Bergkamener Schulleiter berichten vom Unterricht in der Corona-Krise

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Mit Maske im Unterricht: Die Schüler der Teilgruppe der Klasse 8b des Städtischen Gymnasiums tragen waschbare Masken, die sie von der Schulleitung geschenkt bekommen haben.

Bergkamen – Seit ein paar Wochen ist in den Schulen wieder etwas Leben eingekehrt, nachdem die Einrichtungen aufgrund der Corona-Pandemie wochenlang geschlossen bleiben mussten. Doch von einem normalen Schulalltag an Grundschulen und weiterführenden Schulen kann bislang nicht die Rede sein. Abstand halten, Maske tragen und andere Vorschriften bestimmen den Alltag der Schüler, aber auch der Lehrkräfte.

Bei einer Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Weiterbildung am Mittwoch berichteten einige Schulleiter nun von ihren Eindrücken der vergangenen Wochen. „Der Präsenzunterricht war ein ganz anderer, fremder Unterricht. Normalerweise gibt es Partner- und Gruppenarbeiten und viel mehr Kommunikation. Das ist nicht die Form von Unterricht, wie wir ihn kennen“, fasste Petra Huß, Schulleiterin der Freiherr-vom-Stein Realschule, ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen zusammen. 

Da konnte Bärbel Heidenreich, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Bergkamen, nur zustimmen. Auch sie beschrieb den derzeitigen Unterricht, in dem sich die Schüler an durch die Pandemie bedingte Regeln halten müssen, als seltsam. „Für die Schüler ist das eine unwirkliche Situation“, sagte Heidenreich. Mit Susanne Fahrner, Leiterin der Jahnschule in Oberaden, stimmte Heidenreich in einem Punkt besonders überein. „Einbußen sehen wir ganz klar in der körperlichen Fitness. Die Kinder sind wenig belastbar, denn einige waren kaum draußen“, ist Fahrner aufgefallen. Bärbel Heidenreich stellt ebenfalls fest, dass vor allem die jüngeren Schüler nach sechs Stunden Unterricht schon völlig erschöpft sind. „Wir haben relativ schnell die ganz Kleinen reingeholt, weil uns klar war, dass gerade sie die soziale Umgebung mal wieder brauchen“, so die Leiterin des Gymnasiums. 

Einig waren sich alle, dass sich die Schüler größtenteils vorbildlich an die Hygieneregeln gehalten haben. „Ich bin erstaunt, wie verantwortungsbewusst und diszipliniert die Kinder sein können, wenn es drauf ankommt“, sagte Jahnschule-Leiterin Susanne Fahrner. Teilweise seien die Kinder verunsichert und mit viel Gesprächsbedarf an die Schule gekommen. 

Doch nicht nur die Schüler hatten Bedarf, auch die Lehrkräfte erlebten bisher die eine oder andere Situation, in denen sie mehr Aufklärung benötigt hätten. Vor allem die ständigen, vom Schulministerium beschlossenen Änderungen, haben oft für Verwunderung gesorgt. Beispielsweise kündigte Schulministerin Yvonne Gebauer vor etwa einer Woche an, dass ab heute alle Kinder im Grundschulalter wieder täglich zur Schule gehen sollen. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Grundschulen jedoch bereits darauf eingestellt, dass bis zu den Sommerferien alles bleiben würde wie geplant. „Wir fühlen uns dabei nicht gut, wenn alles wieder verworfen wird“, erzählte Fahrner.

Ständige Vorgabenänderungen machen den Schulen zu schaffen

An den weiterführenden Schulen scheint das Problem der sich immer wieder ändernden Vorgaben und Ankündigungen ebenfalls zu bestehen. So kritisiert Bärbel Heidenreich gleichfalls die ständigen Änderungen. „Da werden wieder alle Pläne, die wir mit Mühe und Not hinbekommen haben, über den Haufen geworfen“, bedauerte sie. Das habe sie und ihre Kollegen schon in unangenehme Situationen gebracht. So haben manche Eltern nicht verstehen wollen, warum es mit der Organisation nicht immer auf Anhieb geklappt hat. „Es war nicht immer möglich. Manchmal hatten wir nur zwei, drei Tage, um alles zu organisieren“, erklärte die Rektorin. 

Besonders im Bereich Klassenfahrten ist die Verwirrung noch immer groß. So sei nicht ganz klar, welche Fahrten nun abgesagt werden müssen und wer letztendlich die Stornokosten trägt. Abgesagt wurden zumindest die einen oder anderen Reisen inzwischen. 

Eine besondere Herausforderung war und ist für die Schulen weiterhin das digitale Lernen, das vor allem während der Schließung der Schulen den Präsenzunterricht mehr oder weniger ersetzen sollte. An der Jahnschule habe das Lernen von zu Hause aus gut funktioniert. „Jeder hat sich auf neue Portale und Plattformen eingelassen“, berichtete Schulleiterin Susanne Fahrner. An der Freiherr-vom-Stein-Realschule und am Gymnasium habe die Arbeit mit den Lernplattformen ebenfalls gut funktioniert. Jörg Lange, stellvertretender Schulleiter der Realschule Oberaden, machte allerdings darauf aufmerksam, dass die Realschule momentan keine Lan- und Wlan-Anschlüsse in ihren Klassenräumen hat. „Die Voraussetzungen waren denkbar ungünstig, und trotzdem ist es uns gelungen, eine Vielzahl an Lehrkräften dafür zu begeistern, qualitativ gutes Lernen auf Distanz anzubieten“, lobte Lange seine Kollegen. 

Monika Drude, Schulleiterin der Pfalzschule, merkte aber an: „Das digitale Lernen ist auf unserer Schule nicht ganz übertragbar gewesen, weil viele Kinder den Zugang nicht haben.“ So habe die Schule jeweils an einem Tag in der Woche für einen Jahrgang die Materialien auf dem Schulhof verteilt und jeweils an einem Tag die bearbeiteten Aufgaben wieder eingesammelt. „Die Pakete zu packen war schon ein bisschen aufwendig“, berichtete Drude. Einig sind sich aber alle: Das Wohl der Schüler steht an erster Stelle. „Den Kindern geht es gut. Jetzt warten wir darauf, was die nächsten Wochen für uns bereit halten“, sagte Susanne Fahrner.

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