Die „Scholle“ als Lebenselixier

Bergkamen hat 357 Kleingarten-Parzellen – Manfred Meier (82) beackert eine davon

Manfred Meier (links) mit seinem Sohn Ingo bei der Gemeinschaftsarbeit: In diesen Tagen muss reichlich Vorarbeit im Gemüsegarten geleistet werden, damit die Ernte gut ausfällt. Der 82-Jährige bewirtschaftet seine 700 Quadratmeter große Parzelle seit 1974.
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Manfred Meier (links) mit seinem Sohn Ingo bei der Gemeinschaftsarbeit: In diesen Tagen muss reichlich Vorarbeit im Gemüsegarten geleistet werden, damit die Ernte gut ausfällt. Der 82-Jährige bewirtschaftet seine 700 Quadratmeter große Parzelle seit 1974.

Wenn die Frühlingssonne stärker wird, verwandeln sich die Bergkamener Kleingartenanlagen in farbenprächtige Paradiese. Gleich sieben liebevoll gepflegte Laubengärten-Areale mit insgesamt 357 Garten-Parzellen befinden sich auf hiesigem Stadtgebiet.

Bergkamen – „Wir sind das Grün unserer Stadt“, dürfen die Kleingärtner gemäß ihrem Wahlspruch denn auch mit Fug und Recht behaupten. Denn obwohl die Stadt Bergkamen ebenfalls viel Grün auf ihrem Terrain hat, sind doch diese Kleingartenvereine etwas ganz Besonderes.

Nicht nur, dass hinter den 357 Parzellen mindestens auch 357 Familien mit Kindern, Kindeskindern und Großeltern stehen. Denn für die Kleingärtner, die ihre eigene Parzelle mit viel Liebe hegen und pflegen, ist die eigene „Scholle“ nämlich nicht nur eine kleine Oase, sondern auch Lebenselixier zugleich.

Manfred Meier ist einer von diesen Glücklichen, der in der Kleingartenanlage „Haus Aden“ seit 1974 seine Parzelle #3 mit ihren anspruchsvollen 700 Quadratmetern bewirtschaften darf. Wie viele Oberadener, war auch Meier Bergmann auf der Zeche Haus Aden. 1953 hat er als Lehrling dort angefangen, dann wurden 40 Jahre draus, weiß er zu erzählen.

Nachbarin Sabine Hermanni ist immer wieder erstaunt, mit welcher Energie Manfred Meier ans Werk geht. Dieser legt aber auch mal ein wohlverdientes Päuschen ein.

Der Winter sei besonders in diesen Corona-Zeiten eine harte Durststrecke gewesen, Auch Manfred Meier war zum unsäglichen Nichtstun verdammt. Doch jetzt, wo die Temperaturen wieder steigen, scharrt Meier wieder mit der Harke und ist daher fortan auch nur noch auf seiner „Scholle“ anzutreffen.

„Damit alles wächst und gedeiht, ist schon einiges an Vorarbeit zu leisten“, stellt Meier nachdenklich fest. Gerade ist er mit Sohn Ingo dabei, die Beete und Rabatten vom winterlichen Unrat und verblühten Pflanzenresten zu befreien. Als Erstes mussten die Bartnelken raus, dann der alte Spargel, dann die vertrockneten Erdbeerpflanzen. Im Februar waren bereits seine Bäume dran, wie die Birnen, Pflaumen, Kirschen, Äpfel und auch der Pfirsich, bei denen mit einem „Lichtschnitt“ störende Triebe rausgeschnitten werden mussten. Der Wein an der Hütte wartet ebenfalls leicht struwwelig darauf, dass er ein wenig zurechtgestutzt wird.

Es ist stiller geworden – wegen Corona

Doch die Arbeit lohne sich, meint Meier, denn wenn im Herbst die Früchte reif seien, werden die geernteten Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und ebenso die vitaminreichen Jostabeeren in einer familiären Gemeinschaftsaktion zu köstlicher Marmelade und zu erquickenden Säften verarbeitet.

In diesen Corona-Zeiten sei es allerdings in der Kleingartenanlage schon ziemlich ruhig geworden, stellt Meier fest. „Alle beherzigen konsequent die Corona-Regeln, halten Abstand – und im Vereinsheim finden natürlich auch keine Feiern mehr statt.“ Und Spaziergänger seien ebenfalls ziemlich selten geworden.

„Trotzdem ist unser Vereinsleben absolut intakt“, bekräftigt Meier. So hätten im KGV „Haus Aden“ auch viele „Zugereiste“ ihre zweite Heimat gefunden. „Wir haben hier Familien aus Kasachstan, aus der Türkei, aus Griechenland und auch aus Italien. Wir alle fühlen uns hier pudelwohl.“

„Wie zehnmal zum Arzt gehen“

In normalen Zeiten käme auch der ein oder andere Nachbar mal kurz auf ein Bierchen vorbei. Auch das sei jetzt merklich weniger geworden. Trotzdem ist hier Corona irgendwie ganz weit weg, was wohl daran liege, dass man sich ja mit seinen Gedanken ganz der Gartenpflege widmen könne. Und schließlich sind ja auch die Abstände zu den anderen Gärten ziemlich groß und man bewege sich ja auch ständig an der frischen Luft. „Da dürfte das Coronavirus wohl kaum eine Chance haben.“

„Anwohnerin“ Sabine Hermanni in der benachbarten Parzelle #4 staunt immer wieder, wie viel Energie und Einsatzwillen ihr Nachbar Manfred doch hat; immerhin sei er schon 82 Jahre alt, betont sie. Der hat dafür jedoch eine ganz simple Erklärung: „Ein Tag in meinem Schrebergarten bedeutet für mich genauso viel wie zehnmal zum Arzt zu gehen.“ Na dann: Alles Gute.

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