NRW-Initiative Digitale Sofortausstattung

523.000 Euro Zuschuss: Bergkamen kauft iPads für Bedürftige und Lehrer-PC 

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Die Landesregierung hat flugs ins Portmonee gegriffen, weil viele Schulen digital schlecht ausgestattet sind. Bergkamen will nun für 362.000 Euro Schüler-iPads kaufen und Lehrer-Geräte für 193.000:

Bergkamen - Mit der Verabschiedung des Medienentwicklungsplans im Schulausschuss soll am Donnerstag (10. September) der mit den elf städtischen Schulen verabredete Fahrplan für die digitale Aufrüstung nach zeitgemäßen Standards in Kraft gesetzt werden. Im selben Atemzug werden sich Politik und Verwaltung aber mit einem Aspekt befassen, den sie in der dabei vereinbarten Abfolge – erst den leistungsfähigen Hausanschluss, dann das schulinterne Netzwerk, Ausstattung der Unterrichtsräume und final die Versorgung von Schülern und Lehrern mit einem Computer – hintenan gestellt hatten.

Schulen müssen gerechte Verteilung entwickeln

Die Landes-Offerte „Digitale Sofortausstattung“ verspricht außerplanmäßig 330 000 Euro für Geräte, die an Lehrer und Schüler aus Haushalten mit knappen Budget gehen sollen. Die Kritik an der durch Corona gnadenlos offenbarten Rückständigkeit in der Schulausstattung für digitales Lernen und „Homeschooling“ unter Quarantänebedingungen hat das Schulministerium eilig agieren lassen. Nicht zum ersten Mal bleibt es dabei den Verantwortlichen vor Ort überlassen, wie sie damit gerecht umgehen.

Schuldezernat behandelt alle Schulen gleich

„Das ist nicht gewollt, es gibt keine Messzahl. Die Ministerin hat gesagt, die Lehrer hätten schon ein Gefühl dafür, welcher Schüler Unterstützung nötig hat“, antwortete Schuldezernentin Christine Busch auf die Frage, wie denn der „Ausgleich sozialer Ungleichgewichte“ ermittelt und bemessen wird, den die NRW-Richtlinie zum Maß der kostenlosen Verteilung der Geräte an einen Teil der Schülerschaft vorgibt. Die üblichen Kriterien nach der Sozialgesetzgebung spielen hier keine Rolle. Busch hat sich mit ihrer Abteilung entschlossen, alle gleich zu behandeln und das Geld nach Schülerproporz zu verteilen. Dass sich die soziale Bedarfe an den Schulen unterscheiden könnten, wies sie zurück. 

Pro Kopf 500 Euro für Lehrerzahl im Vorjahr

Mit dem zehnprozentigen Eigenanteil obendrauf sind im Falle der noch ausstehenden Bewilligung 362 000 Euro an elf Schulen zu verteilen. Und zwar nach ihrem prozentualen Anteil an der Schülerzahl von insgesamt 4543 Jungen und Mädchen. Damit die Lehrer ihr Werkzeug nicht länger selbst besorgen müssen, gibt es vom Land noch einmal 193 000 Euro Zuschuss: 500 Euro pro Nase für Gerät und Zubehör, die an die Stadt als Schulträgerin gehen, bemessen an der Zahl der 387 Lehrkräfte im alten Schuljahr. Dass die Anzahl sich geändert hat und noch Referendare in der Ausbildung hinzukommen, wird hier nicht berücksichtigt. 

Schulen wollen einheitlich iPads einführen

Die Schulen haben sich entschieden, die Schülerschaft einheitlich mit iPads (10,2 Zoll, 32 GB) auszustatten, weil Einrichtung und Wartung günstiger seien. Die Apparate werden gegen Unterzeichnung einer Nutzungsvereinbarung ausgehändigt, die zum pfleglichen Umgang mit dem Leihgerät verpflichtet. Dass die Probleme damit nicht gelöst sind, weiß auch die Verwaltung: Eine Umfrage unter Schülern habe gezeigt, dass einige Familien nicht über Wlan verfügten. Das haben sie teils mit den Schulen gemein: Die Auf- und Ausrüstung mit gut 3,3 Millionen Euro aus der Digitalförderung von Bund und Land ist angeschoben, aber nicht erledigt. „Man muss auch erst einmal eine Firma finden, die die Kabel auch ziehen kann“, wies Busch auf die drängende Nachfrage hin. 

Gibt's noch genug Angebot auf dem Markt?

Deshalb wagte sie auch keine Prognose, wann die ersten Schüler und Lehrer denn ein iPad in Händen halten könnten. Es ist zwar eine Entscheidung per Dringlichkeitsbeschluss geplant und die sonst strengere Beschaffungsregelung gelockert. „Aber mit uns machen sich ja auch allen anderen auf den Weg. Da weiß man gar nicht, ob überhaupt genug Geräte auf dem Markt sind.“

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