1. wa.de
  2. Lokales
  3. Bergkamen

Baukosten zu hoch: Kita-Erweiterung in Bergkamen auf Eis gelegt

Erstellt:

Von: Jürgen Menke

Kommentare

Die Elternbeiträge für die Kita-Betreuung in Bönen wird im kommenden Jahr möglicherweise steigen.
In Bergkamen sollen weitere Kita-Plätze entstehen. Ein Erweiterungsprojekt wurde nun vorerst gestoppt. © Sebastian Gollnow

An den gegenwärtig hohen Baukosten scheitern wichtige Vorhaben. Etwa das der Johanniter zur Schaffung neuer Kita-Plätze. Der Verband möchte seine „Kindertagesstätte Sugambrerstraße“ im Ortsteil Oberaden gerne erweitern. Doch daraus wird nichts, zumindest vorerst.

Bergkamen – Die Kita ist erst 2019 in Betrieb gegangen. Der Träger möchte Platz für drei weitere Gruppen schaffen, sodass es am Ende sieben wären. „Es wurden eine Aufstockung und ein Anbau geprüft“, sagt Martin Vollmer, Fachbereichsleiter Marketing und Kommunikation beim Regionalverband Östliches Ruhrgebiet des Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Präferiert worden sei ein Anbau mit dem Zukauf eines angrenzenden Grundstücks.

Das Kita-Gebäude war mithilfe eines Investors gebaut worden. Ohne ihn wäre auch eine Erweiterung nicht möglich, erläutert Vollmer. Für dessen aktuelle Entscheidung, das Projekt zunächst nicht weiter zu verfolgen, habe man Verständnis.

Weitere Betreuungsplätze in Zukunft nötig

„Die Baukosten sind zuletzt so stark angestiegen, dass es für die Erweiterung keine ausreichende Finanzierung besteht“, betont Vollmer. Unter anderem die coronabedingten Unterbrechungen von Lieferketten hätten dazu geführt. Und die Bedingungen würden sich absehbar kaum verbessern. Vollmer verweist auf die nun gestiegene Inflation und die politischen Unsicherheiten.

Luftbild Bergkamen
Die „Kindertagesstätte Sugambrerstraße“ wurde erst 2019 in Betrieb genommen. Das eingeschossige weiße Gebäude ist in der Bildmitte (rechts neben dem unteren Sportplatz) zu sehen. © Hans Blossey

Für die Stadt ist das Scheitern der Pläne bedauerlich, aber mit Blick auf die aktuelle Versorgung des Ortsteils mit Betreuungsplätzen noch nicht dramatisch. „Wir haben zurzeit nur ein Kind, das unversorgt ist, und bei den Tagesmüttern noch Luft“, schildert Bergkamens Jugenddezernentin Christine Busch. Um aber auch in Zukunft die Nachfrage bedienen zu können, wären weitere Betreuungsplätze nötig.

Neue Wohngebiete in Planung

In Oberaden gibt es derzeit fünf Kindertageseinrichtungen mit 490 Plätzen. Die Betreuungsquote liegt laut 2021 aktualisiertem Bedarfsplan bei über 100 Prozent (Kinder über drei Jahre) beziehungsweise bei knapp 37 Prozent (Kinder unter drei Jahre). Klar ist aber schon: Der Ortsteil entwickelt sich. Neue Wohngebiete sind in der Planung oder bereits im Bau.

Hier ist vor allem die Bebauung des „Erdbeerfelds“ zwischen Jahnstraße und Hermann-Stehr-Straße zu nennen sowie die Wasserstadt Aden. „Insgesamt entstehen in den nächsten fünf Jahren 555 Wohneinheiten, die potenziell von Familien mit Kindern nachgefragt werden“, heißt es im Bedarfsplan. Darin wird auch darauf verwiesen, dass die Awo plane, eine Außengruppe der Kita „Funkelstein“ langfristig schließen zu wollen. Damit ginge der Wegfall von 25 Ü3-Plätzen einher.

Spätere Umsetzung nicht ausgeschlossen

Busch hofft, dass es den Johannitern doch noch gelingt, die Kita Sugambrerstraße zu erweitern. Alternativen dazu hätten sich noch nicht aufgetan. Der Träger schließt eine spätere Umsetzung der Pläne nicht aus. Vollmer: „Sofern wir die Erweiterung zu einem späteren Zeitpunkt dennoch realisieren können, gehen wir von einer Bauzeit von einem Jahr aus.“

Wir betreiben sowohl Einrichtungen im Eigentum als auch im Investorenmodell. Letztlich hängt der Erfolg immer an dem partnerschaftlichen Miteinander und somit von den handelnden Personen ab.

Martin Vollmer, Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Für Beobachter stellt sich angesichts der Entwicklung die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Kita-Gebäude durch Investoren errichten zu lassen und in Abhängigkeit von ihnen zu betreiben. Vollmer hat eine klare Position: „Wir betreiben sowohl Kindertageseinrichtungen im Eigentum als auch im Investorenmodell. Letztlich hängt der Erfolg immer an dem partnerschaftlichen Miteinander und somit von den handelnden Personen ab. Wir interessieren uns gleichermaßen an beiden Modellen und sind bereit, unseren Beitrag als Träger zu leisten.“

Die nächste Kita entsteht im Übrigen auf der ehemaligen Grimberg 3/4-Fläche im nahe gelegenen Weddinghofen. Dort will die Wohnvoll AG in diesen Tagen mit dem Bau eines Gesundheitszentrums beginnen, in dem eine Einrichtung für vier Gruppen (65 Plätze) integriert ist. Betrieben werden soll sie von der Lebenszentrum Königsborn gGmbH. Busch hofft, dass die Kita in etwa eineinhalb Jahren fertig ist.

Auch interessant

Kommentare