Polizist verhindert Urteil: Steckt eine Bande hinter Bergkamener Betrugsfällen?

Bergkamen/Unna - Dass ein Strafprozess durchaus Überraschungen für alle Beteiligten bereithalten kann, zeigt eine Verhandlung im Schöffengericht des Amtsgerichts Unna.

Der Bergkamenerin auf der Anklagebank wurde 16-facher Betrug vorgeworfen. Sie soll in der Zeit von Mitte April bis Ende September vergangenen Jahres über Ebay-Kleinanzeigen 15 Handys und einen Kaffeevollautomaten zum Kauf angeboten, insgesamt 7140 Euro kassiert, die Ware aber nie losgeschickt haben. 

Ja, sie habe die Taten begangen. Als Begründung präsentierte die 22-Jährige dem Gericht eine Geschichte, die ihr keiner so recht glauben wollte. Die Bergkamenerin gab an, zu der Zeit in einer Shisha-Bar gearbeitet zu haben. Dort habe sie einen Gast kennengelernt, der Mitglied einer gefährlichen Gruppe sei. 

Er habe sie dazu gebracht, die Ebay-Geschäfte abzuwickeln und ihm das Geld daraus zu übergeben. „Ich habe dadurch wirklich keinen Gewinn erzielt“, erklärte die Angeklagte. Der Mann, von dem sie lediglich den Vornamen wisse, habe ihr deutlich zu verstehen gegeben, zu was er und seine Leute im Stande seien. So hätten sie Macheten und würden auch schon mal Menschen entführen. 

Verdacht der Geldwäsche

„Ich wollte keine Probleme mit denen“, gab die Frau an. In ihren Plädoyers forderten die Vertreterin der Staatsanwaltschaft wegen gewerbsmäßigen Betruges zwei Jahre Haft auf Bewährung und der Verteidiger ein Jahr und sechs Monate. Kurz nachdem sich das Schöffengericht zur Beratung zurückgezogen hatte, tauchte plötzlich ein Polizist im Sitzungssaal auf. Für alle eine Überraschung. Er hatte interessante Informationen mitgebracht. 

Der Richter ging noch einmal in die Beweisaufnahme zurück, um den Mann als Zeugen zu hören. Der gab an, die von der Angeklagten genannten Personen existierten tatsächlich. Die Männer und die Angeklagte stünden im Verdacht, an 30 Betrugsfällen und Geldwäsche beteiligt zu sein. Diese neuen Erkenntnisse sorgten für eine Aussetzung der Verhandlung. Das Gericht wartet nun zunächst den Ausgang des bekannt gewordenen Verfahrens ab. Dann stellt sich die Frage, ob die Angeklagte wirklich gewerbsmäßig gehandelt hatte und ob sie eventuell Teil einer Bande ist.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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