Angst vor dem Virus

Ehrenamtlicher Corona-Einsatz des DRK: Arbeitgeber machen Schwierigkeiten

Christian Thomé (links) war am Dienstag mit der Ortsgruppe Bergkamen des DRK in Ostwestfalen im Corona-Einsatz.
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Christian Thomé (links) war am Dienstag mit der Ortsgruppe Bergkamen des DRK in Ostwestfalen im Corona-Einsatz.

Das Deutsche Rote Kreuz ist in der Corona-Pandemie im Einsatz - zuletzt auch im Corona-Hotspot Kreis Gütersloh. Doch viele Ehrenamtler aus Bergkamen und Bönen bekommen Probleme mit ihren Arbeitgebern.

  • Ehrenamtler des DRK in Bönen und Bergkamen sind im Corona-Dauereinsatz - auch in Hotspots wie dem Kreis Gütersloh. 
  • Ihre Arbeit ist wichtig, damit die Hilfskette nicht zusammenbricht. 
  • Manche Arbeitgeber sind mit dem ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiter aber nicht einverstanden.

Bergkamen/Bönen – Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und andere Hilfsorganisationen sind derzeit im Corona-Dauereinsatz. Allein in den vergangenen zwei Wochen hat der Landesverband im Kreis Gütersloh und Warendorf wegen des Ausbruchs in dem Schlachtgroßbetrieb und dessen Folgen 42.000 Testungen vorgenommen. Das erfordert nicht nur einen großen organisatorischen Aufwand, sondern auch viele fleißige Hände, denn mit dem Abstrichnehmen alleine ist es nicht getan. 

Für einige DRKler und die engagierten Menschen von anderen Hilfsorganisationen mehren sich nun die Probleme mit den Arbeitgebern. Dabei haben die meisten Helfer, zu denen auch die aus dem Kreis Unna zählen, gar keinen Kontakt mit den möglicherweise infizierten Menschen.

DRK in Bergkamen und Bönen: Sorge, dass Arbeitgeber die Ehrenamtler an Fahrten in Corona-Hotspots hindern

Deshalb schlägt der Rotkreuzleiter der Ortsgruppe Bergkamen, Christian Thomé, nun Alarm. „Es wird zum Problem. Wenn der Trend so weitergeht, dann können wir den Katastrophenschutz in diesem Land bald dicht machen“, sagt er. 

Er befürchtet, dass nicht mehr genügend Arbeitgeber ihren Mitarbeitern erlauben, besonders wenn es in Corona-Hotspots geht, mitzufahren. Dadurch könnte den Hilfskräften das Personal knapp werden. 

DRK in Bergkamen und Bönen: Sorgen der Arbeitnehmer - "Das zieht sich durch das ganze Land"

Christian Kamp, Leiter Öffentlichkeitsarbeit beim DRK in Bönen und Mitglied im Einsatzstab des Landesverbandes, ergänzt in Bezug auf die Sorgen der Arbeitnehmer: „Das zieht sich durch das ganze Land.“

Noch können die Gruppen so wie gedacht besetzt werden. Die Bönener waren zum Beispiel am Wochenende bei Nachtests im Kreis Gütersloh im Einsatz. „In Bönen läuft das ganz gut, aber es gibt auch Arbeitgeber, die wollen das nicht“, sagt Kamp aus seinen Erfahrungen im Einsatzstab. Teams aus dem DRK-Kreis waren unter anderem im Schmallenbach-Haus in Fröndenberg bei den umfangreichen Tests dabei. Besonders seit dem Ausbruch bei Tönnies sei die Ablehnung gegenüber solchen Einsätzen allerdings gestiegen. Rheda-Wiedenbrück sei näher als beispielsweise Heinsberg, so Kamp.

Gut geschützt verrichten die Ehrenamtler des DRK aus Bönen ihren Dienst in den Corona-Testzentren. Manchen Arbeitgebern ist das allerdings ein Dorn im Auge. Sie haben Angst, dass die Ehrenamtler die Belegschaft mit dem Coronavirus infizieren könnte.

DRK in Bergkamen und Bönen: DRK-Helfer bekommen Probleme und fahren nicht mit

Thomé war am Dienstag mit seiner Gruppe mit der Einsatzeinheit NRW Unna 01 in Ostwestfalen im Einsatz. Gemeinsam wurde ein Testzentrum aufgebaut und betrieben und Essen an das eingesetzte Personal verteilt. Eine wichtige Aufgabe, da sonst eine zeitnahe Durchführung der vielen Tests und damit die Aufdeckung und Unterbindung von Infektionsketten nicht möglich ist. Doch einige Mitglieder der Ortsgruppe haben im Nachgang Probleme bekommen und fuhren aus Vorsichtsmaßnahmen nicht mit.

