Imker Werner Löbbe

Winter im Bienenstock - Das machen Bienen in der kalten Jahreszeit

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Der Bergkamener Werner Löbbe ist Imker aus Leidenschaft. In einer Hütte neben der Martin-Luther-Kirche in Oberaden befinden sich fünf seiner Bienenvölker.

Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Bienen sind für Natur und Umwelt unentbehrlich. Im Frühling und Sommer sehen wir die fleißigen Tierchen überall herumschwirren. Doch wo stecken die Bienen eigentlich im Winter und was machen die Imker in dieser Zeit?

Bergkamen – Werner Löbbe ist seit drei Jahren Imker aus Leidenschaft. Entdeckt hat er die Faszination Bienen durch einen Kollegen. „Ich bin jetzt seit drei Jahren zu Hause und Rentner. Dann ist mir irgendwann die Decke auf den Kopf gefallen. Ich habe mir das dann mal bei einem Kollegen angeguckt und gesagt, das will ich auch machen“, erzählt der 63-Jährige. Über den Imkerverein in Bergkamen-Wiescherhöfen sei er zu Völkern gekommen.

Fünf seiner Bienenvölker befinden sich derzeit in einer Hütte neben der Martin-Luther-Kirche in Oberaden. Drei weitere hat er im Garten von Pfarrer Reinhard Chudaska stehen. Regelmäßig schaut Löbbe dort nach dem Rechten. Der Winter kann nämlich nicht nur für uns Menschen hart sein, auch für die Insekten ist diese Zeit nicht einfach.

Damit die Bienen die kalte Jahreszeit gut überstehen, bedarf es seitens des Imkers einer guten Vorbereitung. Schon im August schleudern Imker den letzten Honig des Jahres, erzählt Werner Löbbe, dann fange die Zeit der Auffütterung an. „Der Imker hat den Bienen ja den Wintervorrat genommen, weil er den Honig abgeschleudert hat, den die Bienen ja eigentlich eingelagert haben, um über den Winter zu kommen“, erklärt Löbbe.

Die Arbeit der Bienen ist wertvoll und unentbehrlich für Natur und Umwelt.

Das Volk muss also wieder aufgefüttert werden. „Das wird entweder mit einer Zuckerlösung gemacht oder mit Invertzucker. Den lagern die Bienen ein, genau wie Honig.“ Sind im Sommer rund 50 000 Bienen im Stock, sind es im Winter nur noch etwa 5000 bis 8000. „Die Bienen bilden eine Brutwabe, in der Mitte sitzt die Königin und die wird gewärmt, denn die Bienen brauchen Wärme um zu fliegen und zu leben“, beschreibt der Bergkamener.

Die Wärme wird durch Flügelschläge erzeugt. Im Sommer entstehen so Temperaturen im Stock um die 36 Grad Celsius. Diese Methode behalten die Bienen auch im Winter bei. „Ein Volk frisst locker 14 Kilogramm Zucker. Diesen wandeln die Bienen in ihren Honigdrüsen zu Honig um, lagern ihn ein und verschließen die Waben wieder.“

Der Feind des Imkers

Es könnte also alles so schön sein, wäre da nicht der „Feind des Imkers“, wie Werner Löbbe die Varroamilbe beschreibt. Dabei handelt es sich um eine kleine, rote Milbe, die sich auf den Bienen absetzt, sie ansticht und aussaugt. Die Folge sind beispielsweise missgebildete Bienen.

„Nach dem Honigschleudern fängt deshalb im September die Behandlung mit Ameisensäure an, es kommt ein Verdunster in den Stock. Durch diese Behandlung stirbt die Varroamilbe ab“, erklärt Löbbe. Auf diese Weise könnten bis zu 90 Prozent der lästigen Parasiten abgetötet werden. Im Dezember gibt es dann noch einmal eine Behandlung mit Oxalsäure. „Das ist eine Träufelbehandlung mit einer Zuckerlösung. Der Stock wird geöffnet und die Oxalsäure wird hinein geträufelt“, erklärt der Rentner. Da die Varroamilben empfindlich gegen die saure Umgebung sind, wirkt die Oxalsäure bei direktem Kontakt auf die Plagegeister.

Reinigungsflug der Bienen

Ist der Winter überstanden und es wird langsam wärmer, schwärmen die Bienen wieder aus. „Wenn es das erste Mal mehrere Tage über 16 Grad ist, dann beginnt der Reinigungsflug der Bienen. „Die Bienen haben jetzt den ganzen Winter ihren Honig oder Zucker gefressen, den wir ihnen gegeben haben. Das sitzt jetzt alles im Darm drin und das lassen die natürlich dann raus“, erklärt Löbbe. Für die Bienen beginnt jetzt wieder ihre Zeit im Freien und das Bestäuben geht wieder los.

Um auch anderen Menschen zu zeigen, wie wertvoll die Arbeit der Bienen ist, hält Werner Löbbe Vorträge, unter anderem in Schulen. „Am meisten interessiert die Leute, was die Biene produziert“, berichtet der Imker aus Erfahrung. Und da ist neben Honig so einiges zu nennen, beispielsweise Wachs. Das wird unter anderem in der Möbel- oder Schönheitsindustrie verwendet.

„Die Biene produziert auch das sogenannte Propolis, eines der stärksten Naturantibiotika, die es gibt. Man kann es zum Beispiel auf Schnittwunden auftragen oder einnehmen, wenn man Husten hat“, erklärt der Bienenfreund. Auch Bienengift hat eine Funktion, wie Löbbe sagt. „Das Gift ist gut gegen Rheuma, wenn man sich damit einreibt. Es gibt zum Beispiel Sportsalben mit Bienengift.“

Schutz der Bienen

Für den Imker aus Leidenschaft ist aber der Honig besonders wichtig. „Bisher habe ich hier nur ein Mal Honig gemacht, das war vergangenes Jahr“, erzählt Löbbe stolz. Das nächste Mal wird er Ende Mai wieder Honig von den Bienen bekommen. „Geld verdienen kann man mit der Imkerei nicht“, sagt der Rentner. Aber das sei ihm ohnehin nicht wichtig, es gehe ihm viel mehr um den Schutz der Bienen. „Es sind Lebewesen, die man betreuen, die man auch beschützen muss. Man muss den Völkern ein vernünftiges Zuhause geben.“

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