Abiturprüfungen in der Corona-Pandemie

Bergkamener Abschlussschüler hätten lieber die Wahl

Abiturprüfungen
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In 14 Tagen sollen die Prüfungen in NRW starten. Viele Abiturienten fühlen sich aber nicht gut darauf vorbereitet.

Bergkamen – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert, die Abiturprüfungen notfalls wegen der Coronapandemie ausfallen zu lassen. Die Abiturnoten sollen sich dann aus dem Durchschnitt der bisherigen Leistungen zusammensetzen. Während der Deutsche Lehrerverband diesen Vorschlag ablehnt, gibt es von Schülerseite durchaus Zustimmung für die Idee.

Angelika Boriskin, Abiturientin an der Willy-Brand-Gesamtschule, war im ersten Moment zwar gegen das Durchschnittsabitur. „Ich wollte wissen, ob ich die Prüfungen schaffe, und sehen, ob ich das Abi verdient habe“, sagt die 20-Jährige. Diese Meinung hat sich dann allerdings etwas gewandelt. „Jetzt, in der direkten Vorbereitung auf die Abiturprüfungen, spürt man richtig, wie viel Unterricht uns einfach fehlt. Den Distanzunterricht kann man einfach nicht mit Präsenzunterricht vergleichen.“ Sie habe nicht das Gefühl, sich optimal auf die Prüfungen vorbereiten zu können. „Ich habe einen sehr guten Durchschnitt bisher und einfach Angst, dass er sich durch die Prüfungen verschlechtert.“ Daher sei sie inzwischen eher dafür, die Abschlussnoten aus dem bisherigen Notendurchschnitt zu berechnen.

Ihr Mitschüler Steven Lebsack hat keine wirklichen Sorgen vor einem schlechteren Abi-Durchschnitt. „Ich bin zwar sicher, dass mein Schnitt nach den Prüfungen etwas schlechter ist, aber ich will nicht studieren, also ist das für mich nicht so wichtig. Eine Freundin aber möchte zum Beispiel Medizin studieren – sie braucht einfach ein sehr gutes Abitur.“

Das sei durch den lange fehlenden Präsenzunterricht, die in vielen Fächern ausgelassenen Themen und die besonderen Prüfungsvorbereitungen aber schwierig. „Daher finde ich die Idee des Durchschnittsabiturs schon recht gut“, sagt der 19-Jährige. „Wir hatten so wenig Unterricht. Klar, jetzt haben wir neun Tage mehr Zeit bekommen – aber in denen holt man die verlorene Zeit auch nicht auf.“ Der Online-Unterricht habe die Problematik nur zum Teil auffangen können.

Angst vor der Prüfung

Angelina Ey, ebenfalls Abiturientin an der Bergkamener Gesamtschule, spricht sich auch für ein Durchschnittsabitur aus. „Ich und viele Freund in meinem Jahrgang haben ziemlich große Angst vor den Prüfungen“, erzählt die 19-Jährige. „Wir hatten lange keinen richtigen Unterricht und fühlen uns nicht gut vorbereitet auf die Abschlussprüfungen.“ Das sei schon vor den Vorabiklausuren so gewesen. Sie persönlich könne auch nicht so gut allein lernen. „Aber sich mit einer Lerngruppe treffen, geht ja nicht.“

Die 19-Jährige macht sich zudem nicht nur vor den Klausuren Sorgen. Als Schülerin im Sport-Leistungskurs muss sie eine praktische Prüfung ablegen. „Für Sachen wie Kugelstoßen und Hochsprung braucht man Übung. Die hatten wir nicht.“ Ohne den pandemiebedingten Unterrichtsausfall wäre sie guter Dinge, was die Prüfung angeht. „So fehlte uns einfach die Vorbereitungszeit.“

Grundsätzlich gut finden alle Drei den Vorschlag der Landesschülervertretung, den Vorstandsmitglied Johanna Börgermann im WDR vorstellte: Demnach sollten die Schüler die Wahlmöglichkeit bekommen in die Prüfungen zu gehen oder das Abi mit der Durchschnittsnote abzulegen. „Das ist eine gute Lösung“, finden sie.

Und Sven Lebsack hat noch eine weitere Idee: „Gut wäre es auch, wenn die Lehrer die Klausuren zusammenstellen könnten. Sie wissen schließlich, was wir bearbeitet haben und welche Themen auf der Strecke geblieben sind.“

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