Feuerwehr hilft in Fröndenberg

Bergkamener Einsatzkräfte kämpfen an der Ruhr gegen Wassermassen

Bergkamener Feuerwehr unterstützt Rettungskräfte in Fröndenberg nach Unwetter
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Mit acht Einsatzfahrzeugen plus Logistkfahrzeugen aus dem gesamten Stadtgebiet rückten die Bergkamener nach Fröndenberg aus

Sprichwörtlich nass bis auf die Knochen, durchgefroren und müde kehrten die 43 Retter der Feuerwehr Bergkamen am Montagmorgen nach Hause zurück. Fast neun Stunden lang hatten sie in der Nacht in Fröndenberg gegen die Wassermassen gekämpft. Dann wurden sie von ihren Kollegen aus Werl und Halver abgelöst.

Bergkamen/Fröndenberg - Der Spitzenwert lag am Sonntag im Fröndenberger Ortsteil Hohenheide bei 54,5 Liter pro Stunde, an einer Wetterstation im Ort wurden fast über 120 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. Die Stadt wurde vom Starkregen regelrecht geflutet.

Zwar kämpften die örtlichen Rettungskräfte nach Leibeskräften dagegen an, doch war irgendwann abzusehen, dass sie es alleine nicht mehr schaffen.

Die Rettungsleitstelle des Kreises zählte zwischen Sonntagmittag und Montagmorgen rund 320 Einsätze in Fröndenberg. Landrat Mario Löhr rief in der Nacht eine Großeinsatzlage aus, Feuerwehreinheiten aus dem gesamten Kreis Unna, Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) rückten an. „Von uns sind aus jeder Einheit fünf bis acht Leute gefahren, sodass die Feuerwehr in Bergkamen selbst weiterhin einsatzbereit war“, berichtet der Sprecher der Bergkamener Feuerwehr, Patrick Gundlach.

Damm droht zu brechen

In der eigenen Stadt habe es am Sonntag „nur“ 14, unwetterbedingte Einsätze gegeben. Die seien jedoch am Nachmittag bereits abgeschlossen gewesen. Gundlach selbst fuhr mit einem der acht Feuerwehrfahrzeuge aus dem gesamten Stadtgebiet gegen 0.40 Uhr an die Ruhr. Ergänzt wurde die Flotte durch je ein Logistikfahrzeug pro Einheit.

Vor Ort bot sich den Bergkamenern ein Katastrophenszenario: Das Wasser strömte in reißenden Flüssen auf Straßen, Wege und Plätze. Keller und Gullys liefen voll, an einem Regenrückhaltebecken drohte der Damm zu brechen. Im Verlauf des Montags musste der Ortsteil Westick geräumt werden, da der Dammbruch nicht mehr auszuschließen war. Auch ein Senioren- und Pflegeheim musste evakuiert werden.

Die angereisten Helfer hatten alle Hände voll zu tun – angefangen beim Ausleuchten von Einsatzstellen über das Klingeln an Haustüren, um die Bewohner vor dem drohenden Dammbruch zu warnen, bis hin zum Auspumpen der vielen Keller, in denen das Wasser stand, wie Patrick Gundlach beschreibt.

Vier Stunden waren die ehrenamtlichen Feuerwehrleute allein auf einem Firmengelände damit beschäftigt, zu verhindern, dass die Wassermassen dort in ein Gebäude eindringen. „Wir haben gepumpt wie die Weltmeister“, so der Sprecher. Vier Mitglieder der hiesigen Wehr unterstützten den Leitungsstab bei der Koordination der Kräfte. „Eine Einheit hat außerdem eine Feuerwache besetzt, um den Grundschutz aufrecht zu erhalten. Schließlich muss die Feuerwehr weiter einsatzbereit sein, wenn es irgendwo brennt.“

Weitere Feuerwehren aus der Region angefordert

Die hiesigen Lebensretter kämpften so stundenlang Seite an Seite mit ihren Kameraden von den anderen Feuerwehren und denen des THWs gegen die Fluten. Das DRK versorgte die Einsatzkräfte mit Essen und Getränken. Erst als die Kollegen aus dem Kreis Soest und dem Sauerland am Vormittag eintrafen, um zu übernehmen, machten sich die Bergkamener auf den Rückweg. Gegen kurz vor 10 Uhr trafen sie in den Gerätehäusern in Overberge, Rünthe, Mitte, Weddinghofen, Oberaden und Heil ein.

Wer Glück hatte, konnte sich anschließend ins Bett legen, um ein paar Stunden Schlaf nachzuholen, andere musste sich hingegen um ihre kleinen Kinder kümmern oder zur Arbeit fahren. „So ist das nun mal, wenn man bei der Feuerwehr ist“, sagte Patrick Gundlach. Das Helfen hat höchste Priorität.

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