Dezernentin Christine Busch berichtet

"Drama Hochzeiten" - Bergkamens Ordnungsamt weiß um Corona-Nöte 

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Fünf Hochzeiten sind zum Wochenende in der Rünther Eventhalle gebucht, die Gästeliste muss kürzer werden. Hart für die Familien und das Unternehmen.

Je mehr Menschen das Virus erwischt, desto weniger ist den anderen erlaubt: kein einfacher Job im Ordnungsamt. Das lässt die Mitarbeiter nicht kalt.

Coronaschutzverordnung, Allgemeinverfügung, Sperrstunde, Ordnungsdienst, Kontrolle. Viele haben dieser Tage solche Worte im Ohr und in den Amtsstuben erst recht auf der Zunge. Aber es sind eben auch Menschen, die dafür sorgen müssen, dass all das funktioniert. Es mag sich für Betroffene anhören wie seelenlose Bürokratie – aber die Wirklichkeit sieht anders aus. Dezernentin Christine Busch ließ im WA-Gespräch anklingen, dass sich Bergkamens Ordnungsbehörde sehr wohl der Tragweite ihrer Entscheidungen bewusst sei.

Im Risikogebiet strengere Auflagen 

„Das große Drama sind jetzt natürlich die Hochzeiten“, berichtete Busch von den aktuellen Herausforderungen bei der Umsetzung der verschärften Auflagen für Corona-Risikogebiete, wie es Bergkamen als Teil des Kreises Unna und rund 70 Infizierten bei nicht ganz 51 000 Einwohnern nun mal ist. 150 Gäste waren noch erlaubt, als die Virenampel Gelb und der Inzidenzwert über 35, aber noch unter 50 war. Das ist seit Sonntag anders, die Ampel Rot und der Infektionswert jenseits der 70. Da spiele es eine untergeordnete Rolle, was die Großkopferten in Berlin beratschlagt haben. „Zumal das noch gar nicht umgesetzt ist“, so Busch.

"Das werden keine schönen Telefonate"

Zurück zu den Hochzeiten: „Das werden keine schönen Telefonate“, sagt die Dezernentin, selbst auch Standesbeamtin, mit Blick auf die acht Brautpaare, denen ihr Ordnungsamt zum Wochenende einen Strich durch die Gästeliste machen muss. Maximal 100 Feiernde dürfen es noch sein, wenn alle Hygienevorgaben gewährleistet sind. Das trifft die Familien ins Herz und die Veranstalter in ihrer Existenz. Fünf der Feiern sind in der für vierstellige Gästezahlen gerüsteten Halle von CK Event in Rünthe geplant, drei in der Einrichtung „The Room“ in der Nachbarschaft. Die Firmen haben nach langem Stillstand gerade gehofft, mit kleinen Schritten aus der Krise zu kommen. 

Kein Akt seelenloser Bürokratie

Und wenn der Anlass zur Feier ein trauriger ist, sieht es kaum besser aus. „Wir stehen in gutem Kontakt mit den Bestattern und haben uns darauf verständigt, dass auch Beerdigungen nicht mit mehr als 25 Teilnehmern vorgenommen werden“, berichtet Busch. „Aber wenn man in solchen Situationen einschreiten muss, nimmt einen das auch als Behörde mit.“ Das Virus fordert seinen Tribut. Und wer will schon etwas riskieren? 

Im Ordnungsamt glüht der Telefondraht

Das gilt auch für viele Bürger. Deswegen „beginnt es morgens früh mit Anfragen ans Ordnungsamt und hört bis abends nicht auf“, berichtete die Dezernentin zudem von einer Flut von Anfragen. Da sei manches dabei, was sich mit etwas Überlegung als unerheblich erweise. „Aber die Leute wollen wissen, wie sie mit den Regeln umgehen sollen.“

Kontrollen auf der Straße und in Lokalen

Denen, die es wissen müssten, wird die Behörde nun wieder verschärft auf die Finger schauen. Vier bis sechs Kräfte drehen im Außendienst der Behörde ohnehin ihren Runden. Sie müssen nun auch darauf achten, dass sich keine Grüppchen von mehr als fünf Personen im Freien bilden. Zur Sperrstundenkontrolle wird die Bereitschaft nun häufiger und wiederholt in den Lokalen aufkreuzen. „Natürlich werden wir nicht verhindern, dass die Tanke gerade noch ein Sixpack verkauft hat“, so Busch. „Aber wir werden uns nicht vorwerfen lassen, dass wir nur lax kontrollieren.“

"Müssen uns bis 2021 organisieren"

Weil die Behörde zugleich mit dem Wust von Quarantäneanordnungen befasst und personell schon länger am Limit ist, berät die Verwaltungsspitze derzeit Aufstockungen. Eine Idee ist, im Hause Freiwilligen Zusatzschichten im Ordnungsdienst anzubieten – gegen Zuschlag nach Tarifvertrag und mit dem Segen des noch anzuhörenden Personalrats. So könnten um die acht eigene Kräfte für die Aufgaben geschult werden. Noch in der Abstimmung ist, inwiefern die Stadt Bergkamen Personal bei ihrem Sicherheitsdienst einkauft. Denn es geht nicht nur um die nächsten drei Wochenenden. Busch: „Wir müssen uns jetzt über den Winter bis ins Jahr 2021 organisieren."

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