Biontec-Vakzin im Seniorenglück Haus Rünthe verabreicht

Impfschutz gegen Corona: Im Rünther Seniorenheim machen fast alle Bewohner mit

Fachkraft Susanne Bytomski zieht den Impfstoff auf, Dr. Magdalena Cieslak (l.) und Dr. Agnieszka Job-Wolinski schauen aufmerksam auf die Dosierung.
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Fachkraft Susanne Bytomski zieht den Impfstoff auf, Dr. Magdalena Cieslak (l.) und Dr. Agnieszka Job-Wolinski schauen aufmerksam auf die Dosierung.

Knapp 92 Beteiligung der Bewohnerschaft. Das Seniorenglück Haus Rünthe ist als dritte Bergkamener Pflegeeinrichtung besser gegen Corona geschützt.

Rünthe – Seit 73 Jahren gehen Waltraud und Günter Kostrewa Hand in Hand durch dick und dünn. So meisterten sie gemeinsam im vergangenen August den großen Schritt aus den eigenen vier Wänden ins „Seniorenglück Haus Rünthe“ und geben sich im 69. Ehejahr auch jetzt Halt in den Prüfungen der Pandemie. „Wir haben schon so viel hinter uns, da schaffen wir auch das“, sagt die 89-Jährige mit einem abtuenden Winken aus dem Handgelenk.

Dabei sind der 91-Jährige und seine Gattin auf der Station „Hawaii“ unter den ersten Bewohnern im Haus, die an diesem Freitag das vielerorts ersehnte Vakzin von Biontec gespritzt bekommen. „Uns war es wichtig, geschützt zu sein“, antwortet Günter Kostrewa auf die Frage nach möglichen Vorbehalten. Das Paar habe nicht lange überlegen müssen, ob es sich freiwillig impfen lässt.

51 von 56 Senioren im Haus sind dabei

So halten es die meisten in dem Pflegeheim, wie Leiterin Stephanie Humpert-Schöße berichtet. 51 von 56 Bewohnern hätten sich angeschlossen, zudem 26 der 37 Mitarbeiter der Einrichtung sowie 19 externe Servicekräfte. Schon vor Weihnachten hat die Geschäftsführerin dafür die bürokratischen Mühen aufgenommen. Ohne Einverständniserklärung der Senioren, bei schweren Pflegefällen der Angehörigen, und Anamnesebogen der Mediziner braucht sich keine Einrichtung um den Impfstoff zu bemühen. Ein Aktenordner voller Unterlagen. Vergangenen Montag hatte Humpert-Schöße alles beisammen, meldete den Impfstoffbedarf bei den Behörden und fragte bei der im Haus tätigen Arztpraxis an. Die Ärztinnen Dr. Magdalena Cieslak und Agnieszka Job-Wolinski, Nachfolgerinnen von Dr. Heinrich Stamm, kündigten für diesen Freitag ab der Mittagszeit freie Kapazitäten an. Das sollte also der große Tag werden.

Der Impfstoff kam früh morgens

Für die Chefin hieß das: Heute aber mal besonders früh raus aus den Federn. „Die Zustellung durch die Spedition Kühne & Nagel war zu sechs Uhr angekündigt. Da ich den Antrag gestellt habe, musste ich den Empfang auch persönlich quittieren“, so Humpert-Schöße. Sicherheitshalber habe übrigens die Polizei ein Auge auf die Übergabe und das Heim. 19 kleinen Fläschchen enthielt die Kühlbox, mit einer Temperatur von 5 Grad Celsius.

Mittel gekühlt nur wenige Tage haltbar

Von den 70 Minusgraden, die Transport und Umgang mit dem Biontec-Mittel so aufwendig und heikel machen, ist an diesem Punkt der Lieferkette schon keine Rede mehr. „Wenn der Stoff noch gefroren ist, kann er ja nicht gespritzt werden“, erläutert die Leiterin. Bei 2 bis 8 Grad könne das Mittel befristet gelagert werden, die heutige Charge bis Montag.

Für die Spritze bleiben 30 Minuten

Die Verabreichung muss dagegen flotter von der Hand gehen. „Ein ungenutztes Fläschchen hält in der Kälte fünf Tage“, weiß Dr. Agnieszka Job-Wolinski. „Aber wenn es in der Spritze aufgezogen ist, muss es binnen 30 Minuten appliziert werden.“ Vor der Dosierung zu je 0,3 Milliliter will die klare Flüssigkeit auch noch einmal gemischt werden. „Zehn Mal kippen“, erklärt Susanne Bytomski, die als Medizinische Fachangestellte der Praxis bei der Aktion dabei ist. Für das Trio ist es auch eine Premiere.

Die erste „Probe“ nach dem Schütteln besteht der Kollege im Ruhestand ohne Zucken. Dr. Heinrich Stamm hat zuerst im Büro der Verwaltung den linken Oberarm entblößt. Auch für ihn hat sich die Frage des „Ob“ gar nicht gestellt. Impfen? Aber sicher.

Am 29. Januar zweite Impfung

Nach ihm ist hier das Personal an der Reihe, ein zweites Team macht sich auf den Weg durchs Haus und impft die Bewohner auf ihren Zimmern. Damit keine der 114 Dosen, je sechs aus einem der 19 Fläschchen, verfällt, werden bei 97 angemeldeten Impflingen die übrigen 17 Einheiten an Freiwillige aus dem Umfeld des Hauses verabreicht. Damit sich der erwartete Schutz einstellt, muss es eine zweite Spritze geben. Am 29. Januar folgt Runde zwei.

Nur: Die Hygieneregeln setzt das nicht außer Kraft. Das Personal wird weiter Maske tragen und Besucher vor dem Einlass testen. Noch ist es nicht vorbei.

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