Förderverein steht parat / Symposium geplant

Erste Skizzen: Bergkamen geht Nachbau des Nordtors im ehemaligen Römerlager an

Fördervereinsvorsitzender Roland Schäfer (l.) und Museumsleiter Mark Schrader erläutern das Vorhaben, das im hinteren Bereich des Römerparks realisiert werden soll.
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Fördervereinsvorsitzender Roland Schäfer (l.) und Museumsleiter Mark Schrader erläutern das Vorhaben, das im hinteren Bereich des Römerparks realisiert werden soll.

Die Rekonstruktion des Nordtors im Römerpark ist langgehegter Wunsch des Stadtmuseums und seiner Förderer. Nun gibt es erste Skizzen und einen konkreten Fahrplan für den Bau.

Bergkamen - Noch in diesem Jahr soll es ein wissenschaftliches Kolloquium als Auftakt geben und ab dem nächsten verstärkt Spendengelder akquiriert. Kämmerer und Kulturdezernent Marc Alexander Ulrich hat angekündigt, in den Doppelhaushalt 2022/23 erste städtische Mittel zur Realisierung des Vorhabens einzustellen. Zurzeit wird mit insgesamt rund 500 000 Euro an Baukosten kalkuliert.

Schöpfer der Holz-Erde-Mauer gestorben

Das Projekt war zuletzt ein wenig ins Stocken geraten. Als Gründe nennt Museumsleiter Mark Schrader die Corona-Pandemie, die gemeinsame Planungstreffen erschwert bis unmöglich gemacht habe, sowie Krankheit und Tod des niederländischen Architekten und Archäologen Dr. Kees Peterse. Dieser hatte bereits die Holz-Erde-Mauer im Römerpark verantwortet, die 2012 eingeweiht wurde. Mit deren Erweiterung samt Errichtung des Nordtors hatte sich Peterse auch noch beschäftigt, bis er im Februar vergangenen Jahres starb. Laut Schrader übernimmt dessen Bruder Jules Peterse nun die Bauplanung. Er ist der Geschäftsführer der Pansa BV in Nijmegen, die sich auf die Rekonstruktion römischer Architektur spezialisiert hat. Auch einige einst mit Dr. Kees Peterse befreundete Architekten seien in die Planungen einbezogen.

Einst ein Heerlager für 20.000 Menschen

Mit dem Bau des Nordtors will das Museum die römische Vergangenheit Bergkamens lebendig halten und die Stadt touristisch noch interessanter machen. In Oberaden stand zwischen den Jahren 11 und 7 v. Chr. das vermutlich größte römische Militärlager nördlich der Alpen. Es war 56 Hektar groß, mehr als 20.000 Menschen, vorwiegend Soldaten, lebten hier – zeitweise womöglich auch Drusus, der sich als Heerführer gegen die Germanen einen Namen machte.

Werk soll „echt“ und nicht perfekt sein

Die frühere Anlage hatte vier Tore, eines in jede Himmelsrichtung. Das Nordtor soll möglichst originalgetreu rekonstruiert werden. „Es geht uns nicht um ein Idealbild, sondern um einen wirklich realistischen Nachbau“, unterstreicht Schrader. Zu dieser Realität gehöre etwa, dass bei der damaligen Errichtung der Schutzmauern auch Fehler passiert seien. „Die Römer fingen ja mit vielen Trupps gleichzeitig an zu bauen und diese arbeiteten dann aufeinander zu“, erläutert Schrader. Da habe das eine Ende nicht unbedingt immer zum anderen gepasst. Heute würde man sagen: „Pfusch am Bau“.

Ein Zangentor - mehr weiß man nicht

Zum Nordtor allerdings gibt es weit weniger Erkenntnisse als zur 33 Meter langen Holz-Erde-Mauer. Dieses Teilstück war dereinst nach vorne umgefallen und hatte dementsprechend Spuren im Erdreich hinterlassen, die die Archäologen auswerten konnten. Höhe, Beschaffenheit, Materialien – all das konnte ermittelt werden. Vom Nordtor weiß man zumindest, dass es sich um eine sogenannte Zangentoranlage gehandelt hat. Dabei ist der eigentliche Einlass nach hinten versetzt, sodass es zwischen den nach innen schwenkenden Außenmauern tief eingebettet war. Mögliche Angreifer konnten so beidseitig aus der Höhe bekämpft werden.

