Planungen noch im Anfangsstadium

Baustart des RS1 im Kreis Unna erst 2026 - SPD: „Inakzeptabel“ - Brief an Minister Wüst

Der Radschnellweg 1 (RS1) soll quer durchs Ruhrgebiet führen und dabei unter anderem durch Bergkamen. In Rünthe soll eine neue Kanalbrücke gebaut werden, um über die Klöcknerbahntrasse auf die Nordseite des Gewässers zu gelangen. Von hier aus geht’s weiter in Richtung Hamm.
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Der Radschnellweg 1 (RS1) soll quer durchs Ruhrgebiet führen und dabei unter anderem durch Bergkamen. In Rünthe soll eine neue Kanalbrücke gebaut werden, um über die Klöcknerbahntrasse auf die Nordseite des Gewässers zu gelangen. Von hier aus geht’s weiter in Richtung Hamm.

Im Zuge der Verkehrswende wird der schnelle Umstieg aufs Rad propagiert. Der Bau ansprechender Wege aber dauert teils viele Jahre. Bestes Beispiel: der Radschnellweg 1 (RS1). Die SPD fordert, dass die Planungen forciert werden.

Bergkamen – Der RS1 soll Duisburg und Hamm miteinander verbinden und führt dabei auch durch Unna, Kamen und Bergkamen. Geplanter Baubeginn in diesem Abschnitt: 2026. Viel zu spät, sagt die SPD im Kreis Unna. Ihre Kreistagsfraktion und die Vorsitzenden der SPD-Fraktionen aus Bergkamen, Kamen, Lünen und Unna fordern nun in einem Brief an NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst eine deutlich zügigere Umsetzung.

Die Idee des RS1 stammt aus 2010. Er soll über weitgehend vorhandene Strecken verlaufen; diese sollen nach bestimmten Vorgaben wie einer Mindestbreite von vier Metern ausgebaut und allesamt asphaltiert werden.

Straßen.NRW: Noch kein Termin zur Fertigstellung

Ein erster, sechs Kilometer langer Teilabschnitt des RS1 zwischen Mülheim an der Ruhr und Essen war vor sechs Jahren als Modell-Strecke eröffnet worden, weitere Erfolgsmeldungen sind indes rar. Jüngst wurde bekannt, dass die Strecke bis nach Moers fortgeführt wird. Das verlängert sie auf insgesamt 116 Kilometer.

Baulastträger des RS1 ist der Landesbetrieb Straßen.NRW. Dessen Sprecherin Nilgün Ulbrich betont, dass derzeit kein Termin genannt werden könne, wann die Strecke endgültig fertiggestellt wird. Die lange Realisierungsdauer im hiesigen Abschnitt begründet sie auch mit der laufenden Umweltverträglichkeitsstudie.

Einziger Abschnitt mit Umweltverträglichkeitsstudie

Der Kreis Unna sei die einzige Kommune, in der solch ein zeitaufwendiges Gutachten aufgrund des Eingriffs in Natur und Landschaft notwendig sei, sagt Ulbrich. Sie sei Teil der Voruntersuchung, die dazu diene, eine Vorzugsvariante für die Streckenführung zu erarbeiten.

Weitere drei Planungsabschnitte würden folgen: In der Entwurfsphase wird laut Ulbrich der genauere Trassenverlauf festgelegt und eine erste Kostenschätzung vorgenommen. Nach dem Okay aus dem NRW-Verkehrsministerium gehe es dann in die Genehmigungsphase, in der unter anderem geklärt wird, ob der gewünschte Grundstückserwerb möglich sei.

Erst dann könne die Ausführungsplanung in Angriff genommen werden, an dessen Ende die Ausschreibung der Arbeiten stehe. Parallel müsse in einem bis zu zweieinhalb Jahre dauernden Verfahren bei der Bezirksregierung Arnsberg die Planfeststellung erwirkt werden. „Aktuell können wir sagen, dass wir im Zeitplan sind, und gehen von einem Baustart 2026 aus“, sagt Ulbrich.

