Viele Eltern sind besorgt

Bergkamener Kitas zwischen Infektionsschutz und Betreuungsbedarf

Leere Haken an der Garderobe in der DRK-Kita-Puzzlekiste
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In den Kitas bleiben derzeit einige Plätze leer. Nicht alle Eltern wollen ihre Kinder betreuen lassen, obwohl sie im Gegensatz zum ersten Lockdown dürften.

Rünthe – Für die Familien und Mitarbeiter des katholischen Montessori-Familienzentrums in Rünthe stand der Montag schon lange als „Planungstag“ im Kalender. Daran hat auch das Inkrafttreten der neuen Corona-Schutzverordnung nichts geändert – im Gegenteil. So hatten Kita-Leiterin Christiane Dudzik und ihr Team noch einmal die Gelegenheit, gründlich über die angedachten Konzepte für die kommenden Wochen zu sprechen, ohne dass „nebenbei“ noch Kinder beaufsichtigt werden mussten.

Unter anderem müssen die Familien seit Montag schließlich vorerst mit zehn Betreuungsstunden weniger auskommen. Anders als im Frühling vergangenen Jahres ist es den Familien aber freigestellt, ihre Kinder in die Kitas zu bringen. Einen besonderen Bedarf wie zur Zeit der „Notbetreuung“ muss niemand mehr nachweisen und auch keinen systemrelevanten Beruf.

Angemeldet für den Kita-Betrieb an der Overberger Straße wurden ab Dienstag zunächst rund 20 Kinder. Diese Zahl kann aber jederzeit nach oben und unten variieren, weiß Christiane Dudzik. Das hänge davon ab, wie viele Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder selbst zu Hause zu beaufsichtigen oder eben doch auf die Kita zurückgreifen müssen.

Begegnungen beim Abholen und Bringen einschränken

Für die Kleinen, die die Einrichtung besuchen, wird es zwar eine feste „Grund-Betreuungszeit“ zwischen 7 und 15 Uhr geben, die Mitarbeiter wollen aber flexibel auf den Bedarf der Familien reagieren an. Zudem sollen die Begegnungen an der Tür beim Bringen oder Abholen der Kinder möglichst eingeschränkt werden.

Damit das gelingt, sind „alle Mann an Bord“, wie die Leiterin sagt. Das heißt, alle acht Mitarbeiter sind vor Ort, kümmern sich im Familienzentrum um die Mädchen und Jungen in festen Gruppen und achten darauf, dass keine Betreuungslücke für die Eltern entsteht. Das bedeute einen enormen, personalintensiven Aufwand, so Christiane Dudzik. „Aber von den Eltern wird ja auch sehr viel abverlangt. Es ist zurzeit eben für alle schwer“, sagt sie.

In der evangelischen Kita Arche Noah ist es zurzeit ebenfalls deutlich leiser. Statt der üblichen 44 Kinder besuchen gerade maximal 16 Mädchen und Jungen täglich die Einrichtung an der Mozartstraße. Zwar ist es den Eltern trotz des erneuten Lockdowns freigestellt, ihre Söhne und Töchter dort betreuen zu lassen, doch den Familien bereiten die hohen Infektionszahlen Sorgen. „Die neue Corona-Mutation macht vielen Eltern Angst. Sie behalten ihre Kinder deshalb lieber zu Hause und versuchen, die Betreuung anders zu regeln. Zur Oma bringt allerdings zurzeit niemand seine Kinder“, hat Kita-Leiterin Alexandra Bartosch erfahren. Die Eltern nähmen sehr viel Rücksicht.

Schwere Zeit für alle Beteiligten

Sie hat am Freitag alle Familien angerufen und sich nach deren Situation erkundigt. „Für die Mütter und Väter ist es schon ein hoher Aufwand, der an den Nerven zerrt. Es ist wirklich eine schwierige Zeit für alle“, stellt Alexandra Bartosch fest. Gerade in der kalten, tristen Jahreszeit sei es noch schwieriger, die Kleinen gut zu beschäftigen. „Im Sommer können sie mehr raus, das macht es leichter.“

Die Einrichtungsleiterin und ihre Kollegen nehmen weiterhin alle Kinder auf, deren Eltern keine anderweitige Betreuungslösung gefunden haben. „95 Prozent der Eltern, die ihre Kinder bringen, sind berufstätig. Sie haben keine andere Wahl“, erklärt Bartosch.

Um individuelle Lösungen geht es jetzt auch in den beiden Awo-Kitas in Rünthe, Traumland und Sonnenblume. „Wir richten ein besonderes Augenmerk auf die Bedarfe der Eltern“, verspricht Stefan Kuster, Sprecher des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems.

Engpässe sind möglich

Wie viele Kinder momentan in den jeweiligen Einrichtungen betreut werden, gab er nicht an. „Da die Maßnahmen bereits vor Weihnachten angekündigt waren und bis zum 10. Januar galten, haben in der vergangenen Woche aber noch viele Eltern eine häusliche Betreuung ermöglicht. Mit den nunmehr verlängerten Maßnahmen des eingeschränkten Betriebs müssen die Bedarfe jetzt neu abgestimmt werden“, sagt der Awo-Sprecher.

Einige Eltern seien durchaus unsicher oder gar unzufrieden, weil die Situation insbesondere für Berufstätige eine große Herausforderung sei. „Bei einigen Eltern wird es Betreuungsengpässe geben, weil es ja jetzt schon bereits über einen längeren Zeitraum Pandemie begründete Einschränkungen gibt“, befürchtet Kuster. Die Planungen für die kommende Woche liefen in den Kitas jedoch auf Hochtouren, um bestmögliche Bedingungen für alle Beteiligten zu schaffen.

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