Pauken auf Distanz

Abiturientin im Homeschooling: „In der Schule war das Lernen leichter“

Angelika Boriskin, Schülerin der Gesamtschule Bergkamen.
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Angelika Boriskin, Schülerin der Gesamtschule Bergkamen muss sich im Distanzunterricht auf das Abitur vorbereiten.

Die Weihnachtsferien liegen hinter den Schülern. Die Zielgerade zum Abitur ist in Sichtweite. Die Hoffnung, wieder in der Schule lernen zu können, hat sich nicht erfüllt. Gesamtschülerin Angelika Boriskin sitzt daheim am Schreibtisch, um sich den Lernstoff zu erarbeiten.

Bergkamen – Seit Mittwoch läuft der Distanzunterricht an der Willy-Brandt-Gesamtschule wieder. Wirklich anfreunden mit dem Büffeln daheim können sich allerdings längst nicht alle Schüler. „Ich habe auch von Freunden gehört, dass sie lieber ganz normal in die Schule gehen würden“, erzählt die 19-Jährige. Ihr selbst geht es ähnlich. Video-Konferenzen würden zwar helfen. „Aber es ist eben nicht dasselbe wie mit dem direkten Kontakt zueinander und dem Lehrer.“

Immerhin etwas Kontakt gab es am Freitag: Da waren die Abiturienten in ihren Leistungskursen in der Schule, um mit dem jeweiligen LK-Lehrer die Noten zu besprechen. Im Gegensatz zu den Jahrgängen, die sich vor der Corona-Pandemie auf ihr Abitur vorbereitet haben, gibt es einen gravierenden Unterschied: Statt wie gewohnt weiterhin in allen Fächern Unterricht zu haben, konzentrieren die Abiturienten sich nur auf vier Prüfungsfächer. „Wir haben nur noch Konferenzen und Aufgaben in unseren Abifächern“, erzählt die 19-Jährige.

Für Angelika Boriskin bringt dieses Vorgehen Vor- und Nachteile mit sich. „Natürlich erleichtert es die Abiturvorbereitungen“, sagt sie. Andererseits seien auch andere Fächer einfach wichtig. Philosophie zum Beispiel. „Das ist gerade in dieser Zeit ein wichtiges Fach“, betont sie. „Wir sollten alle etwas über Ethik lernen und uns die Frage stellen, ob man sich jetzt wirklich mit anderen treffen sollte oder nicht.“

Viele Schüler seien einfach frustriert und traurig. „Freunde von mir befürchten schon, dass der ganze Jahrgang sitzen bleiben wird. Manche sagen auch, dass das vielleicht besser so wäre“, erzählt sie. „Natürlich wollen wir alle weiterkommen. Aber wir wissen auch, dass es schwierig ist, sich so auf die Prüfungen vorzubereiten.“ Die Konzentration am heimischen Schreibtisch nehme zwischendurch einfach stärker ab als in der Schule. „In der Schule war das Lernen leichter.“

Etwas Positives kann Boriskin dem Distanzunterricht dann aber doch abgewinnen. Er sei durchaus eine gute Vorbereitung auf ein späteres Studium, das sie anstrebt. „Man lernt schon etwas mehr Selbstständigkeit“, findet die 19-Jährige. „Aber erst einmal musste im Kopf ankommen: Du gehst aufs Abi zu, jetzt tu was dafür.“ le

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