Thomé nennt Beispiele. „Ein Mitglied unseres Ortsvereines arbeitet für ein Krankentransportunternehmen. Beim Rücktransport einer älteren Dame in eine Pflegeeinrichtung wurde ihm der Zutritt zu selbiger verwehrt. Begründung: Als Angehöriger eines Testteams in Gütersloh habe er sich in einem Corona-Hotspot-Gebiet aufgehalten.“

DRK in Bergkamen und Bönen: Beispiele von DRK-Ehrenamtlern, denen ein Einsatz Probleme bereitete

Immerhin würde dieser Arbeitgeber den Einsatz befürworten, woanders sei einem Arbeitnehmer mit Kündigung gedroht worden. Ein DRK-Mitglied aus Unna wiederum sollte sich 14 Tage Urlaub nehmen, wenn er mit nach Gütersloh fährt. Eine Studentin der Ortsgruppe fuhr nicht mit, weil sie danach ihre Universität nicht mehr hätte betreten dürfen – und gerade ist Klausurphase. Dabei unterstütze die Uni das ehrenamtliche Engagement eigentlich, so Thomé.

Gesetzlich ist klar geregelt, dass Unternehmen die freiwilligen Helfer – soweit betrieblich möglich – freizustellen haben. Dafür erhalten sie eine Entschädigung. „Doch die Firmen sehen sich selber betroffen, wenn ein Helfer von einem Hotspot zurückkommt. Sie haben Angst, dass er die ganze Belegschaft infizieren könnte“, sagt Thomé, der aufklären möchte, dass bei ordentlicher Durchführung keine Ansteckungsgefahr bestehe. „Nicht alle Helfer machen Abstriche. Ich zum Beispiel habe die ganze Zeit gar keine Testperson gesehen“, betont er.

DRK in Bergkamen und Bönen: Helfer sorgen für Nachschub an Schutzausrüstungen und Testmaterialien

Die meisten, die mit in die betroffenen Kreise fahren, seien für logistische Dinge zuständig. Sie sorgen für Nachschub an Schutzausrüstungen und Testmaterialien, verpflegen die Helfer im Verlauf des langen Tages oder verteilen den Menschen in einer großen Siedlung, die unter Quarantäne stand, Essenpakete. „Das wissen die meisten Firmen vielleicht gar nicht“, glaubt Thomé.

40 Teams mit zusammen rund 250 Leuten aus ganz NRW seien derzeit in Ostwestfalen im Einsatz, rechnet der Bönener Christian Kamp. 70 davon seien mit Abstrichen beschäftigt. „Wir achten da genau drauf wer einen Abstrich machen darf“, sagt Thomé. 

Bevorzugt würden Profis genommen, die hauptberuflich bei Rettungsdiensten oder Ähnlichem arbeiten. „Die kennen die Problematik“, erklärt der Bergkamener Ortsgruppenleiter. Alle in vorderster Front tragen eine Schutzausrüstung, die nach dem Einsatz entsorgt werde. Die DRK-Dienstkleidung darunter werde chemisch gereinigt. Außerdem setzen alle schon bei Anfahrt eine FFP2-Maske auf.

DRK in Bergkamen und Bönen: Irgendwann bricht die Hilfskette zusammen - eine "Horrorstory"

Thomé befürchtet einen Schneeball-Effekt, wenn zu viele Firmen ihren Mitarbeitern Steine in den Weg legen. Meist seien die Einsätze am Wochenende. Die Fahrt der Bergkamener nach Gütersloh am Dienstag sei der erste unter der Woche gewesen, erläutert er. Wenn da nun immer wieder die Gleichen ranmüssten, würden sich auch deren Arbeitgeber fragen, warum immer ihr Personal ausrücken muss. Irgendwann breche die Hilfskette dann zusammen. Für Thomé eine „Horrorstory“.

Lidl sammelt nun mit einer besonderen Aktion für die Corona-Nothilfe des DRK. Ein Teil des Erlös für eine Designer-Maske bei Lidl geht an das Deutsche Rote Kreuz.

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Im Kreis Unna selbst stagnierten die Infektionszahlen am Montag. 

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