Experten sollen Skizze zum Plan machen

Das geplante Kolloquium soll der wissenschaftlichen Begleitung des Bauprojekts dienen sowie offene Fragen etwa zur Vorgehensweise beim Bau klären. Dazu will Schrader – wenn wieder möglich – unter anderem die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe einladen und Experten unter anderem der Universitäten Köln und München. „Nächster Schritt wäre es, die heutige Skizze in einen konkreteren Bauplan zu überführen“, sagt der Museumsleiter.

Kosten aktuell schwer zu schätzen

Erst dann ließen sich auch die Kosten für das Bauwerk genauer abschätzen. „Es gibt zwei große Unbekannte: der Preis für Eichenholz, der in der Regel stark schwankt, und die Frage, wie hoch der Aufwand für die Statik wird“, sagt Schrader. Wie die Holz-Erde-Mauer, so soll auch das Nordtor für die Besucher begehbar sein. Zum Bau des Militärlagers selbst seien einst rund 16.000 Eichen nötig gewesen, heißt es.

Förderverein will Ärmel hochkrempeln

Die öffentliche Vorstellung des Projekts etwa Ende 2021 ist Startschuss für den Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums, aktiv zu werden. Er unterstützt den Torbau finanziell und personell. Die mehr als 150 Mitglieder sammeln unter ihrem neuen Vorsitzenden Roland Schäfer schon jetzt Spenden ein, wollen dann aber auch mit größeren Aktionen aufwarten. Ex-Bürgermeister Schäfer hatte Ende 2020 den Vereinsvorsitz von Dr. Jens Herold übernommen.

Vorsitzender Schäfer ist zuversichtlich

„Die Bereitschaft, für die Entwicklung des Römerparks zu spenden, ist groß“, sagt Schäfer. Das habe sich schon beim Bau der Holz-Erde-Mauer gezeigt, die am Ende rund 250.000 Euro gekostet hat. Unterstützung sei auch von Institutionen, Vereinen und den Römer-Gruppen aus dem In- und Ausland zu erwarten, die sich vor der Corona-Pandemie regelmäßig in Oberaden getroffen haben und demnächst sicher wieder anreisen würden. „Natürlich packen unsere Mitglieder beim Bau auch selbst mit an, um die Kosten zu senken“, verdeutlicht Schäfer.

Die Römer und die Kumpel wichtigste Ahnen

„Bergbau und Römerzeit – dafür steht Bergkamen“, sagt Schäfer. Beides müsse im Museum seinen Platz finden – und zwar so, dass es gerade für Heranwachsende zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit der Geschichte komme. Schrader berichtet, dass die Kooperation mit dem LWL-Römermuseum Haltern ausgebaut werden soll, mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung an den Standorten. „Wir blicken mehr auf die experimentelle Archäologie und zeigen das Leben einfacher Legionäre und Handwerker auf, in Haltern steht zum Beispiel die Präsentation der römischen Verwaltung im Vordergrund.“

Sechs Jahre dauerte die Realisierung der Holz-Erde-Mauer von den ersten Plänen bis zu Fertigstellung. Noch fünf Jahre gehen grob geschätzt ins Land, bis das Nordtor steht. Der Lückenschluss zwischen Tor und bestehendem Bauwerk soll zu einem späteren Zeitpunkt vollzogen werden – und zwar so, dass auch der Bauprozess der Mauer sichtbar wird. „Den Bereich werden wir später für Besucher sperren müssen“, sagt Schrader.

Immerhin: Baustraße schon in Arbeit

In Vorbereitung auf den Mauerbau ist schon mit der Einrichtung einer Baustraße begonnen worden. Auch das Thema Drainage muss durchdacht werden. Bei lang anhaltendem Regen steht der Baubereich wegen des Mergelbodens schnell unter Wasser. Auf der anderen Seite trocknet das Erdreich stark aus, wenn sich im Sommer durch Sonneneinstrahlung größere Risse darin bilden.

Bergkamen soll von sich reden machen

Mit dem Nordtor erreiche der archäologische Park in Bergkamen „eine nächste Qualitätsstufe“, meinte Dezernent Ulrich jüngst im Kulturausschuss. Dessen Vorsitzender Thomas Heinzel erzählte, er habe einen Bericht über die Römer verfolgt, bei dem Köln, Xanten, Haltern und Detmold erwähnt worden seien. Irgendwann müsse bei so einem Beitrag wie selbstverständlich auch der Name Bergkamen fallen.

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