Nahversorgung in Weddinghofen

Ein Ortsteil in Angst: Was, wenn Netto auch noch geht?

Die Netto-Filiale an der Schulstraße ist derzeit die einzige Anlaufstelle im Ortsteil Weddinghofen, wenn’s um die Versorgung mit Lebensmitteln geht. Das sei „absolut nicht ausreichend“, heißt es bei der SPD im Ort.
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Die Netto-Filiale an der Schulstraße ist derzeit die einzige Anlaufstelle im Ortsteil Weddinghofen, wenn’s um die Versorgung mit Lebensmitteln geht. Das sei „absolut nicht ausreichend“, heißt es bei der SPD im Ort.

Die Angst geht um in Weddinghofen. Angst davor, dass der Bergkamener Ortsteil mit seinen immerhin 10.000 Einwohnern irgendwann ganz ohne Lebensmittelmarkt dasteht.

Bergkamen – Weddinghofen ohne Supermarkt. Das passiert, wenn die neue, umstrittene Netto-Filiale am Häupenweg nicht gebaut werden sollte, und der Discounter sein jetziges Geschäft an der Schulstraße schließt, sollte der Mietvertrag irgendwann auslaufen. Dieses Szenario jedenfalls hält die örtliche SPD für durchaus realistisch – und fordert nun endlich eine echte Lösung von Stadtrat und Verwaltung.

Weddinghofen ohne Nahversorgung – so weit ist es noch nicht. Beim Anbieter Netto jedenfalls heißt es, dass das Ladenlokal an der Schulstraße „noch längerfristig“ angemietet sei. Ein konkreter Zeithorizont wird auf Anfrage nicht genannt.

674 Quadratmeter Verkaufsfläche stehen an der Schulstraße zur Verfügung. Am Häupenweg, wo überdies ein Getränkemarkt entstehen soll, sollen es einmal rund 1100 Quadratmeter werden. Hier will Netto seinen Kunden „ein moderneres Einkaufserlebnis“ bieten. Die neue Filiale, so heißt es, werde „an unsere nachhaltigeren Standards angepasst“.

Auf dieser Fläche am Häupenweg, gleich neben dem Wellenbad-Parkplatz, soll der neue Netto-Markt entstehen. Aber eine Realisierung der Pläne ist nicht sicher.

Gleichwohl: Die Situation in Weddinghofen ist aktuell angespannt, und die Versorgungslage hat sich mit Schließung der Kaufland-Filiale im Rathaus-Center Ende April noch weiter verschlechtert. „Wer nicht mobil ist – und das sind vor allem Ältere –, der hat es schwer“, weiß Jens Schmülling, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Weddinghofen-Heil. Und: „Verwaltung und Rat müssen endlich Ergebnisse liefern. Wenn nötig, werden wir mit einer großen Unterschriftenaktion auf die Misere aufmerksam machen.“ Dann sei sie nicht mehr zu ignorieren.

„Passiert ist bis heute nichts“

Bei seiner jüngsten Sitzung hat sich der Ortsverein intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Möchte man in Weddinghofen seine Einkäufe zum täglichen Bedarf erledigen, bietet sich jedes Mal das gleiche traurige Bild. Nicht selten steht man vor leeren Regalen und muss sich dicht gedrängt durch den viel zu kleinen Netto-Markt drängen“, heißt es in einer danach veröffentlichten Pressemitteilung.

In dem Schreiben wird auch darauf verwiesen, dass der Ortsverein schon 2017 ein Nahversorgungskonzept für den Ortsteil eingefordert hatte. Diesem Vorschlag stimmte der Rat über einen SPD-Antrag am 22. März 2018 zu. „Passiert ist bis heute aber nichts“, moniert Schmülling. Warum, das könne er nicht nachvollziehen. Die Netto-Neuansiedlung am Häupenweg ist ins Stocken geraten, seit sich eine Nachbarin gerichtlich gegen die von der Stadt positiv beschiedene Bauvoranfrage gewehrt hat. Nach Auskunft der Verwaltung von Ende Juni wurde der Bescheid zur Voranfrage zurückgegeben, nun liegt ein Bauantrag zur Prüfung vor. Wie diese ausfällt, bleibt abzuwarten.

„Durch Untätigkeit sind Fakten geschaffen worden“

Nach Lesart des SPD-Ortsvereins hätte spätestens dann nach Alternativ-Standorten gesucht werden müssen, als klar war, dass die Grünen sich gegen das Projekt positionierten. „Noch besser wäre es gewesen, das Thema schon bei früheren Projekten mitzudenken“, sagt Jens Schmülling – etwa bei der Überplanung des Areals der ehemaligen Heide-Hauptschule. Hier entsteht zurzeit neuer Wohnraum, Einzelhandel ist nicht vorgesehen.

Auch im Zuge des geplanten Neubaus eines Ganzjahresbades auf dem Wellenbad-Gelände hätte man die Ansiedlung eines Nahversorgers auf dem heutigen Parkplatz zumindest prüfen müssen, meint Schmülling. Stattdessen habe man sich auf die nicht rechtssichere Fläche am Häupenweg versteift. „Durch Untätigkeit sind Fakten geschaffen worden, Optionen fallen weg“, so die deutliche Kritik des SPD-Orts-Chefs in Richtung Politik und Stadtverwaltung.

„Geht nicht, gibt’s nicht“

Dass sich Netto vergrößern möchte, sei ebenso seit Jahren bekannt wie die ständige Gefahr, dass sich das Unternehmen aus Weddinghofen nach dem Auslaufen seines Mietvertrages vom Standort Schulstraße zurückziehe – „wie seine Vorgänger Aldi und Co“, heißt es bei der SPD. Man vertrete den klaren Standpunkt, „dass nur ein völlig unterdimensionierter Anbieter eines Gesamtsortiments für den gesamten Siedlungsschwerpunkt absolut nicht ausreichend ist“, und fordere Verwaltung und Fraktionen dazu auf, den Menschen in Weddinghofen „eine sichere Perspektive“ zu gestalten. Und weiter: „Geht nicht, gibt’s nicht.“

Warum das Nahversorgungskonzept für Weddinghofen noch nicht vorliegt, in welchem Stadium sich die Bearbeitung des Bauantrags für den Häupenweg befindet und ob für den Standort dort die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens vielleicht die bessere Variante wäre – dazu wollte der WA auch die Bauverwaltung der Stadt befragen. Auf entsprechende Anfragen an den zuständigen Dezernenten von Mitte vergangener Woche kam noch keine Reaktion.

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