Urteilsverkündung am Freitag

Staatsanwalt fordert drei Jahre Haft für Brandstifter

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Die Brandruine in der Straße Zum Füllort

Bergkamen/Dortmund – Der 57-jährige Bergkamener, der sein Eigenheim in der Straße Am Füllort absichtlich abgebrannt sowie Jahre später eine Lebensgefährtin drangsaliert und beraubt hatte, soll für drei Jahre ins Gefängnis. Diese Strafe forderte Staatsanwalt Henner Kruse nach Abschluss der Beweisaufnahme vor dem Dortmunder Landgericht.

Verteidiger Hans Reinhardt hielt diesen Strafantrag für völlig angemessen und schloss sich dieser Strafforderung an. Der Anklagevertreter fasste noch einmal das Tatgeschehen und die Vorgeschichte zusammen und skizzierte einen „leicht kränkbaren Menschen“, der insbesondere seine langjährige frühere Ehefrau und seine beiden mittlerweile erwachsenen Kinder kontrolliert und drangsaliert habe. 

Als die Ehefrau nach langjährigem Erdulden sich endlich von ihn getrennt habe, sei sein Leben aus den Fugen geraten. Er sei in Depressionen verfallen, habe seine selbstständige Arbeit vernachlässigt und habe schließlich den Entschluss gefasst, sein Lebenswerk in Brand zu setzen, damit auch seine Ehefrau nicht von der anstehenden Zwangsversteigerung profitiere.

Keine Fluchtgefahr

„Er baute tagelang Möbel auf und errichtete eine Art Scheiterhaufen, den er dann anzündete“, fasste Kruse noch einmal die Brandstiftung vom 28. Oktober 2016 zusammen. Drei Jahre später drangsalierte er seine damalige Lebensgefährtin, als diese sich von ihm trennen wollte. Er sperrte sie aus der Wohnung aus, durchsuchte ihre Handtasche und zwang die Frau, 500 Euro von einem Geldautomaten abzuholen. Ihren hochwertigen Wagen fuhr er weg und informierte sie erst lange Zeit später über den Standort. Kruse beantragte neben der dreijährigen Gefängnisstrafe die Aufhebung des Haftbefehls nach sieben Monaten in der Untersuchungshaft. 

Fluchtgefahr bestehe nicht mehr und der Angeklagte habe die realistische Chance, dass er vorzeitig aus der Haft komme, wenn er seine Taten bereue und an seinem Verhalten arbeite. Vor den Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatte der psychiatrische Sachverständige Dr. Michael Mattes das Wort. 

Er sollte den Prozessbeteiligten am Dortmunder Landgericht darlegen, welche seelischen Kräfte den Mann getrieben haben könnten, ob er psychisch krank ist und womöglich in eine geschlossene Klinik eingewiesen werden muss. Fazit: Der 57-jährige Handwerker war zur Tatzeit in einer Lebenskrise, hatte Depressionen und griff wiederholt zum Alkohol. Er stand von den Trümmern seines langjährig geordneten Lebens, seine Frau hatte ihn nach über 20 Jahren Ehe verlassen, das von ihm mit viel Geld und Mühen umgebaute Haus der Familie sollte zwangsversteigert werden. 

Gutachter sieht Gefahr erneuter Straftaten

Die Trennung seiner Frau habe er als enorme Kränkung empfangen, sehr aggressiv darauf reagiert. Die lange brodelnden Gefühle endeten dann am 28. Oktober 2016 mit dem gezielten Abfackeln des Hauses in der Straße Zum Füllort. Besonnen und fürsorglich habe er jedoch für die Feuerwehr Zettel an die Haustür geheftet und vor im Haus deponierten Gasflaschen gewarnt. Gutachter Mattes geht davon aus, dass angesichts seine Gefühlslage für diese Brandstiftung eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen ist. Voll schuldfähig hält er den Angeklagten jedoch für einen stundenlangen gewalttätigen Übergriff auf seine damalige Lebensgefährtin im August 2019. Diese Taten, die der Angeklagte im Prozess immer wieder zu bagatellisieren versuchte, seien „stark verbal verletzend und aggressiv gewesen“, aber nicht Ausdruck einer seelischen Erkrankung. 

Eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik sei daher nicht angezeigt. Ratlos zeigte sich der Gutachter, wie die Zukunft des Bergkameners aussehen könnte. Seine Persönlichkeitsstörung könne vielleicht erneut zu Straftaten führen, wenn er eine Beziehung eingehe und womöglich von der Partnerin, wie in der Vergangenheit geschehen, erneut gekränkt und verlassen werde.

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