Aktionsbündnis Wohnen und Leben fordert Konsequenzen

Berkamener Rat soll sich mit der Überschwemmung beschäftigt und Lehren daraus ziehen

Der Aktionskreis Wohnen und Leben will, dass sich der Bergkamener Rat  mit der Überschwemmung beschäftigt und Lehren daraus zieht.
+
Vor rund 30 Teilnehmern in der Mensa der Regenbogenschule machte Karlheinz Röcher vom Aktionskreis Wohnen und Leben seinem Ärger Luft

Mit einer Bürgeranregung gemäß Paragraf 24 der Gemeindeordnung NRW in der September-Sitzung des Stadtrates will der „Aktionskreis Wohnen und Leben“ Politik und Verwaltung dazu bringen, sich mit den erheblichen Überschwemmungen Mitte Juli zu beschäftigen und Lehren daraus zu ziehen. Das hat der Vorsitzende Karlheinz Röcher gleich zur Eröffnung einer vom Aktionskreis organisierten Versammlung zu dem Thema angekündigt.

Bergkamen - Dabei ging Röcher vor etwa 30 Teilnehmern in der Mensa der Regenbogenschule mit der Stadt Bergkamen und der Ruhrkohle AG ins Gericht. Denn der Städtische Entwässerungsbetrieb Bergkamen (SEB) und die RAG hatten ihre Teilnahme abgesagt.

Der Lippeverband saß zwar auch nicht im Podium wie gewünscht, doch da ließ Röcher Milde walten. Der Verband hatte immerhin am Nachmittag die Besichtigung eines Pumpwerks für einen kleinen Kreis ermöglicht, er sah sich aber wegen der vielen Anfragen nicht in der Lage, jemanden in die Versammlung zu schicken. Einzig die Untere Wasserbehörde beim Kreis Unna saß in Gestalt von Marten Brodersen am Tisch.

Der Verein sieht sich brüskiert

Mit der RAG, ohnehin ein rotes Tuch für den Verein mit Wurzeln in der Auseinandersetzung um Bergschäden, zürnte der Vorsitzende eh: „Das war nicht anders zu erwarten.“ Aber auch mit der Verwaltung haderte Röcher, namentlich mit Bürgermeister Bernd Schäfer. Von ihm sieht sich der Verein offenbar brüskiert. „Eingeladen habe ich den Bürgermeister, abgesagt hat der Betriebsleiter des SEB“, schimpfte er.

Wasser auf seine Mühlen war, dass es tags zuvor in Lünen-Niederaden gelaufen war, wie es sich der Aktionskreis gewünscht hatte. Gleich hinter der Grenze des besonders arg betroffenen Bergkamener Ortsteils Oberaden war es dem SPD-Ortsverein gelungen, dass sich Lippeverband und Entwässerungsbetrieb den Bürger stellten.

„Es geht um eine öffentliche Informationsveranstaltung für die Bürger“, so Röcher. Die hätten ein Recht auf Antworten. Mit der Eingabe zur Ratssitzung will der Verein den öffentlichen Diskurs über Ursachen, mögliche Mängel oder Versäumnisse in der Entwässerung ebenso anstoßen wie den besseren Schutz davor. Stichwort: Versiegelung. Die Fraktionen müssen dann entscheiden, wie sie mit der Anregung umgehen wollen.

Dass der enorme Regenguss alle bisher gekannten Dimensionen sprengte, machte Marten Brodersen noch einmal deutlich. „Das habe ich mir selbst nicht vorstellen können“, bekannte der Fachmann und äußerte Verständnis für den Unmut der Betroffenen. Denn denen sei mit dem Verweis auf die höhere Gewalt nicht geholfen. Brodersen bestätigte Beiträge, in denen drastisch die Rede davon war, Oberaden sei „voll Scheiße gelaufen“, weil am Klärwerk in Lünen der Zufluss gedrosselt wurde, weil zu viel Wasser aus dem Oberadener Kanal zufloss. Die Pumpwerke des Lippeverbandes seien aber nachweislich alle unter Volllast gelaufen, so Brodersen, die kolportierten Abschaltungen seien aber Unsinn: „Dann saufen sie ja selber ab.“

Kreis übt Katastrophenschutz

Ein „Blackout“, also großräumiger andauernder Stromausfall, hätte unter diesen Umständen eine Katastrophe bedeutet, „die ich mir gar nicht ausmalen will“, antwortet der Fachmann auf diese Nachfrage.

In dem Wissen um diese Gefahr habe es schon eine Katastrophenschutzübung des Kreises mit eben diesem Szenario gegeben. Dass Brodersen es da bei Andeutungen beließ, sagte im Grunde genug. Dann wäre hier wirklich Land unter.

Der Experte skizzierte die Zusammenhänge der Vorflut in den Bächen, samt Ablauf über Seseke und Lippe und der Kanalisation. Bei dem Ausnahmeereignis mit bis zu 80 Litern pro Quadratmetern binnen zwei Stunden sei zu viel Oberflächenwasser ins System gelangt. Seit Langem werde daran gearbeitet, die Oberläufe der Vorfluten zu entkoppeln und Oberflächenwasser abzuleiten. Aber Genehmigung und Grunderwerb zögen sich über Jahre.

„Was aber geschieht da, wo kein Platz für Stauraum ist?“, fragte einer, der in der Dille zu den vergleichbar wenigen Hochwassergeschädigten in Rünthe zählt. „Gibt es im Rathaus jetzt eine Taskforce?“, wollte ein anderer wissen. Weil: „Die müssten doch eigentlich nicht anderes mehr machen, als sich um diese Probleme zu kümmern.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare