Nach dem großen Guss kaum Befall

Wasserscheuer Plagegeist: Reichlich Sommerregen hat Eichenprozessionsspinner wohl zugesetzt

Wenn’s doch bloß so einfach wäre, wie es diese zufällige Schilderkomposition suggeriert. Auf der Straße ohne Umkehr lässt sich der giftige Schädling nicht wegschicken. Die Stadt muss ihn bekämpfen, nur gerade ist mal Pause.
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Wenn’s doch bloß so einfach wäre, wie es diese zufällige Schilderkomposition suggeriert. Auf der Straße ohne Umkehr lässt sich der giftige Schädling nicht wegschicken. Die Stadt muss ihn bekämpfen, nach dem vielen Regen ist gerade mal Pause.

„Wen juckt‘s, wenn er nicht mehr da ist?“, könnte man sagen. Aber interessant ist die Frage schon, warum der Eichenprozessionsspinner gar nicht mehr von sich Reden macht.

Bergkamen – Wirklich vermisst hat ihn in den vergangenen Wochen wahrscheinlich niemand. Und doch ist durchaus von Belang, dass in diesem Sommer ein – Achtung Wortspiel – „Dauerbrenner“ der Vorjahre nicht auf eben diese Weise hervorgetreten ist: mit Brennen und Jucken der Haut oder all dem Schlimmeren, das die zurecht gefürchteten Brennhaare des Eichenprozessionsspinners auslösen können. Erleichterung beim Baubetriebshof.

„Ich habe aktuell keine belastbare Statistik unserer Einsätze“, berichtet Stephan Polplatz als Verantwortlicher. „Aber gefühlsmäßig haben wir in diesem Jahr deutlich weniger damit zu tun.“ Seit einer Weile gingen kaum noch Meldungen der Bürger über Raupenbefall ein.

Bauhof muss keine Unterstützung einkaufen

„Das lässt sich auch an den Drittbeauftragungen ablesen“, erläutert Polplatz. Von der „ESP-Betreuung“ des Parkfriedhofs abgesehen, habe der städtische Betrieb keine Verstärkung mehr anfordern müssen. Sechs eigene Leute sind für den Kampf gegen den Spinner geschult und technisch gewappnet – mit zwei Saugern und einem modifizierten Heißwassergerät, das sonst in der chemiefreien Entfernung von unerwünschtem Grün zum Einsatz kommt. Das kommt in der Kostenrechnung schon ein erkleckliches Sümmchen zusammen. Mehr als 60 000 Euro hat Bergkamen im Vorjahr ausgegeben, um die Allergiegefahr zu verringern.

Ein Lernprozess. Das Absaugen der Nester hat sich als effektiv erwiesen. In die Falle tappen, wie mit den Bauchbinden am Stamm erhofft, wollte das Krabbeltier mit dem Giftpelz aber nicht so recht. Die nächste Lektion kam mit dem späten Erwachen der Larven im Ei. Kälte scheint er nicht zu mögen, der EPS. Jedenfalls gilt die Rückkehr des Winters mit ehedem üblichen Minusgraden und Schnee im Februar als Grund dafür, dass das lästige Gekrabbel auf den Eichen später begann als sonst.

Auf dem Spinnerradar nichts zu sehen

Nun sieht es so aus, als wäre der Spinner auch wasserscheu. Mit dem regenreicheren Sommer allgemein und speziell dem schweren Unwetter Mitte Juli erklären sich Beobachter wie auch Bauhofleiter Polplatz, dass sich auf dem Spinnerradar nicht mehr bewegt.

„Der heftige Guss scheint einiges weggespült zu haben“, nimmt Polplatz an. Zu dieser Einschätzung seien auch die eingesetzten Mitarbeiter gelangt. Laut Studien zur Bekämpfung des EPS anderenorts befand sich der Falter zum fraglichen Zeitpunkt im Stadium der dritten Häutung, von der die meiste Gefahr ausgeht. Aktuell müsste der Falter aus der Puppe geschlüpft sein – und wird bald Eier ablegen.

Ob das in wahrscheinlich geringerer Zahl zur Hoffnung berechtigt, dass es auch kommendes Jahr weniger Probleme gibt? Polplatz: „Da will ich nicht spekulieren. Ich bin ja kein Biologe.“ Aber recht wär’s, nicht nur ihm.

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