„Ich lebe alles intensiver“: Spender retteten Dwayne Pälmke und Annika Iwersen das Leben

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Annika Iwersen und Dwayne Pälmke sind dankbar, dass ihr Leben durch eine Spende gerettet wurde.

Vor einigen Wochen war die Welt für Christiane Stützer noch in Ordnung, doch dann bekam sie die Schockdiagnose: Sie leidet unter einer aggressiven Form der Leukämie. Eine Stammzellenspende ist die letzte Chance für die Bergkamenerin. Jetzt ist jede Hilfe gefragt. Dwayne Pälmke und Annika Iwersen aus Bergkamen wissen, wie sich Christiane Stützer in dieser schwierigen Zeit fühlen muss. Auch sie bekamen eine ähnlich niederschmetternde Diagnose, die ihr Leben verändert hat. Für sie wurden Spender gefunden und mittlerweile geht es beiden gut. Sie haben ihren Krankheiten den Kampf angesagt.

Bergkamen – „Dwayne ist ein Kämpfer. Er ist unglaublich stark. Er musste so viel mitmachen, aber er hat sich wirklich noch nie beklagt“, sagt Jennifer Pälmke voller Stolz über ihren Sohn. Anfang 2013 bekam der damals Sechsjährige die Diagnose: Er leidet an Präleukämie. Aus einem Alltag, der aus Schule, Sport und Spielen bestand, wurde ein Alltag im Krankenhaus. Als der FC Overberge, bei dem der damals sehr sportliche Dwayne Mitglied war, von der Erkrankung des kleinen Jungen erfuhr, rief der Verein gemeinsam mit der DKMS zu einer Registrierungsaktion auf. 1614 Personen haben sich bei der Aktion registrieren lassen. „Das war echt ein mega Gefühl“, sagt Jennifer Pälmke. Bei der Aktion selbst fand sich zwar kein Spender für den Jungen, doch neun von den bei der Aktion registrierten Personen haben Stammzellen für andere an Blutkrebs erkrankte Menschen spenden können. Dwayne Pälmke bekam irgendwann die Nachricht, dass ein Stammzellenspender aus Amerika für ihn gefunden ist. „Es ist wie für andere ein Sechser im Lotto, wenn man die Lottozahlen vergleicht und sieht, man hat den Jackpot gewonnen“, beschreibt Jennifer Pälmke den Moment, als sie die gute Nachricht erfuhr. Der Tag wurde gefeiert wie ein Geburtstag, jedoch vorsichtig, da Dwayne Pälmke zu dem Zeitpunkt noch sehr krank war. „Aber wir haben schon die Familie da gehabt und das ordentlich zelebriert“, erzählt Dwaynes Mutter. Am 14. Februar 2013 stand dann die Transplantation an.

Weiter kämpfen nach der Transplantation

Doch auch nach der Transplantation musste Dwayne Pälmke weiter kämpfen. „Dwayne hat danach eine sehr, sehr intensive Abstoßungsreaktion bekommen. Die Organe wurden so intensiv angegriffen, dass sein Darm komplett zerstört wurde“, erzählt Jennifer Pälmke. Auf eine Not-Operation folgten Koma und noch einmal eine Chemo. „Es hat sehr lange gedauert, bis wir das in den Griff bekommen haben, aber das ist jetzt im Griff“, sagt Pälmke. Aktuell gehe es ihrem Sohn den Umständen entsprechend gut.

Noch ist sein steiniger Weg nicht vorbei. Der jetzt 13-Jährige hat noch einige Krankenhausaufenthalte vor sich, Operationen stehen an, und er hat einen künstlichen Darmausgang. Hinzu kommt eine schwere Herzerkrankung. Doch von all dem lässt er sich nicht unterkriegen. Seine Krankheit ist besiegt und die Wahrscheinlichkeit, einen Rückfall zu bekommen, sehr gering. „Es zieht sich halt einfach alles wie Kaugummi. Bei ihm ist es kein normaler Verlauf. Wir haben viele Transplantierte kennengelernt, die schon längst wieder ein normales Leben führen, obwohl sie zwei, drei Jahre nach Dwayne transplantiert wurden. Aber die Aussicht darauf, dass er irgendwann, abgesehen von seiner Herzerkrankung, ein normales Leben führt, die ist da. Es dauert halt einfach noch“, sagt Jennifer Pälmke. Ihr Sohn ist ein Kämpfer durch und durch. Für die Zukunft hat er sich vorgenommen, sein Abitur zu machen und eventuell Chemie zu studieren.

