Bergkamener Einkommen weit unter NRW-Schnitt

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Bergkamen – Die Bergkamener verdienen zwar mehr Geld, belegen aber NRW-weit einen der hintersten Plätze im Ranking aller Städte und Gemeinden, was das zu versteuernde Durchschnittseinkommen angeht. Mit einem Mittelwert von 32 424 Euro verteilt auf alle 21 563 Steuerpflichtigen ist die Stadt nur auf Rang 389 der 396 Kommunen in Nordrhein-Westfalen.

Das geht aus der Lohn- und Einkommensstatistik von IT NRW hervor. Die Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen, dass es immer mehr Menschen mit Spitzeneinkommen gibt, aber auch weniger, die unter 25 000 Euro verdienen.

Die Daten gehen auf das Jahr 2016 zurück. Denn gegen eine Steuererklärung könne Widerspruch eingelegt oder geklagt werden, erklärt eine Sprecherin der Behörde, warum dies die aktuellsten Zahlen seien: „Erst wenn alle Prozesse geschlossen sind, werden die Daten veröffentlicht.“

Der Durchschnitt

Auch wenn die Einkommen in Bergkamen im Vergleich zum Landesschnitt gering sind, hat es seit 2012 auch hier einen Anstieg gegeben. Damals hatte der Schnitt bei 29 063 Euro gelegen, damit sind es 2016 immerhin rund 11,6 Prozent mehr. Gegenüber 2015 (31 371 Euro) stieg das steuerpflichtige Einkommen um etwa 3,3 Prozent. Die Inflationsrate im gleichen Zeitraum lag bei etwa 0,5 Prozent.

Dennoch hinkt Bergkamen mit seinen 32 424 Euro pro Steuerpflichtigen dem Landesschnitt um einiges hinterher. Der liegt nämlich bei 39 688 Euro. Am wenigsten Einkommen haben die Menschen in Duisburg mit 30 521 Euro. Am anderen Ende der Skala findet sich Meerbusch mit weitem Vorsprung auf den Zweiten mit 65 978 Euro. Dort im Rhein-Kreis Neuss, unter anderem Wohnsitz von Franjo und Verona Pooth, leben laut einer anderen Erhebung des Statistischen Landesamtes auch die meisten Einkommensmillionäre in NRW mit 16,9 auf 10 000 Einwohner – ebenfalls ein großer Abstand zum Zweiten.

Das durchschnittliche Einkommen steigt sowohl in Bergkamen als auch in NRW. Dem Landesmittel hinkt die Stadt allerdings deutlich hinterher. Auch die Anteil der Reichen hat in Bergkamen zugenommen.

Einkommensmillionäre

Ob es in Bergkamen Millionäre gibt, ist dagegen unklar. 2015 zählte IT NRW noch drei Menschen mit einem mindestens siebenstelligen zu versteuernden Jahreseinkommen. Für 2016 wird die Zahl jedoch nicht mehr ausgewiesen. Das liegt daran, dass es entweder in der Kategorie 500 000 bis eine Million Euro oder in der über eine Million Euro nur ein oder zwei Steuerpflichtige gibt. Um für eine Anonymisierung zu sorgen, würden die Daten nicht veröffentlicht, erklärte ein Pressesprecher der Behörde auf Nachfrage. Somit lässt sich also anhand der Differenz zur Gesamtzahl nur sagen, dass insgesamt sieben Steuerpflichtige mehr als 500 000 Euro versteuern müssen. Der WA hatte vor ein paar Tagen berichtet, dass es in der Stadt keine Einkommensmillionäre mehr gebe, war daher etwas vorschnell.

Das reichste Septett hatte zusammen 8,5 Millionen Euro an zu versteuerndem Einkommen und zahlte 2,9 Millionen Euro an Lohn- und Einkommensteuer. Das macht einen durchschnittlichen Steuersatz von 33,9 Prozent. Bei den Einkünften kann es sich also nicht allein um Löhne und Gehälter handeln, da für diese ein Höchststeuersatz von 45 Prozent gilt. Ein Teil der Einkünfte dürfte also aus Kapitalgeschäften, Immobilien und Ähnlichem stammen. Dazu gibt es aber keine Auskunft von IT NRW.

Einkommensverteilung

Gestiegen ist in Bergkamen die Zahl der hohen Einkommen. Die 376 Steuerpflichtigen mit einem Verdienst von mehr als 125 000 Euro machen nun 1,74 Prozent aus (2012: 1,23). Diese Gruppe verbuchte 2016 elf Prozent der Einkünfte und zahlte 22,3 Prozent der Lohn- und Einkommenssteuern (2012: 8,7 und 17,7 Prozent).

Ebenfalls zugenommen hat der Anteil der Menschen, die 50 000 bis 125 000 Euro verdient haben: von 14,4 Prozent auf 17,4. Ihr Anteil am zu versteuernden Einkommen stieg auf 38,2 Prozent im Vergleich zu 35,9 in 2012, bei den Steuern blieb ihre Quote mit 45,9 Prozent jedoch unverändert. Ihr Einkommen erhöhte sich in der Zeit im Schnitt um rund 800 Euro.

Nahezu die Hälfte der steuerpflichtigen Bergkamener muss weniger als 25 000 Euro im Jahr versteuern, exakt 49,9 Prozent, beziehungsweise 10 755 Haushalte. Die Größe dieser Gruppe ist allerdings gesunken, lag 2012 nämlich noch bei 54,1 Prozent. 2016 erwirtschafteten diese Menschen 16,5 Prozent des Gesamteinkommens und zahlten 5,1 Prozent der Steuern. Die IT-NRW-Statistik führt auch 887 Steuerpflichtige ohne Einkommen auf.

Zahlenbasis

Insgesamt erzielten die 21563 steuerpflichtigen Bergkamener, das sind 900 mehr als 2012, 699 Millionen Euro und zahlten 98 Millionen Euro Steuern. Als ein Steuerpflichtiger gelten in dieser Statistik auch zusammen veranlagte Ehegatten. Der durchschnittliche Steuersatz lag bei 14,1 Prozent.

Bei den Einkünften handelt es sich um das gesamte zu versteuernde Einkommen wie Löhne, Mieteinnahmen und Zinsen. Absetzbare Ausgaben wie etwa Kosten für Kinderbetreuung, Arbeitszimmer und Handwerker sind bereits abgezogen.

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