Musikalisch durch die Pandemie

Digitale Probe ist kein Ersatz / So gehen Chöre mit der Krise um

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Nils Orlowski vom Gospelchor „HeiLights“ spielt in der Kapelle Heil Übungsvideos für die Chormitglieder ein.

Sopran, Alt, Tenor und Bass: Wenn sich diese unterschiedlichen Stimmhöhen miteinander verbinden, entsteht daraus im besten Fall eine herrliche Gesamtkomposition. Doch ihre Stimmen miteinander vereinen, das können Chor-Mitglieder derzeit aufgrund der Corona-Krise nicht. Auch für sie gilt Abstand wahren. Einige Chöre in ganz Deutschland versuchen deshalb kreativ zu werden und veranstalten zum Beispiel ihre Treffen per Videochat. Wie gehen Chöre in Bergkamen und Bönen mit der Krise um?

Bergkamen / Bönen – Eine Lösung gefunden, mit der in der aktuellen Situation alle zurecht kommen, hat Nils Orlowski, Leiter des Bergkamener Gospelchors HeiLights. Seit dem 24. März proben er und seine Chormitglieder auf digitalem Wege. In der Kapelle Heil hat er sich ein komplettes Equipment aufgebaut, um dort einmal pro Woche einzelne Sequenzen zu filmen, die er dann zu 45 Minuten Chorprobe für die Stimmen Alt, Sopran, Tenor und Bass zusammenschneidet.

Veröffentlicht werden die ungewöhnlichen Chorproben immer dienstagabends. „Ich teile die fertigen Videos über diverse Cloud Systeme. Für die Leute, die zum Beispiel kein Handy besitzen, brenne ich die Aufnahme auf DVD“, erzählt Orlowski. Im Video macht er den Chormitgliedern die verschiedenen Schritte vor, sie machen diese zuhause nach. „Ich kriege immer wieder Selfies von ihnen, wie sie proben“, freut sich der junge Chorleiter.

Sein eigenes kleines Studio hat Nils Orlowski in der Kapelle Heil aufgebaut. Sein Einsatz hilft, die probenfreie Zeit zu überbrücken.

Ein Ersatz für die persönlichen Proben in der Gruppe sollen und können die Videos aber nicht sein. „In unseren Whatsapp-Gruppen kommt schon mal öfter die Nachricht, dass die Proben zwar gut waren, aber alleine zuhause singen doch nicht so schön ist“, sagt Orlowski. Die Gemeinschaft bleibe auf der Strecke. „Aber wenigstens können wir so ein Stück weit die Probenarbeit aufrecht erhalten“, blickt der Chorleiter positiv auf die aktuelle Situation.

Online miteinander plaudern

Auch der Frauen-Barbershop-Chor „Sound Celebration“ versucht, in dieser schwierigen Zeit noch Gesang in den Alltag zu bringen. Vorsitzende Elke Wessel und die anderen Sängerinnen nutzen sogenannte „Teaches“, um am Ball zu bleiben. „Unsere Chorleiterin hat einzelne Stimmen eingesungen. Die Chormitglieder können sich das anhören und mitsingen“, erklärt Wessel. Das habe der Chor aber schon vor der Corona-Krise so gemacht. Zudem gibt es immer ein „Lied der Woche“ und ein „Video der Woche“. „Unsere Chorleiterin guckt online nach lehrreichen und interessanten Videos. Dazu schickt sie uns den Link und wir können es uns dann anschauen. So können wir uns davon etwas abgucken“, erklärt Wessel den Sinn des „Videos der Woche“.

Gemeinsam online singen sei dagegen schwierig, berichtet die Vorsitzende. „Wir treffen uns aber online, um miteinander zu plaudern. Das ist ein kleiner Trost“, sagt Wessel. Anfang März waren die Frauen sogar noch gemeinsam auf einem Chorwochenende, haben miteinander gesungen und die Zeit genossen. „In der Woche darauf ging dann schon nichts mehr“, bedauert Wessel.

Gemeinsames Singen nicht ersetzbar

Auch für Jens-Reinhard Wagenblaß, Leiter des Evangelischen Kirchenchors, des Gospelchors Good News und des MGV Liedertafel in Bönen, kommt eine Chorprobe per Videochat nicht infrage. „Die Übertragungsrate ist manchmal schlecht, Ton und Bild kommen ungleichzeitig an“, erzählt Wagenblaß. Eine seiner Überlegungen sei, Musikdateien für die Chormitglieder anzufertigen, mit denen die Sänger zuhause proben könnten. Jeder Chor trifft sich normalerweise einmal in der Woche, um zu proben. Das fiel aufgrund der Corona-Krise von einem auf den anderen Tag weg. „Mich hat es kalt getroffen“, sagt Wagenblaß, der sich, wie alle anderen Chormitglieder, fragt, wann die Proben wieder wie gewohnt stattfinden können.

„Videokonferenzen sind für uns etwas schwierig. Das funktioniert nicht wirklich. Man kann zwar miteinander sprechen, aber nicht singen, weil es immer wieder Verzögerungen gibt“, sagt Anne Suermann, Leiterin des Bönener Chors „QuerBeet“. Sie habe jedoch vor, die einzelnen Stimmen einzusingen und sie den Mitgliedern per WhatsApp zu schicken, damit jeder seinen Teil zuhause üben kann. Normalerweise trifft sich der Chor regelmäßig in der Musikschule, was aber aufgrund der aktuellen Situation nicht mehr möglich ist. Auch, wenn die Mitglieder nicht miteinander singen können, bleiben sie zumindest im Austausch. „Das gemeinsame Singen vermissen alle sehr. Das ist durch das alleinige Proben zuhause nicht ersetzbar“, sagt Suermann.

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