Zurück im Distanzunterricht

Bergkamener Gesamtschülerin (19) berichtet über Schwierigkeiten des digitalen Lernens

Die Schulen waren für ältere Schüler in dieser Woche wieder geschlossen. Der Unterricht fand zum Beispiel per Videokonferenz statt. Für die Schüler ist es trotz der digitalen Möglichkeiten keine einfache Situation.
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Die Schulen waren für ältere Schüler in dieser Woche wieder geschlossen. Der Unterricht fand zum Beispiel per Videokonferenz statt. Für die Schüler ist es trotz der digitalen Möglichkeiten keine einfache Situation.

Allein am heimischen Schreibtisch lernt es sich nicht so gut wie im Klassenraum, findet Angelika Boriskin. Trotzdem ist die Schülerin der Willy-Brandt-Gesamtschule froh, dass Bundes- und Landesregierung die Reißleine gezogen und die älteren Schüler in der letzten Woche vor den am Freitag beginnenden Weihnachtsferien erneut in den Distanzunterricht geschickt haben.

Bergkamen – Wie schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr bekommen die 19-Jährige und ihre Mitschüler von ihren Lehrern Aufgaben gestellt, die sie daheim bearbeiten müssen. „Meist läuft das über IServ“, erklärt Boriskin.

IServ ist ein Schulserver, der im Jahr 2000 im Rahmen eines Schulprojekts entstanden ist. Inzwischen, so informiert die IServ GmbH auf ihrer Homepage, setzen mehr als 4000 Schulen die Software ein. „Das ist eine tolle Sache. Wir können dort in Modulen arbeiten und zum Beispiel unsere Hausaufgaben einstellen“, sagt die Schülerin.

Wir machen uns schon große Sorgen wegen des Abis und fragen uns, wie das klappen soll.

Angelika Boriskin, Gesamtschülerin

Theoretisch sind seit dem Frühjahr auch Videokonferenzen per IServ möglich. „In der Praxis hakt es da noch ein bisschen“, bedauert die 19-Jährige. „Da ist das System schon mal überlastet, man fliegt raus und hat Probleme, sich wieder einzuloggen.“ Sie hofft, dass bald störungsfreie Videokonferenzen möglich sind. Denn: „Es ist schon schwieriger, von zu Hause aus zu lernen.“

Das größte Problem dabei sei, dass die Lehrer eben nicht so unmittelbar ansprechbar sind wie im Klassenzimmer. „Manches versteht man einfach besser, wenn der Lehrer es noch einmal erklärt.“ Als Schülerin im Leistungskurs Sozialwissenschaften beschäftigt sie sich zum Beispiel mit Europapolitik. „Da verinnerlicht man die Informationen oft besser, wenn man sie zusammen bespricht.“

Boriskin denkt dabei aber nicht nur an die nächste Klausur, sondern ein paar Monate voraus: Als Schülerin der Q2 steht sie kurz vor ihrem Abitur. Wie ihren Mitschülern bereitet ihr das Kopfzerbrechen. „Wir machen uns schon große Sorgen wegen des Abis und fragen uns, wie das klappen soll“, räumt sie ein.

Vor einigen Wochen selbst an Corona erkrankt

Aber aller Schwierigkeiten, die der Distanzunterricht mit sich bringt, zum Trotz: Aktuell ist die 19-Jährige froh, nicht jeden Tag in die Schule gehen zu müssen. „Schule und Bildung sind super wichtig“, betont sie. „Aber man fühlt sich einfach sicherer, wenn man jetzt zu Hause bleibt. Zumal viele von uns das Gefühl haben, es kommt immer näher an einen heran.“

Die angehende Abiturientin weiß genau, wovon sie spricht: Vor einigen Wochen war sie selbst an Corona erkrankt. Nicht erst seitdem ist die Pandemie ein Thema in ihrem Freundeskreis. „Wir reden natürlich darüber und überlegen, was man machen sollte. Am liebsten wäre uns, wenn es einen strengen Lockdown gibt und wirklich alles lahmliegt – außer ganz zwingend notwendige Bereiche wie Krankenhäuser und Altenpflege“, sagt sie. Auch in der Freizeit sollten noch strengere Regeln gelten, um die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen. „Wir wollen keine dritte Corona-Welle“, sagt sie.

Doch auch wenn die Regeln nicht so streng sind, wie manche Schüler sich das wünschen, eine Hoffnung hat sie noch nicht aufgegeben: dass die Abiturienten vor ihren Abschlussprüfungen noch einmal normalen Präsenzunterricht kriegen, um sich so gut wie möglich auf die wichtigen Prüfungen vorbereiten zu können.

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