Standort in Bergkamen nicht bedroht

Wie gehts weiter mit "Schnückel"? Turmarkaden-Neubau soll kommen

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Nicht nur durch die Fußgängerzone kommt man zu Schnückel: Der zusätzliche Eingang über die Supermarkt-Parkplätze führt durch einen Rewe ins Kaufhaus.

In Werdohl schließt das bedeutendste Kaufhaus – das hat keine Bedeutung für Bergkamen, oder? Doch das WK Warenhaus gehört teilweise Silke Krischer-Schnückel, die auch die beiden Schnückel-Kaufhäuser in Unna und Bergkamen führt. Hat das Konzept Warenhaus noch Zukunft?

Bergkamen/Werdohl - Es war ein Schock und ein schwerer Schlag für die gesamte Stadt Werdohl als am Mittwochabend bekannt wurde, dass das WK Warenhaus im Juni schließt. Mitten in der Innenstadt gelegen, gilt das große Kaufhaus als Anker für den Einzelhandel der sauerländischen Industriestadt

Das WK Warenhaus hat drei Gesellschafter, öffentlich in Erscheinung trat Silke Krischer-Schnückel. Ihr gehören auch die Kaufhäuser Schnückel in Bergkamen und Unna. „Auf Bergkamen und Unna hat die Schließung überhaupt keine Auswirkungen“, sagte Krischer-Schnückel. Die beiden Standorte im Kreis Unna seien erfolgreich. 

Krischer-Schnückel erklärt dies durch „Standortfaktoren, auf die wir keinen Einfluss haben“. Das Kaufhaus in Bergkamen liegt am Nordberg zwischen Fußgängerzone und Supermarkt-Ansiedlung. Bergkamen-Mitte ist dennoch kein einfacher Standort, wie auch der jahrelange „Turmarkaden“-Leerstand zeigt. Die Umgebung ist gerade in der Fußgängerzone wenig ansprechend. 

Geringe Kaufkraft in Bergkamen-Mitte

Viele Leerstände, die etwas in die Jahre gekommenen Bauten der Siebziger und viele Billigläden prägen das Stadtbild. Die Kaufkraft ist gering. Einkaufen ist relativ schwierig in der Mitte, das kritisierte schon die Analyse zum Integrierten Handlungskonzept „Bergkamen mittendrin“.

Dort heißt es, die Grundversorgung sei zwar gedeckt, mehr jedoch – besonders im Rathausviertel durch den Leerstand der Turmarkaden – nicht. Das alte, leer stehende Einkaufszentrum würde auch die Attraktivität der Gegend schmälern, meinte Carsten Schäfer vom Planungsbüro Stadtbüro Dortmund. Das Planungsbüro hatte die betreffenden Gebiete untersucht, Statistiken analysiert und Anwohner, Vereine und andere wichtige Akteure der Mitte befragt und im Sommer vergangenen Jahres der Bergkamener Politik präsentiert. 

Konkurrenz erhebt sich aus dem Bauschutt: Der geplante Arkaden-Neubau könnte die Situation in Bergkamen-Mitte stark verändern.

Interra will Turmarkaden auf jeden Fall bauen

Die Turmarkaden sind mittlerweile Geschichte. Doch gerade der geplante Neubau macht Silke Krischer-Schnückel Sorgen. „Das macht mir schon ein bisschen Bauchschmerzen“, sagt sie. Der Neubau könnte die Standortfaktoren deutlich verändern. Und dass das neue Einkaufszentrum kommen wird, daran lässt Alexander Dold, Vorstand von Interra Immobilien, der Gesellschaft die den Turmarkaden-Abriss und -Neubau verantwortet. „The Point of no Return ist längst erreicht“, sagt Dold. 

Turmarkaden-Abriss in Bergkamen

Rückzug nach Abriss ist also ausgeschlossen, da bereits zuviel Geld im Projekt stecken würde. Man wolle kein Standard-Center dort aufbauen, sondern etwas, dass in zehn Jahren noch funktioniere. Dazu zähle auch die Einbindung von regionalen Ideen. 

Die Stadtmitte werde durch den Neubau optisch deutlich nach vorne gebracht werden, verspricht Dold. Interra wolle einen zentralen Anlaufpunkt schaffen. „Das Letzte, was wir tun werden, ist dieses Projekt nicht zu realisieren“, sagt der 44-Jährige. 

Bei Schnückel gibt es Mode mit etwas von allem

Schon seit 63 Jahren existiert Schnückel in Bergkamen, wandelte sich von einem kleinen Laden, zu einem großen Kaufhaus, das im klassischen Sinne von allem etwas anbietet, wie Mode für Männer und Frauen, Handtaschen, Strümpfe, Schreibwaren, Schmuck und Schuhe. Die Marken sind durchmischt, aber durchaus hochwertiger. In Unna befindet sich Schnückel ebenfalls direkt in der Innenstadt. Das WK Warenhaus wurde Mitte der 70er Jahre aufgebaut, an einem der zentralsten Plätze in Werdohl. Hier findet auch regelmäßig der Wochenmarkt statt. 

Das WK Warenhaus am Brüninghaus-Platz in Werdohl am späten Mittwochabend: Drinnen erfuhren die etwa 100 Verkäuferinnen, dass das Geschäft Ende Juni für immer schließen wird.

44 Jahre lang hat sich das WK Warenhaus in Werdohl den immer neuen Umständen angepasst. Es wuchs, erweiterte die Öffnungszeiten, passte das Angebot an die Zielgruppe und auch die Konkurrenzsituation an. Nun wird die Ära im Juni enden. Die Gesellschafter sehen keine Chance, das Warenhaus weiter wirtschaftlich führen zu können. 

Nordberg und Supermärkte sorgen für viele Kunden

„Freud und Leid liegen immer wieder dicht beieinander“, sagt Krischer-Schnückel. Den Erfolg des Bergkamener Schnückel erklärt sie auch mit der rückwärtigen Bebauung. Durch die weiteren Eingänge ist ein Zugang von den Supermarktparkplätzen jederzeit möglich. Es gebe viel Laufkundschaft, die nicht auf die klassische Fußgängerzone angewiesen ist. Auch die umgebende Konkurrenz sowohl in Unna, wie auch in Bergkamen und Werdohl hatte ihr eigentlich keine Angst gemacht. „Konkurrenz muss man sich stellen“, erklärt sie. 

Die Frage nach dem erfolgreichen Überleben, sie hängt von vielen Faktoren ab. „Es ist ein Gesamtpaket.“ In allen Geschäften habe sie ein super Team aus Mitarbeitern. In Werdohl werden rund 100 Menschen ihren Job verlieren. Die Gesellschaft des WK Warenhauses habe nichts unversucht gelassen, um den Standort zu erhalten. Noch ist unsicher, wie es mit der Immobilie weitergehen soll.

Doch das Geschäftsmodell „Kaufhaus“ habe keine Perspektive mehr und sei deshalb in den vergangenen drei Jahren ausgiebig geprüft worden. 

Für die Stadt Werdohl ist die Schließung ein kaum zu verkraftender Schlag. Es bleibt zu hoffen, dass diese Entwicklung nicht für den Kreis Unna gilt.

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