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Bergkamen gedenkt der Opfer des Nationalsozialismus

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Von: Stephanie Tatenhorst

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An der Gedenkstätte in Schönhausen legten am Sonntag Vertreter der Stadt einen Kranz nieder. © Tatenhorst

Bergkamen - Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. In Bergkamen legten der stellvertretende Bürgermeister Kay Schulte sowie die Fraktionsvorsitzenden der fünf Ratsparteien am Sonntag einen Kranz nieder, wo Gräueltaten verübt worden waren.

Das war vor dem Eingang des ehemaligen Wohlfahrtsgebäudes der früheren Zeche Grimberg I/II an der Lentstraße, in dem von März bis Oktober 1933 vorübergehend ein provisorisches Sammellager für die Verfolgung und Inhaftierung politischer Gegner eingerichtet worden war. Heute befindet sich dort das Gemeindezentrum der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kamen/Bergkamen, die im Anschluss zu Gesprächen bei Kaffee und Kuchen bat. „Es ist angemessen, an diese Zeit zu erinnern, denn es kann nicht sein, dass eine demokratisch gewählte Partei heutzutage aus einem Landtag auszieht, die Geschichte anzweifelt und eine neue Aufarbeitung fordert“, sagte Schulte mit Blick auf Bayern, wo Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, in der vergangenen Woche bei einer Gedenkfeier für die NS-Opfer eine Rede hielt und AfD-Politiker unter Protest den Saal verließen. 

Opfer um Verzeihung bitten

In Bergkamen wolle man der Opfer gedenken und deren Nachkommen um Verzeihung bitten. „Wenn mein Opa verhungernd zum Arbeiten gezwungen worden wäre, gequält, misshandelt und dann mit Gas getötet, ich glaube nicht, dass ich diesen Menschen die Hand würde reichen können“, sagte Schulte. Daher sei es eine Ehre, dass man heute solche Gedenkstunden durchführen dürfe und eine Freude, dass die demokratischen Mächte damals gewonnen hätten. Bevor Schulte mit den Fraktionsvorsitzenden den Kranz niederlegte, erinnerte er an Irena Sendler, die durch eine ausgeklügelte List jüdische Säuglinge und Kinder aus dem Warschauer Ghetto schmuggelte und so rund 2500 Kindern das Leben rettete. Obwohl gefasst, gefoltert und zum Tode verurteilt, überlebte sie das Martyrium und versuchte nach Kriegsende die Kinder, deren Namen sie in Einkochgläsern unter dem Apfelbaum vergraben hatte, wieder mit ihren Eltern zusammenzuführen. 

Bergkamen war Sammelposten für Weitertransport

Weil dies oftmals nicht mehr gelang, brachte sie die Kinder bei Pflegefamilien unter. 2007 wurde Irena Sendler für den Friedensnobelpreis nominiert, der letztlich aber an Al Gore verliehen wurde. „In Bergkamen sind nicht ganz so furchtbare Dinge geschehen, hier war nur ein Sammelposten für den Weitertransport. Aber man muss sich nur vorstellen, was danach passierte“, erklärte Kay Schulte, warum das Gedenken am historischen Ort in Schönhausen so wichtig ist.

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