Corona im Kreis Unna

Ausnahmezustand nach neuen Corona-Fällen: Wieder Homeschooling für Hunderte Schüler in Bergkamen

Auch am Donnerstag fanden Massentests an der Willy-Brandt-Gesamtschule statt.
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Auch am Donnerstag fanden Massentests an der Willy-Brandt-Gesamtschule statt. Dazu wurde ein Schulbereich abgetrennt. Eine von Corona betroffene Familie hat Kinder in unterschiedlichen Jahrgängen.

Fast wie im Lockdown zu Pandemie-Beginn: Nach Auftreten von mehreren Corona-Fällen an der Willy-Brandt-Gesamtschule werden dort ab dem kommenden Dienstag rund 700 der 1100 Schüler ausschließlich digital unterrichtet. Nahezu die Hälfte der 108 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten von zu Hause, weil sie zu einer Risikogruppe gehören oder in Quarantäne mussten.

Bergkamen – „Die Stimmung ist angespannt“, sagt Dirk Rentmeister, kommissarischer Schulleiter. Alle seien einem besonderen Stress ausgesetzt, doch alle zögen auch an einem Strang, um das Beste aus der Situation zu machen: Schüler, Eltern und Lehrer. Das habe nicht zuletzt die Schulkonferenz in der vergangenen Woche gezeigt.

Bekanntlich hatte es an der Gesamtschule schon vor den Sommerferien einen ersten Corona-Fall gegeben. Ende September infizierte sich ein Neuntklässler, jüngst ein Achtklässler und in der Folge weitere Schüler. „Eine betroffene Familie hat Kinder in mehreren Jahrgängen“, berichtet Rentmeister.

Neuerliche Testungen am Donnerstag

Einmal mehr war die Gesundheitsbehörde des Kreises am Donnerstag vor Ort, nahm in einem abgetrennten Raum Rachenabstriche. Diesmal standen rund 170 Namen auf der Liste, darunter 20 von Lehrkräften. Manch Betroffener wurde ob der Infektionsketten bereits zum zweiten Mal getestet.

Auch ohne Maskenzwang tragen die meisten Schüler im Unterricht Mund-Nasen-Schutz. Überdies wird penibel auf Abstand und aufs Desinfizieren geachtet. Das bescheinigt auch Dirk Bläsing, Sachgebietsleiter in der städtischen Schulverwaltung. Manchmal habe man einfach nur Pech, wenn Corona einen treffe. „Der Kreis der Kontaktpersonen kann sehr schnell sehr hoch sein.“

Präsenzunterricht nur für Oberstufenschüler und Zehntklässler

Die Gesamtschule arbeitet ab Klasse acht im Kurssystem. Auch dadurch werden die Infektionsketten lang. „Wir müssen aber differenzieren, weil man bei uns alle Abschlüsse machen kann“, erläutert Rentmeister das Dilemma. Er sieht sich in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite die Vorstellung von Schule, die von Begegnung und gemeinsamen Lernen geprägt ist, auf der anderen Seite die Realität der Pandemie.

Präsenzunterricht gibt es ab Dienstag nur noch für die rund 230 Oberstufenschüler und 160 Zehntklässler. Doch auch für Letztere fänden einige Kurse online statt, sagt Rentmeister. Für die Jahrgänge 5 bis 9 ist Lernen auf Distanz vorgesehen, wobei die sechs Achter-Klassen und vier weitere aus unterschiedlichen Stufen ohnehin in Quarantäne sind. Für die Fünft- und Sechstklässler gibt’s bei Bedarf eine Notbetreuung, Klassenarbeiten werden weiterhin geschrieben.

Die Gesamtschüler sind noch geübt, was das Homeschooling angeht. „Ich mache mir da keine Sorgen“, sagt Rentmeister. Ein Problem sei jedoch die Ausstattung mit Endgeräten: Nicht jeder Schüler hat eines. „Die Stadt hat Geräte bestellt, die nicht aber noch nicht da“, berichtet der Schulleiter. Doch unterm Strich seien alle versorgt. Wer zu Hause keinen PC hat, könne einen in der Schule nutzen. Wer sein Haus nicht verlassen darf, könne sich von der Schule einen iPad leihen.

Durchschnaufen in den Herbstferien

Fast zwei Drittel der Schüler lernen zu Hause: Ist es da nicht naheliegend, gleich komplett ins Digitale zu gehen. „Wir haben drüber nachgedacht, machen es aber nicht“, sagt Rentmeister.

Die Schulaufsicht bei der Bezirksregierung Arnsberg steht in solchen Fragen beratend zur Seite. „Die Entscheidung wird aber immer vor Ort getroffen, auch zusammen mit dem jeweiligen Gesundheitsamt, das den Hut aufhat“, sagt Behördensprecher Christoph Söbbeler. Momentan gebe es im Gebiet der Bezirksregierung nur eine Schule im Volldistanzmodus: eine Grundschule im Märkischen Kreis.

Rentmeister steckt den Kopf nicht in den Sand. Ob sich’s nach den Herbstferien beruhigt haben wird, die Ende nächster Woche beginnen. „Ich wage da keine Prognose“, sagt er. Aber immerhin sind zwei Wochen Durchschnaufen möglich.

In der Nachbarstadt Hamm gibt es starke Einschränkungen wegen hoher Corona-Zahlen.

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