Einstimmiges Votum im Ausschuss

„Toten Gaul nicht weiter reiten“: Bergkamen verabschiedet sich von Gewerbegebiet

Mit diesem Schild protestiert der „Aktionskreis Wohnen und Leben“ gegen ein neues Gewerbegebiet südlich des Gewerbeparks Rünthe. Jetzt werden die Pläne ad acta gelegt, ein Ankauf der Fläche war gescheitert.
+
Mit diesem Schild protestiert der „Aktionskreis Wohnen und Leben“ gegen ein neues Gewerbegebiet südlich des Gewerbeparks Rünthe. Jetzt werden die Pläne ad acta gelegt, ein Ankauf der Fläche ist gescheitert.

Der „Aktionskreis Wohnen und Leben in Bergkamen“ kann sein Protestschild gegen die Ausweisung eines Gewerbegebiets zwischen Rünthe und Overberge getrost wieder abmontieren. Der Stadtentwicklungsausschuss hat sich am Dienstag einstimmig darauf verständigt, das Gebiet nun doch nicht für solche Zwecke zu entwickeln.

Rünthe – Anlass dazu bot die Tatsache, dass der Eigentümer eines Großteils der insgesamt elf Hektar großen Fläche sein Land gar nicht verkaufen will.

Die Entscheidung ging auf einen Antrag der CDU-Fraktion zurück und dürfte abschließend im Stadtrat nicht anders ausfallen als am Dienstag. „Man sollte einen toten Gaul nicht weiterreiten“, begründete CDU-Fraktionschef Thomas Heinzel den Vorschlag seiner Partei, sich von den Ende 2018 eingestielten Plänen zu verabschieden. Formal muss dazu nur das laufende Änderungsverfahren für die Regionalplanung gestoppt werden.

Gewerbeflächenbedarf von 14,8 Hektar

2018 hatte sich die Stadtverwaltung auf Bitten der Politik auf die Suche nach neuen Gewerbeflächen begeben – und war im Stadtteil Overberge südlich des Gewerbeparks Rünthe fündig geworden. Der kommunale Brutto-Gewerbeflächenbedarf lag damals bei 11,4 Hektar. Nach aktuellen Berechnungen ist er bereits auf 14,8 Hektar angewachsen.

Dr. Hans-Joachim Peters, Erster Beigeordneter der Stadt, erläuterte im Ausschuss, dass grundsätzlich alle Eigentümer der ins Auge gefassten Fläche westlich der Industriestraße kooperationsbereit waren. Besagter Haupteigentümer allerdings hätte sich allenfalls von seinem Areal getrennt, wenn er ein adäquates Tausch-Grundstück in der Nähe erhalten hätte. Ein solches habe man aber nicht ausfindig machen können, verdeutlichte Peters. Man befinde sich beim erhofften Flächenankauf in einer Sackgasse, das Problem ließe sich nicht lösen.

„Arbeitsplätze ja, aber nicht auf Biegen und Brechen“

„Wir hätten hier gerne ein Gewerbegebiet gesehen“, sagte Ratsherr Dieter Mittmann für die SPD. Es mache ihn nahezu „fassungslos und ärgerlich“, dass es nicht gelinge, neue Gewerbefläche auszuweisen. „Wir müssen weiterforschen, was möglich ist“, meinte er. Mit unvermindertem Engagement nach potenziellen Gewerbe- und Industrieflächen Ausschau zu halten, darauf zielte auch der CDU-Antrag.

Die Grünen würden solche Gebiete aber nicht auf freiem Feld, sondern auf Bestandsflächen realisieren wollen, betonte deren Fraktionsvorsitzender Thomas Grziwotz. In Bergkamen gebe es auch landwirtschaftliche Bedürfnisse. Dem pflichtete FDP-Ratsfrau Angelika Lohmann-Begander bei. Ihre Partei wolle natürlich Arbeitsplätze schaffen, „aber nicht auf Biegen und Brechen“.

Die große Hoffnung von Politik und Verwaltung in Bergkamen ist bekanntlich die gewerbliche Nachnutzung des Kraftwerksgeländes in Heil nach Ende der Kohleverstromung sowie die Aktivierung der Erweiterungsfläche von Bayer nördlich des Chemieparks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare