Beherbergungsverbot für Urlaub aus dem Risiko-Kreis Unna:

Wer sich in Bergkamen auf Corona testen lassen möchte, braucht Geduld

Der Abstrich selbst ist schnell erledigt. Einen Arzt zu finden, der testet, dagegen schwieriger.
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Der Abstrich selbst ist schnell erledigt. Einen Arzt zu finden, der testet, dagegen schwieriger.

Bergkamen/Kreis Unna – Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat den Kreis Unna als Corona-Risikogebiet ausgewiesen. Er hat die kritische Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern in sieben Tagen überschritten. Für Urlauber heißt das: Sie müssen vielerorts einen negativen Corona-Test vorlegen, um trotz des geltenden Beherbergungsverbots in der Ferienunterkunft unterzukommen. In Bergkamen ist es aber nicht immer einfach, an einen Test zu kommen.

Nicht jede Hausarztpraxis in der Stadt führt diese Tests durch. Der Hintergrund: „Freiwillige Corona-Tests wie die vor einer Urlaubsreise sind keine Kassen-, sondern eine Wunschleistung“, erklärt Heike Achtermann, Pressesprecherin bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL). „Die niedergelassenen Ärzte können diese Leistung anbieten, wenn sie das möchten. Sie sind aber nicht verpflichtet, das zu tun.“ Die erste Hürde müssen diejenigen, die einen negativen Corona-Test für ihren Urlaub brauchen, schon am Telefon nehmen: Die (eigene) Hausarztpraxis zu erreichen, ist zuweilen eine Herausforderung. Da erklingt das Besetztzeichen auch beim wiederholten Anruf. Da schallt eine freundliche Bandansage durch das Telefon, dass alle Mitarbeiter bereits im Gespräch sind. Da hört der Anrufer die nur wenig Hoffnung auf einen schnellen Termin machende Ansage, er belege Position Nummer sechs – oder höher – in der Warteschleife.

Die zweite Schwierigkeit ist, tatsächlich auch einen Termin zu bekommen. Die Testsets sind zwar in einigen Bergkamener Praxen vorhanden, die Kapazitäten aber begrenzt. Sinngemäß ist zu hören: „Wir wissen einfach nicht mehr, wo uns der Kopf steht.“

Ein weiterer Stolperstein: Die asymptomatischen Covid19-Tests – also die Tests für Personen ohne Krankheitssymptome – gibt es teils nur für die, die sowieso schon zum Patientenstamm der Mediziner gehören. Wessen eigener Hausarzt nicht zu denen gehört, die Reisewillige testen, schaut da schnell in die Röhre.

Gesundheitsamt testet nur einbestellte Kontaktpersonen

Wer da aufgibt und das Gesundheitsamt des Kreises Unna anruft, hat weiterhin kein Glück. Das Gesundheitsamt kann den Reisenden nämlich ebenfalls nicht weiterhelfen. Auch wenn es laut der hiesigen Kassenärztlicher Vereinigung eigentlich der richtige Ansprechpartner wäre.

Aber die kreiseigene Gesundheitsbehörde könne es einfach nicht leisten, Reisende – egal, ob sie in ihren Urlaub starten wollen oder daraus Zurückkehren – zu testen, so Kreissprecherin Constanze Rauert.

Zumal es auch gar kein öffentliches Testzentrum im Kreis Unna gebe. „Testzentren in diesem Sinne gibt es im Kreis Unna nicht“, so Rauert. Die Mitarbeiter in dem eingerichteten Zentrum hätten bisher und würden auch künftig nur die Personen testen, die das Gesundheitsamt zum Sars-Cov2-Test einbestellt hat. „Es ist also auch weiterhin so, dass für alle anderen die Hausärzte die ersten Ansprechpartner sein sollten“, so Constanze Rauert.

Land will Kosten übernehmen

Um herauszufinden, welcher Arzt einen solchen freiwilligen Test durchführt, kann Fleißarbeit notwendig sein. Und was Bergkamen angeht, ist auch das Dokument, das die KVWL im Internet veröffentlich hat, nicht hilfreich. Dort sind Praxen gelistet, die „grundsätzlich Testung auf Covid-19-Infektion per Nasen-/Rachenabstrich“ durchführen. Die Grundlage dieser Zusammenstellung sei aber zum einen die Frage gewesen, welche Ärzte bereit seien, Mitglieder des Personenkreises „Schulen – Kitas – Kinderpflegeeinrichtungen“ zu testen. Zum anderen findet sich kein einziger Bergkamener Mediziner auf dieser Liste.

Wer einen Testtermin bekommt, hört zunächst vielleicht noch, dass es sich um eine Privatleistung handelt. Auch die Kassenärztliche Vereinigung teilt mit, dass der Test keine Kassenleistung ist. Trotzdem sollen die Urlauber, die innerhalb Deutschlands verreisen, sich kostenlos testen lassen können. Das hat das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium angekündigt. „Die Laborkosten werden vom Gesundheitsfonds übernommen, das Land übernimmt die Abstrichkosten der Ärzte“, so ein Ministeriumssprecher. „Im Falle eines Auslandsurlaubs, für den ein Attest benötigt wird, muss der Reisende selbst zahlen.“

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