Auch die 33-Jährige Annika Iwersen aus Bergkamen, die mit Dwayne Pälmke und seiner Familie gut befreundet ist, hat Zukunftspläne. Sie möchte im Sommer nächsten Jahres heiraten. Dass sie jetzt so unbeschwert darüber nachdenken kann, hat sie nach ihrer Diagnose im Jahr 2014 nicht für möglich gehalten. Sie litt am Non-Hodgkin-Lymphom, einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems. „Das Gehirn war wie ausgeschaltet. Ich habe geweint und auch Angst gehabt. Das war so surreal“, beschreibt Annika Iwersen den Moment, als sie die Diagnose erhielt. „Vor der Diagnose habe ich schon zwei Jahre mit meinem Freund in einer gemeinsamen Wohnung gelebt. Wir haben über das ganz Natürliche gesprochen, Familie gründen, heiraten.“ Ihr Freund hat in der Zeit nach ihrer Diagnose immer zu ihr gestanden.

Enorme Spendenbereitschaft

Doch nicht nur er und ihre Familie waren für die damals 27-Jährige da. Wie viele Menschen hinter ihr standen, merkte sie vor allem bei der Registrierungsaktion, die ihre Familie und Freunde im März 2015 gemeinsam mit der DKMS auf die Beine stellte. Für Annika Iwersen wurde zwar bereits bis zum Beginn der Aktion ein Stammzellenspender gefunden, dennoch war es ihr und ihren Liebsten wichtig, die Aktion zu starten. „Es geht ja nicht nur um mich, es geht auch um Tausende von anderen Patienten“, war Annika Iwersens Einstellung. Über die rege Anteilnahme ist sie bis heute begeistert. „Das war einfach der Wahnsinn. Es hat mich sehr berührt und ich bin dankbar dafür, dass es so eine große Beteiligung gab.“ 650 Personen haben sich registrieren lassen, davon haben bereits sechs tatsächlich Stammzellen gespendet. Während die Aktion zugunsten anderer Patienten lief, wusste Annika Iwersen bereits, dass man für sie einen Spender gefunden hatte. Große Freude und Dankbarkeit setzten bei der Bergkamenerin aber erst später ein, zunächst habe sie nur an die Zeit nach der Transplantation denken können. „Ich habe mich darauf eingestellt, dass ich in Quarantäne komme, dass ich viele Leute eine Zeit lang erst mal nicht sehen werde und dass es einsam werden kann“, sagt sie.

Auch Annika Iwersen musste nach der Transplantation mit vielen Rückschlägen fertig werden, hat sich aber hochgekämpft. Jetzt gilt die 33-Jährige als geheilt. Im November war sie mit ihrem Vater beim Arzt und erhielt unerwartet die gute Nachricht, die bei ihr Freudentränen auslösten. „Mein Papa war auch ganz ergriffen“, schildert sie. Zu ihrem Spender hat Annika Iwersen Kontakt. „Es ist etwas ganz Tolles. Das kann man gar nicht beschreiben. Mein Spender und ich ticken irgendwie gleich. Wir haben gleiche Interessen. Es ist ein unheimlich tolles Gefühl, diese Person kennengelernt zu haben und weiterhin Kontakt zu haben.“ Die Krankheit hat sie nur noch stärker gemacht und sie besonders Eines gelehrt: „Ich habe für mich aus der ganzen Krankheit mitgenommen, dass ich nicht mehr alles aufschieben möchte, sondern das was ich machen möchte, auch mache. Ich lebe alles intensiver.“ In Zukunft möchte sie viel reisen und freut sich besonders auf ihre Hochzeit. „Das war immer ein Traum von mir und zum Glück ist das etwas, was man mir durch die Krankheit nicht nehmen kann.“

Christiane Stützer leidet unter einer aggressiven Form der Leukämie. Halt geben ihr Ehemann Stephan, Sohn Dennis und Tochter Jacqueline sowie die Retromöpse Josefine und Marylin.

Nicht nur in diesen beiden Fällen bewiesen bei den Typisierungsaktionen viele Freiwillige, dass sie das Herz am rechten Fleck tragen. Auch in der Aktion für den Rünther Marco Füllenbach haben sich 599 Personen registrieren lassen, hier ist bislang noch kein Stammzellenspender hervorgegangen. Im Rahmen der Aktion für Christiane Stützer sind bereits 297 Testsets (Stand Dienstagnachmittag) für den für die Typisierung erforderlichen Wangenabstrich bestellt worden. Mehr Informationen gibt es unter www.dkms.de/christiane-braucht-dich

So wird geholfen

Online registrieren, das Set kommt per Post. Abstrich nach Anleitung vornehmen und zügig zurücksenden. Einmal gewonnene Daten stehen weltweit für Patienten zur Verfügung. Jede Neuaufnahme kostet 35 Euro, daher sind Geldspenden willkommen: DKMS-Spendenkonto: DE64 6415 0020 0000 2555 56; Verwendungszweck: LPS 218

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