch jetzt sieht die OV-Sprecherin „eine junge Generation am Start“, dank des Zulaufs über die BI L 821-Nein und die „Fridays for future“ in eigenen OV und eben auch im Bund. Mit einer jungen Mutter an der Spitze, die in drei Jahren Führungsarbeit überzeugt habe. Anhänger gewonnen habe die Partei, „weil wir diejenigen sind, die sich quergestellt haben.“ Das genüge auf Dauer nicht.

Im Unterton wieder die Geschlechterfrage

Also geht es nun gewissermaßen über die Schwelle vom Mäkeln zum Machen? „Wir müssen jetzt diesen Schritt gehen und unsere Wähler nicht enttäuschen“, sieht Greinke den Auftrag, mitzugestalten. Ist es da nicht überholt, die Kandidatenauswahl im Lichte der überkommenen Geschlechterfrage zu betrachten, wie Anita Greinke es selbst preist? „Der Fokus liegt natürlich auf den Qualitäten von Annalena Baerbock“, gibt sie zurück. „Aber da ist auch immer noch dieser Unterton bei Frauen in Führungspositionen. Dass man trotzdem Mutter und im Beruf tätig sein kann. Dass man sich natürlich die Kindererziehung teilt, es dem Mann aber schwerer fällt.“

Das kennt Anita Greinke, Mutter zweier kleiner Kinder in Elternzeit, aus eigener Erfahrung. Auch dieses Gespräch haben wir unterbrochen, weil im Kinderbett wer wach wurde...

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