Verlauf über Klöcknerbahntrasse – Neue Kanalbrücke in Rünthe

Laut einer Machbarkeitsstudie von 2014 soll der RS1 von Dortmund kommend nördlich der S-Bahn verlaufen und in den Kreis Unna führen. In Unna-Königsborn wird die Friedrich-Ebert-Straße mit einer neu zu errichtenden Brücke gequert, es geht weiter gen Kamen. Entlang der Gießerstraße erreicht der RS1 die westliche Trasse der Klöcknerbahn in Richtung Bergkamen. Diese ist bereits als Fuß- und Radweg ausgebaut ist, erfüllt derzeit allerdings nicht die Qualitätsstandards eines Radschnellwegs. Hier ist ein Ausbau notwendig. Um eine Trennung von Fuß- und Radverkehr sicherzustellen, soll die Trasse verbreitert werden. Am Knotenpunkt Rünther Straße in Rünthe sehen die Planungen eine Ampel vor. Im weiteren Verlauf soll eine Brücke über den Datteln-Hamm-Kanal entstehen, die eine Querung auf die Nordseite des Gewässers ermöglicht. Weiter geht’s gen Osten Richtung Hamm. Die Stadtkerne entlang der Trasse sollen bestmöglich angebunden werden.

Für die SPD sei ein derartiges Zeitfenster „inakzeptabel“, machen die Fraktionsvorsitzenden der Partei in dem Schreiben an Verkehrsminister Wüst deutlich. Sie fordern, dass die Planungsressourcen für den RS1 aufgestockt werden und sich der Ausbau des Schnellwegs „dem Entwicklungstempo im Kreis Unna anpasst“. Dieser habe sich in den vergangenen Jahren deutlich für die Radmobilität eingesetzt, verfüge unter anderem über das dichteste Netz an Radstationen in ganz NRW. Darüber hinaus seien auch in den kreisangehörigen Kommunen weitreichende Ausbauprogramme für den Radverkehr verabschiedet worden.

„RS1 auch für IGA 2027 wichtig“

Wörtlich heißt es in dem Brief an Wüst: „Es ist ein fatales Zeichen an den Kreis Unna mit seinen rund 390 000 Bürgerinnen und Bürgern, ein bedeutendes Projekt für die klimafreundliche Verkehrswende so weit in die Zukunft zu terminieren.“ Immer mehr Menschen nutzten das Fahrrad für den Weg zur Arbeit, zum Sport und zum Ausflug mit der Familie – da müssten Planung und Bau des RS1 „signifikant beschleunigt“ werden.

Ihre Forderung stellen die Sozialdemokraten auch mit Blick auf die Internationale Gartenausstellung (IGA) 2027, an der die Städte Bergkamen und Lünen beteiligt sind. Der RS1 sei hier ein „wichtiger Baustein“ für die klimafreundliche Erreichbarkeit. „Die Planungen waren darauf ausgerichtet, kommunale Radwege an den RS1 anzuschließen, um so bestmögliche Radwegebeziehungen zu schaffen. Das wird mit einer Umsetzung ab 2026 unmöglich“, zitiert die SPD ihre beiden Ratsfraktionsvorsitzenden Rüdiger Weiß (Bergkamen) und Rüdiger Billeb.

Woanders planen die Kommunen

Der Radschnellweg wurde zuletzt in den Status einer Landesstraße hochgestuft. Federführend betreut wird er von der Regionalniederlassung Ruhr von Straßen.NRW in Bochum. Um die Planung und bauliche Umsetzung der Strecke voranzutreiben, wurden Aufgaben teils übertragen. So planen die Städte Duisburg, Bochum, Dortmund und Hamm den RS1 auf ihrem jeweiligen Stadtgebiet, wobei das Land die Kosten trägt. Die Abschnitte unter anderem in Unna, Kamen und Bergkamen werden durch Ingenieure in Bochum eigenständig geplant.

Gebaut wird der RS1 derzeit in den Abschnitten Gelsenkirchen und Bochum. Baustart ist in diesen Tagen auch in Dortmund. Verkehrsminister Wüst hatte jüngst den Förderbescheid in Höhe von 766.000 Euro für den ersten rund einen Kilometer langen Bauabschnitt überbracht. In Nordrhein-Westfalen sind insgesamt acht Radschnellwege vorgesehen. Der RS1 ist der erste, der realisiert wird.

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