Bei Schnupfen zu Hause bleiben: Das sagen Kitas und Co. in Bergkamen

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Hatschi und raus: Ein leichter Schnupfen reicht im Moment, und das Kind darf nicht in die Kita gehen.

Viele Eltern stehen vor einem Betreuungsproblem, weil Erzieher Kinder bei banalen Infekten nach Hause schicken. Elternvertreter fürchten im Herbst und Winter eine massive Herausforderung, wenn es bei den aktuellen Regeln bleibt.

Bergkamen – Viele Eltern haben sich aufgrund der Corona-Krise bereits mit großen Betreuungsproblemen arrangieren müssen. Erleichterung machte sich breit, als die Kleinen so langsam wieder in die Kita durften. Doch nun könnten Eltern vor einem neuen Problem stehen, das mit aktuellen Regelungen einhergeht.

Sobald ein Kind Krankheitssymptome hat, darf es nicht in die Kita. Sowohl Oppositionspolitiker als auch Kinder- und Jugendärzte protestieren dagegen. „Kinder werden völlig sinnlos laufend aus der Betreuung herausgenommen“, sagte beispielsweise ein Vertreter des Verbands der Kinder- und Jugendärzte. Auch macht sich bei Elternvertretern etwa der Initiative „Familien in der Krise“ die Sorge breit, dass Eltern spätestens im Herbst vor einem unüberwindbaren Betreuungshindernis stehen. Wie ist die Lage in Bergkamen?

Das sagen die Kitas

In der Kita Montessori in Rünthe sei es noch nicht häufig vorgekommen, dass Kinder aufgrund von Symptomen zuhause bleiben mussten. Sei dies aber der Fall, gingen die Eltern ohnehin oftmals sensibel mit dem Thema um und lassen das Kind von sich aus zuhause, wie die stellvertretende Leiterin Katrin Bode erzählt. Sie selbst kann beide Seiten, das Für und Wider der Regelung verstehen: „Ich kann die Eltern verstehen, die Betreuungsprobleme haben. Ich kann aber auch die Politik und die Träger verstehen, dass die sehr vorsichtig mit dem Thema umgehen“, sagt Bode.

In der Kita Mittendrin in Oberaden sei es schon vorgekommen, dass Kinder wegen Krankheitssymptomen zuhause bleiben mussten. „In der Regel läuft es auf Allergiegeschichten hinaus. Wir brauchen eine Bestätigung, dass das Kind frei von ansteckenden Krankheiten ist“, sagt Kita-Leiter Bernd Bronheim.

Über 90 Prozent der Eltern hätten absolutes Verständnis für die Regelung. Lediglich kurz nach deren Einführung sei es zu Problemen gekommen. „Manche Kinderärzte wollten die Bestätigung nicht ausstellen, denn wenn ein Arzt bescheinigt, dass ein Kind kein Covid-19 hat, trägt er ja die Verantwortung für seine Aussage.

Mittlerweile ist das ganze wieder ein bisschen runtergekocht“, erzählt Bronheim von den Erfahrungen mancher Eltern. Er selbst steht hinter der Vorgabe – nicht nur in Corona-Zeiten: „Ich halte generell gar nichts davon, dass kranke Kinder in die Einrichtung gehen. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Kind zuhause bleibt, wenn es krank ist.“

Auch in der Johanniter-Kita an der Eichendorffstraße gilt grundsätzlich: „Wenn Kinder krank sind, sollen sie zu Hause bleiben“, wie Pressesprecher Martin Vollmer mitteilt. Es seien schon Kita-Kinder mit Symptomen nach Hause geschickt worden, aber auch Eltern hielten ihre Kinder freiwillig zu Hause, „wenn die laufende Nase nicht konkret zuzuordnen ist“.

In den Johanniter-Kitas halte man sich an die Vorgaben. Weise ein Kind Krankheitssymptome auf, die aus anderen Gründen auftreten, zum Beispiel eine allergische Reaktion, sei dies in der Kita meist bekannt oder kann durch eine ärztliche Bescheinigung belegt werden. In solchen Zeiten sei vor allem eine „gute Erziehungspartnerschaft“ zwischen Kita und Eltern wichtig.

Das sagt der Kreis

„Bisher haben sich zwei, drei Personen bei uns beschwert, dass sie es nicht gut finden, dass die Kinder nicht mehr betreut werden, beziehungsweise abgeholt werden mussten, aber in der Regel klären die Eltern das mit der Kita selbst“, erzählt Katja Schuon, Fachbereichsleiterin Familie und Jugend beim Kreis Unna. Noch sei das Thema nicht so sehr im Vordergrund. Doch Schuon kann sich vorstellen, dass die neuen Regeln vor allem im Herbst und Winter bei Eltern von Kita-Kindern für Betreuungsprobleme sorgen können.

Das sagt der Kinderarzt

Mindestens zehn bis elf „banale Infekte“ sind bei Kita-Kindern im Jahr normal, erklärt der Kinderarzt Dr. Johannes Jeßberger aus Hamm. Er hat in den vergangenen Wochen zudem viele Kinder behandelt, die Heuschnupfen oder Asthma hatten. Er sieht kein Problem damit, diese Kinder in die Kita oder Schule zu schicken.

Allerdings sei eine Infektion mit Sars-CoV-2 ohne Test bei keinem Kind mit Schnupfen oder Husten auszuschließen. Selbst ein negatives Testergebnis sage wenig aus: Es könne schon am Morgen nach dem Abstrich überholt sein. „Die Symptome von Covid-19 sind vollkommen unspezifisch.“

Jeßberger hofft, dass Studien bis zum Herbst zeigen, wie ansteckend Kinder mit Covid-19 wirklich sind. Bisherige Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Kinder für Erwachsene wenig ansteckend seien. Sollte sich das bestätigen, könne man die aktuellen Regeln ändern.

Bis dahin sieht Jeßberger eine Grauzone: Sei beispielsweise bekannt, dass ein Kind Asthma oder Heuschnupfen habe, könne man es auch bei einer laufenden Nase oder Husten wieder in die Kita schicken. „Es gibt Kitas, die praxisnäher sind als andere“, sagt er.

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